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Samstag, 28. März 2015

Tu felix Austria: Das ewige Leben (8/10)

Jetzt ist schon wieder was passiert. Diesmal liegt allerdings zunächst kein Kriminal-, sondern ein Sozialfall vor. Brenner erfährt beim Arbeitsamt, daß er noch bis 83 arbeiten muß, um die Mindestrente zu erreichen. Was hat der Privatdetektiv die letzten acht Jahre gemacht? Er war selbständig, hat allerdings keine Einkommenssteuer gezahlt. Mag daran liegen, daß nix reingekommen ist. Jetzt bleibt ihm nur noch das verfallene Elternhaus in Graz, das allerdings bereits besetzt ist, als er ankommt. Aber die Katze stört es nicht, daß es reinregnet, und hielt es bisher auch nicht für nötig, sich Strom beim Nachbarn auszuleihen, um knisternde Vinylplatten anzuhören. Die Sache nimmt Fahrt auf, als Brenner bei einem Migräneanfall statt des unwillkommenen Hausgastes versehentlich sich selbst anschießt. Er wacht mit Amnesie im Krankenhaus auf und beginnt, den Mordversuch an sich selbst zu untersuchen. Tatwaffe: eine Walther PKK (Bond läßt nicht grüßen), von der auch einige Jugendfreunde Exemplare besitzen...

Das Ewige Leben ist bereits Brenners vierter verfilmter Fall, adaptiert nach ausgewählten Romanen von Wolf Haas, dessen erfolgreiche Krimireihe bereits acht Bände umfaßt. Haas war neben Regisseur Wolfgang Murnberger und Hauptdarsteller Josef Harder auch jeweils am Drehbuch beteiligt. Während der starke erste Teil Komm, süßer Tod 2000 noch als (wenngleich tiefschwarze) Komödie daherkam, wurde es bereits mit Silentium (2004) und Der Knochenmann (2009) zunehmend zynisch und düsterer. Nun sind weder viel Krimi noch Komödie übriggeblieben, dafür gibt es ganz viel Weltschmerz eines desillusionierten Mittfünfzigers, mit einigen nostalgisch-verschwommenen Jugenderinnerungen als Rückblenden. Trotzdem scheint immer noch Brenners störrischer Humor durch, was auch dank eines kleinen Lichtblicks am Ende dann doch keine allzu deprimierende Tragödie ergibt.

Der Kabarettist Josef Hader, in seinem Nebenberuf bereits 1993 als Gesundheitsinspektor in der schönen Satire Indien (nach seinem eigenen Bühnenstück) bekannt geworden, ist in seiner Heimat ein Star. In Deutschland laufen seine Filme in Schuhschachtelkinos. Das ewige Leben lockte in der ersten Woche hierzulande gerade 26.000 Zuschauer, hiesige Kinogänger haben halt eher Honig im Kopf. Vergleichbare deutschsprachige Qualitätsware kenne ich sonst nicht (wenngleich ich mir gelegentlich Untertitel gewünscht hätte, um dem Grazer Schmarrn besser folgen zu können). O glückliches Österreich! Sehr gut (8/10).

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