Im Mittelpunkt von Side Effects steht der von Jude Law sehr zurückhaltend gespielte Psychiater Jonathan Banks. Er plaudert ein wenig mit seinen Patienten und verteilt dann großzügig Psychopharmaka. Auch seine wegen Jobsuche gestreßte Ehefrau bekommt ein paar Betablocker ab, und der depressiven, selbstmordgefährdeten Emily (eintönig: Rooney Mara) verschreibt er die neue Wunderdroge Ablixa, die sogar auf der Rückseite von Modezeitschriften beworben wird - und offenbar tödliche Nebenwirkungen hat. Leider gerät dieses an sich Potential bietende Thema zunehmend in den Hintergrund, zugunsten einer abstrus konstruierten Krimigeschichte, die zudem die Intelligenz des Zuschauers beleidigt, indem nach der "überraschenden" Wende die Schlüsselereignisse erneut aus anderer Perspektive vor ihm ausgebereitet werden. Die Figuren sind weder glaubwürdig noch sonderlich sympathisch, und den Regisseur (wie immer gleichzeitig Kameramann und Cutter) scheinen mehr die verschiedenen eingesetzten Kameratricks zu interessieren, die aber eher zur Verwirrung des Publikums beitragen.
Erträglich (4/10).
Preise scheinen für Regisseur Steven Soderbergh schon immer der falsche Anreiz gewesen zu sein. Nach seinem tollen, 1989 in Cannes umjubelten, selbstverfaßten Debut Sex, Lügen und Video drehte er einige sperrige, rätselhafte Kunstfilme, bevor er ab 1998 mit Out Of Sight, The Limey, Erin Brockovich, Traffic und Ocean's Eleven konsistente Unterhaltung auf hohem Niveau lieferte. Für sein erstaunliches und unerwartetes Meisterwerk Traffic heimste er 2001 den Oscar für die beste Regie ein (im gleichen Jahr war er auch für Erin Brockovich nominiert, für das bekanntermaßen Julia Roberts ausgezeichnet wurde). Das sollte es denn leider auch sein. Es folgten "kleine" Experimentalfilme, bei denen er offenbar eine maximale Kontrolle des Produktionsprozesses anstrebte, und mittelmäßige größere Produktionen, ermöglicht durch seine Stammmannschaft von Topstars wie George Clooney und Matt Damon. Beide Varianten sorgten regelmäßig für Enttäuschungen und (schlimmer) langweilige Kinostunden. Schlecht beraten vor allem die Zusammenarbeit mit Autor Scott Z. Burns (Der Informant, Contagion, Side Effects), da paarten sich akademische Bücher mit leidenschaftsloser Inszenierung. Mit 50 Jahren hat Soderbergh jetzt seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft angekündigt. Was mich betrifft, kommt dieser 10 Jahre zu spät.
Neben Kinofilmen bespreche ich auch TV-Serien, Musik und Bücher, mit dem Schwerpunkt Science Fiction.
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Sonntag, 28. April 2013
Samstag, 6. April 2013
Filmkritiker, Literat, Showman: Roger Ebert 1942 - 2013
Wenn ich mal von mir auf die Allgemeinheit schließen darf, sind selbst Kinofans nur wenige Kritikernamen geläufig. In Deutschland ist da höchstens Hellmuth Karasek mit seiner unbedingt lesenswerten Werkschau Mein Kino. Die 100 schönsten Filme zu nennen. In den USA war bis in die 90er hinein die beim New Yorker angesiedelte Pauline Kael so populär wie umstritten; sie gewann einen National Book Award für ihre 1973 veröffentlichte vierte Sammlung von Kritiken. Roger Ebert war zwar seit 1967 fester Kinokritiker der Chicago Sun-Times und gewann 1974 einen Pulitzer-Preis, wurde überregional aber vor allem durch seine Fernsehsendungen bekannt. Ende der 60er schrieb er einige Drehbücher zu Trash-Filmen seines Freundes Russ Meyer, darunter jenes zum herrlich verrückten Blumen ohne Duft/Beyond the Valley of the Dolls. Sein Blog und Online-Versionen seiner Reviews machten ihn in den letzten Jahrzehnten zum vielleicht weltweit berühmtesten und einflußreichsten Kinokritiker.
Obwohl Ebert mit seinem TV-Partner Gene Siskel von der Chicago Tribune Filmbewertungen auf eine einfache Daumenwertung reduzierte ("2 Thumbs up"), hatten seine schriftlichen Urteile Substanz, literarische Qualität und zeugten von einer unbedingten Liebe zum Medium Film. Im Gegensatz zur eigenwilligen Pauline Kael waren seine Meinungen eher im Einklang mit der Kritikergemeinde, wenngleich Ausreißer durchaus vorkamen. So benennt er Charlie Kaufmans für mich (und die meisten anderen) vollkommen mißlungenes Synecdoche, New York als besten Film von 2008 und verspottet das unterhaltsame Cave Man von 1981 mit Ringo Starr (obwohl er eigentlich einen Hang zum Trash hat). Aber gute Kritiken sind für mich nicht unbedingt jene, die am besten meine eigene Meinung reflektieren. Sie dürfen subjektiv und persönlich sein, solange sie mir eine neue Perspektive und Einblicke gewähren und nicht einfach nur lobhudeln oder verdammen.
Manchmal möchten einem natürlich einfach die objektiven Worte nicht einfallen. Einige Zitate aus seiner Sammlung von Verrissen This Movie sucks ("Dieser Film stinkt") - die meisten dieser oft vielumworbenen Filme konnte ich bisher meiden:
Zu Battlefield Earth (Machwerk nach Hubbard mit John Travolta):
Battlefield Earth ist wie eine Busreise mit jemand, der schon seit langer Zeit ein Bad nötig gehabt hätte.
Zu Die Flintstones in Viva Rock Vegas:
Dies ist ein idealer erster Film für Kleinkinder, die die grellbunten Farben auf der Leinwand genießen und mit ihren winzigen Händen zur Musik winken können.
Zu Die Legende des Zorro:
Ich suche nach dem korrekten Wort zur Beschreibung der Szene, als Zorro die Scheidungspapiere bekommt. Ah, gefunden! Schade, kann ich nicht benutzen, dies ist eine Famlienzeitung. Beginnt mit "S".
Zu Pearl Harbor:
Zu The Village (Shyamalan):
Zu Scooby-Doo:
Zu Charlie's Angels:
Zu The Hot Chick (mit Rob Schneider):
Manchmal freut man sich natürlich, wenn eine Kritik die eigene Meinung widerspiegelt. Zuletzt möchte ich daher noch erwähnen, daß Roger Ebert Cloud Atlas fabelhaft fand, wenn auch ohne Kenntnis des Buches verwirrend, und sich bereits auf ein Wiedersehen freute. Leider ist dieses wohl nicht mehr zustande gekommen.
Obwohl Ebert mit seinem TV-Partner Gene Siskel von der Chicago Tribune Filmbewertungen auf eine einfache Daumenwertung reduzierte ("2 Thumbs up"), hatten seine schriftlichen Urteile Substanz, literarische Qualität und zeugten von einer unbedingten Liebe zum Medium Film. Im Gegensatz zur eigenwilligen Pauline Kael waren seine Meinungen eher im Einklang mit der Kritikergemeinde, wenngleich Ausreißer durchaus vorkamen. So benennt er Charlie Kaufmans für mich (und die meisten anderen) vollkommen mißlungenes Synecdoche, New York als besten Film von 2008 und verspottet das unterhaltsame Cave Man von 1981 mit Ringo Starr (obwohl er eigentlich einen Hang zum Trash hat). Aber gute Kritiken sind für mich nicht unbedingt jene, die am besten meine eigene Meinung reflektieren. Sie dürfen subjektiv und persönlich sein, solange sie mir eine neue Perspektive und Einblicke gewähren und nicht einfach nur lobhudeln oder verdammen.
Manchmal möchten einem natürlich einfach die objektiven Worte nicht einfallen. Einige Zitate aus seiner Sammlung von Verrissen This Movie sucks ("Dieser Film stinkt") - die meisten dieser oft vielumworbenen Filme konnte ich bisher meiden:
Zu Battlefield Earth (Machwerk nach Hubbard mit John Travolta):
Battlefield Earth ist wie eine Busreise mit jemand, der schon seit langer Zeit ein Bad nötig gehabt hätte.
Zu Die Flintstones in Viva Rock Vegas:
Dies ist ein idealer erster Film für Kleinkinder, die die grellbunten Farben auf der Leinwand genießen und mit ihren winzigen Händen zur Musik winken können.
Zu Die Legende des Zorro:
Ich suche nach dem korrekten Wort zur Beschreibung der Szene, als Zorro die Scheidungspapiere bekommt. Ah, gefunden! Schade, kann ich nicht benutzen, dies ist eine Famlienzeitung. Beginnt mit "S".
Zu Pearl Harbor:
Die Filmemacher scheinen auf ein Publikum abzuzielen, daß möglicherweise noch nie von Pearl Harbor gehört hat, vielleicht nicht einmal vom Zweiten Weltkrieg.
Zu The Village (Shyamalan):
Nach der Pressevorführung wurde darum gebeten, keine Handlungsgeheimnisse preiszugeben. Grund war nicht, Ihnen den Film zu verderben. Wenn Sie die Geheimnisse wüßten, würden Sie den Film gar nicht mehr sehen wollen.
Zu Scooby-Doo:
Dieser Film existiert in einem geschlossenen (Film-)Universum, und wir übrigen sind dort Fremde. Das Internet wurde erfunden, damit Sie die Kritik von jemand anderem zu "Scooby Doo" finden können. Starten Sie Ihren Browser!
Zu Charlie's Angels:
Charlie's Angels ist wie der Trailer für einen Film zum Videospiel, nur ohne das Videospiel und den Film.
Zu The Hot Chick (mit Rob Schneider):
Die MPAA hat diesen Film ab 13 freigegeben. Er ist zu vulgär für alle unter 13 und zu dämlich für alle über 13.
Manchmal freut man sich natürlich, wenn eine Kritik die eigene Meinung widerspiegelt. Zuletzt möchte ich daher noch erwähnen, daß Roger Ebert Cloud Atlas fabelhaft fand, wenn auch ohne Kenntnis des Buches verwirrend, und sich bereits auf ein Wiedersehen freute. Leider ist dieses wohl nicht mehr zustande gekommen.
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