"Hustle" bedeutet etwa "betrügerischer Trick". Ein berühmter Hustler war Paul Newman 1961 in Haie der Großstadt (für dessen Fortsetzung Die Farbe des Geldes er 1987 schließlich seinen Oscar gewann). American Hustle ist leider großenteils das Blendwerk, das der Titel verspricht (vielleicht paßt die "Eindeutschung" "American Bullshit" tatsächlich besser). Regisseur David O. Russell gibt selbst zu, daß Charaktere ihm wichtiger als die Handlung sind. Aber wenn Figuren nicht in einen sinnvollen Ablauf eingebunden sind, spielen selbst die besten Charakterdarsteller ins Leere. Nun, die Akademie ist drauf reingefallen - in allen Hauptkategorien gab's Nominierungen.
Bereits nach wenigen Minuten stellt sich bei mir Unbehagen ein. Es gibt keine Identifikationsfigur, und die Komik erstickt immer wieder in schlechtem Timing. Warum die Erzählung wahllos mittendrin begonnen wird und dann zurückblendet, erschließt sich mir nicht. Und wenn ich schon das anfänglich überschaubare Geschäftsmodell ("mach mir aus 5.000 Dollar 50.000) nicht nachvollziehen kann, dann investiere ich später wohl kaum noch Grips, wenn's ums Ganze geht. Ich verstehe aber richtig, daß der gutmütige und idealistische Lokalpolitiker (Jeremy "Hawkeye" Renner) übers Ohr gehauen werden soll. Christian "The Dark Knight" Bale (mit Wampe) und Amy "Lois Lane" Adams (mit tiefem Dekolleté) spielen das im Mittelpunkt stehende Betrüger- und Liebespaar facettenreich, doch es ist nie klar, welche Gefühle echt und welche gespielt sind. FBI-Agent Bradley Cooper will Karriere machen und verprügelt dazu schon mal seinen Vorgesetzten. Und dann kommt da die Mafia ins Spiel, mit einem glänzenden Cameo von Robert De Niro. Na ja, aber richtig Spannung erzeugt das trotzdem nicht. Einzig die Szenen mit Jennifer Lawrence als trashiger Ehefrau von Bale bleiben in Erinnerung - die 23jährige kann einfach nicht langweilig sein und steht kurz davor, zur jüngsten doppelten Oscarpreisträgerin der Geschichte gekürt zu werden.
David O. Russell hat letztes Jahr mit Silver Linings sein diszipliniertestes Werk abgeliefert. Jetzt kehrt er zu früheren Exzessen zurück, mit vielen improvisierten Szenen (was dem Handlungsbogen schadet) und nervigen Kameraschwenks und Zooms. Für 138 Minuten Dialogeintopf können auch das detailreich inszenierte 70er-Ambiente und die explodierenden Frisuren (wie die Moderatorinnen der Globes es nannten) nicht entschädigen. Der Soundtrack bietet ein paar nett-nostalgische Hits aus den 70ern, aber merkwürdigerweise (falls ich mich nicht irre) auch zwei neue, auf Retro getrimmte Songs von Jeff Lynne (dessen ELO mit der allerersten Single von 1972 ebenfalls vertreten ist). Schwamm drüber (5/10).
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