Im DVD-Kommentar zu (wenn ich mich nicht irre) einer Angel-Folge hat Joss Whedon vor Jahren mal Amy Acker als "das Schönste, das er jemals gefilmt hat" hervorgehoben. Was bei anderen vielleicht fragwürdig wirken würde, nimmt man ihm als Begeisterungsausbruch des Augenblicks ab. Er pflegt zu den meisten seiner Darsteller ein freundschaftliches Verhältnis, geprägt von der gemeinsamen Liebe zur Kreativität. Bei aller Cleverness hat Whedon, mit den Avengers immerhin für den dritterfolgreichsten Film aller Zeiten verantwortlich, nie seinen Sinn für künstlerische Ästhetik verloren. Und er hatte immer schon ein Händchen für die Besetzung gutaussehender Schauspieler mit oft eigenwilliger Persönlichkeit - Ken und Barbie hatten bei ihm nie eine Chance. Nur an Charisma Carpenter als Cordelia hat er m.E. aus Loyalität zu lange festgehalten - sie hatte ihr Willkommen schon in drei Staffeln Buffy überstrapaziert, bevor sie als Hauptfigur zu Angel wechselte.
Über Jahre hatte Joss Whedon mit einem Kern von Schauspieler-Freunden in seinem Haus Wochenend-Lesungen von Shakespeare-Werken veranstaltet. Im Herbst 2011, in einer Drehpause von den Avengers, inszenierte er "als Entspannung" und anstatt einer Reise zum 20jährigen Hochzeitstag binnen zwölf Tagen eine moderne und doch werkgetreue Fassung von Much Ado About Nothing (Viel Lärm um Nichts), die sich kaum mehr von der ausgelassenen, sonnigen Branagh-Version von 1993 unterscheiden könnte: photographiert in geschmackvollem Schwarz-Weiß, produziert in der von seiner Frau Kai eingerichteten Villa in Santa Monica, realisiert mit einem Team von Freunden. Welch glückliche Menschen, die da in einer Seifenblase von Schönheit und Wohlstand leben...
Die Hauptrollen spielen die erwähnte bildhüsche Amy Acker (Angel, Dollhouse, Cabin in the Woods) und Alexis Denisof (Buffy, Angel, Dollhouse), der im wirklichen Leben mit "Willow" Alyson Hannigan (inzwischen mit How I Met Your Mother super-erfolgreich) verheiratet ist. Hier gibt es also ein spätes Happyend für Fred und Wesley aus Angel, und die beiden treten als Beatrice und Benedick selbstbewußt in die Fußstapfen von Emma Thompson und Kenneth Branagh. Aber wie meist bei Whedon ist das Ensemble der Star, unter anderen mit "Agent Coulson" Clark Gregg als Beatrice' Onkel Leonato, Reed Diamond (Dollhouse) als Prinz Don Pedro, Sean Maher (Simon, Rivers Bruder aus Firefly) als sein intriganter Bruder Don John und Fran Kranz (Dollhouse, Cabin in the Woods) als sein verliebter Freund Claudio. Dazu kommt die als Statistin bei den Avengers von Joss entdeckte Jillian Morgese, die sich als unschuldig-junge Hero nahtlos in die erfahrene Gruppe einreiht. Und dann gibt es da noch Nathan "Captain Smartpants" Fillion, dessen Tölpel Dogberry weit von Michael Keatons grandiosem Clown entfernt und doch ähnlich charismatisch ist (wenn man sich mal an die neuerrungene Leibesfülle des inzwischen gut 40jährigen Firefly-Veteranen gewöhnt hat).
Damit wirken die TV-Darsteller weitaus geschlossener als Brannaghs zusammengewürfelte Star-Ensemble (dessen Stunt-Casting u.a. mit Keanu Reaves als Don John und Denzel Washington als Don Pedro nicht komplett überzeugen konnte). Es ist ein kleines Wunder, wie natürlich die Verse des Barden den Whedonites von der Zunge rollen. Das wirkt kaum anachronistisch in einer Welt der Limousinen, Mobiltelefone und Handfeuerwaffen, aber immer noch komisch und bewegend. Auch der Slapstick kommt nicht zu kurz (Denisof hat dafür ein besonderes Talent). Dazu kommt die vom Meister unter Mitwirkung seines Bruders Jed und seiner Schwägerin Maurissa Tancharoen komponierte und eingespielte Musik. Besonders schön das von Maurissa bei der Willkommensparty gesungene "Sigh no more", das ich mir direkt bei iTunes laden mußte. Übrigens lief der Film auch in Deutschland kurz im Kino, ich selbst habe mir aber gleich die Blu-ray aus England besorgt (kommt demnächst aber auch hier heraus). Muß ich noch sagen, daß ich die Originalversion empfehle?
Insgesamt komme ich aus anderen Gründen zum gleichen Urteil wie für die Branagh-Verfilmung: Herausragend (9/10).