Shane Black ist einer der wenigen Drehbuchautoren, die Dialoge auf dem Niveau von Avengers-Guru Joss Whedon schreiben können. Nach seinem Durchbruch mit den herausragenden ersten beiden Lethal-Weapon-Filmen verkrachte er sich jedoch schnell mit den Hollywood-Mächtigen, und erst 2005 hatte er sein Comeback, diesmal auch als Regisseur der tollen Krimikomödie Kiss Kiss Bang Bang. In der Hauptrolle brillierte Robert Downey Jr., ebenfalls zurückgekehrt nach gravierenden Drogenproblemen. Sieben Jahre später ist dieser, einst als junges Genie gefeiert und für die Titelrolle in Richard Attenboroughs leider recht schematischen Chaplin-Biographie bereits 1992 für den Oscar nominiert, der bestbezahlte Schauspieler des Planeten (gemunkelt wird inklusive Gewinnbeteiligung von 50 Mio Dollar für The Avengers). Klar, daß er nach dem Rücktritt Jon Favreaus als Regisseur (er ist in einer Nebenrolle als Starks Freund Happy zu sehen) seinen Einfluß geltend machte, um seinem Freund Shane Black den Job zu verschaffen.
Der Akzent und die Stärke von Iron Man 3 liegen denn auch eher bei den intimen als bei den Actionszenen. Nach den Mafiosi Robert de Niro als Paul Vitti in Reine Nervensache und James Gandolfini in den Sopranos erleben wir nun einen Superhelden mit Therapiebedarf; die nur knapp verhinderte Selbstaufopferung im Finale der Avengers hat Spuren hinterlassen. Das gibt viel Raum für Selbstironie des ohnehin gebrochenen Helden, und selbst die notwendige Zusammenarbeit mit einem forschen Zwölfjährigen meistert er weitgehend kitschfrei. Gwyneth Paltrow als seine Freundin Pepper und Don Cheadle als Colonel Rhodes allerdings bleiben weiter blaß, genauso wie Neuzugang Rebecca Hall. Dafür haben Guy Pearce (Memento) und Sir Ben Kingsley (Gandhi) sichtlich Spaß an ihren Schurkenrollen.
Im Netz wird die Umdeutung der Comicfigur des Mandarin sehr kontrovers diskutiert. Ohne Kenntnis der Comics kann ich nur sagen, daß der Glaubwürdigkeitslevel des Avengers-Universums durch Aliens und "Götter" bereits arg strapaziert ist, und die zusätzliche Einführung eines Magiers mich nicht unbedingt überzeugt hätte. Black macht aus dem Mandarin einen eher Bin Laden nachempfundener Terrorist. Eine dadurch ermöglichte herrliche Wendung der Geschichte möchte ich hier nicht verraten, denn solche Überraschungen sind arg selten geworden. Was den Spaß mindert, sind einige riesige Logiklöcher, insbesondere die unglaubwürdigen "Feuerkrieger", die angeblich durch Freisetzung ungenutzen Hirnpotentials entstanden sind, und das resultierende abschließende Actionfeuerwerk, das durch das Duell zweier praktisch unzerstörbarer Gegner bis auf einige Schauwerte eher Langeweile erzeugt. Shane Black wollte ja im zweiten Lethal-Weapons-Film Mel Gibsons Figur Martin Riggs am Ende sterben lassen. Hier hat er leider die Gelegenheit verpaßt, wenigstens eine Nebenfigur loszuwerden.
Auch wenn ich wegen des überlangen und vorhersehbaren Actionfinales ein wenig zwiespältig bin, halte ich diesen dritten und wohl kaum abschließenden Teil der Saga um den populärsten Avenger doch für deutlich besser als den Vorgänger und vergebe wie für den ersten Teil ein Sehr Gut (8/10).
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