Es ist jetzt fünf Jahre her, daß David Fincher Aaron Sorkins später Oscar-prämiertes Drehbuch Das Soziale Netzwerk zu einem zeitlosen Meisterwerk und gleichzeitig zum Porträt einer sehr speziellen Generation verdichtete. Die Biographie des Facebook-Gründers nahm sich allerhand Freiheiten, insbesondere in Rooney Maras Figur von Zuckerbergs Freundin, blieb aber dem Geist der Geschichte treu und bot faszinierende Einblicke in die Dynamik sozialer Netzwerke. All dies kann ich dem "Nachfolger" Steve Jobs leider nicht bescheinigen. Ursprünglich sollte Sorkins Drehbuch mit Christian Bale in der Titelrolle erneut von David Fincher inszeniert werden. Das war, wie man den Sony-Leaks entnehmen kann, dem Studio wohl zu teuer. So kam aus der zweiten Reihe der Brite Danny Boyle zum Zuge, der meiner (mal wieder abweichenden) Meinung nach allerdings seit Trainspotting nichts Begeisterndes mehr geliefert hat. Seine mit Oscars überhäufte Romanverfilmung Slumdog Millionaire fand ich nahezu bedenklich, weil sie das Konzept des unmöglichen Happy Ends in amerikanisierten Kitsch verwandelte (ohne das Buch gelesen zu haben, spricht die Erklärung des Märchenendes Bände: "Because it was written!") Siehe dazu auch die Reaktion von Salman Rushdie und anderen.
Ob allerdings Fincher viel mehr aus diesem Drehbuch über den umstrittenen iVisionär herausgeholt hätte, halte ich für unwahrscheinlich. Eine gesunde Dosis seiner inszenatorischen Kraft hätte dem arg intellektuellen Drei-Akter vielleicht gut getan. Ansonsten geht es mir hier wie den (Nicht-)Käufern des Macintosh: Zwei Ports sind einfach zu wenig. Die Schauspielkunst von Michael Fassbender als Steve Jobs und vor allem Kate Winslet als seiner Marketingchefin ist bewundernswert, aber den beiden allein gelingt es nur selten, den Zuschauer ins Geschehen zu ziehen. Wie er in seinem TV-Meisterwerk The West Wing gezeigt hat, kann Sorkin ja von morgens bis abends spannende Dialoge schreiben (er trug in den ersten Jahren mehr als die Hälfte der Scripte bei), aber diesmal versickern seine Einfälle eher im Teppich der prominent besetzen Nebenfiguren. Wozniak, Sculley und Hertzfeld bleiben blass, und mir ist nicht mal klar, ob sich Sorkin nun zu viele Freiheiten oder zu wenige genommen hat. Über den realen Steve Jobs oder seine Produkte erfährt man hier kaum etwas, und die Chronologie endet bei der Vorstellung des ersten iMac, der angesichts von iPod, iPhone und iPad heute bereits fast vergessen ist. Die zentrale Vater-Tochter-Beziehung des Stückes bleibt vage, auch weil Lisa wegen der Zeitsprünge durch drei verschiedene Schauspielerinnen dargestellt wird, was Anteilnahme zum Stückwerk macht.
Im Gegensatz zum veritablen Hit The Social Network ist Steve Jobs in den USA bereits gefloppt, und es liegt ganz bestimmt nicht an der Besetzung, auch nicht am stets anstrengenden Seth Rogen als Steve Wozniak, wie ein Analyst kühn behauptet hat. Weder Fincher noch Leonardo DiCaprio (als Jobs) hätten diese Sorkin'sche Gurke retten können. Gemessen an meinen geringen Erwartungen war das gerade noch: Annehmbar (5/10).
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen