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Samstag, 30. November 2013

Ernsthaft, Woody? Blue Jasmine (7/10)

Etwa einmal pro Jahrzehnt versucht sich Woody Allen an einem "ernsten" Film ohne Komikanteil. Meist orientiert er sich dabei an seinen Vorbildern, insbesondere Ingmar Bergman. Zuletzt (2005) schien er sich im überaus spannenden und klugen Match Point davon gelöst zu haben. Jetzt versucht er sich an einer Variation von Tennessee Williams' "Endstation Sehnsucht", bekannt durch die sehenswerte Verfilmung Elia Kazans von 1951. Diese lebte von den Gegensätzen ihrer Hauptdarsteller: hier Vivien Leigh in einer technisch perfekten "theatralischen" Darstellung, dort Brando mit der vollen Wucht seines Method Acting, Schweiß und Nuscheln inklusive.

Doch auch wenn Cate Blanchett in der Titelrolle Vivian Leigh durchaus ebenbürtig ist, fehlt in Blue Jasmine der Gegenpol. Sally Hawkins als Jasmines Schwester (lange nicht so nervig wie in Mike Leighs Happy Go Lucky) und Bobby Cannavale in der zur Nebenfigur degradierten Kowalski-Rolle wirken sympathisch und natürlich, Alec Baldwin als Madoff-ähnlicher Börsenschwindler spielt einen Jack Donaghy (30 Rock) ohne Persönlichkeit oder komische Komponente. Es ist ein wie bei Woody üblich sehr kompetentes Ensemble, in dem aber nicht die Funken sprühen wie dereinst zwischen Leigh und Brando. Und vielleicht auch durch den ungewohnten Drehort San Francisco ist dies für mich Woodys unpersönlichstes Werk seit langem.

So bleibt die ohnehin deprimierende Geschichte recht einseitig. Man staunt über Cate Blanchett, die technisch vielleicht versierteste Schauspielerin ihrer Generation, die aber immer ein wenig kühl wirkt (was allerdings der über 8.000 Jahre alten Galadriel aus Peter Jacksons Tolkien-Verfilmungen gut ansteht). Und dann ist da der Soundtrack. Sicher wird der Meister, der morgen 78 Jahre alt wird, seinen Musikgeschmack nicht mehr ändern. Aber in diesem ansonsten recht modern wirkenden Werk scheinen die alten Blues- und Swingklassiker wirklich fehl am Platz. "Blue Moon" als Jasmines Leitmotiv ist schwer vermittelbar - für Kenner abgegriffen, für andere weit hergeholt. Vielleicht sollte er wie beim Casting (eine Disziplin, die er unlängst sogar für eine eigene Oscar-Kategorie vorschlug) langsam auch bei der Musik externe Beratung einholen.

Nach dieser (leichten) Anstrengung dürfen wir uns auf die nächste Komödie freuen, die (u.a. mit Emma Stone und Colin Fith) bereits abgedreht ist und uns den Sommer 2015 versüßen könnte. In seinen großen Filmen hat Woody natürlich Komik und Tragik brillant miteinander verschmolzen, etwa in Verbrechen und andere Kleinigkeiten. Aber solche Meisterwerke sind wohl nicht mehr zu erhoffen.

Gut (7/10).

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