Suche im Blog

Freitag, 14. März 2014

Wes-Anderson-Highlight: Grand Budapest Hotel (8/10)

Die besten Filme von Wes Anderson sind wie russische Matroschka-Puppen. Man entfernt die äußere Hülle und entdeckt eine neue, kleinere Puppe. Dies wiederholt man einige Male, bis sich die letzte Instanz als leer entpuppt. Der Wert der geschachtelten Objekte liegt aber in ihrer kunstvollen Bemalung, und der Spaß im Auspacken selbst.

Mit Grand Budapest Hotel kehrt Anderson zur erzählerischen Detaildichte und dem virtuos verwobenen Potpurri skuriller Figuren der Royal Tenenbaums von 2001 zurück. Während seine Phantasie im Nachfolger Die Tiefseetaucher (2004) reichlich überschäumte, mußte man mit Darjeeling Limited (2007) ihre endgültige Verwässerung befürchten. Jetzt triumphiert der sympathische Mittvierziger zum zweiten Mal in Folge. Seinem jüngsten Film fehlt zwar die Wärme der zentralen Teenagerromanze von Moonrise Kingdom, macht das aber wett durch eine irrsinnige Reise in ein verzaubertes Osteuropa des frühen 20. Jahrhunderts.

Abgesehen von Altmeister Woody Allen gibt es nur wenige Regisseure, denen die Stars (des unabhängigen wie des Blockbuster-Kinos) so zu Füßen liegen und meist für den tariflichen Mindestlohn grandiose Darstellungen abliefern. Diesmal zähle ich allein drei Oscar-Preisträger (F. Murray "Salieri" Abraham, Adrien "Der Pianist" Brody, Tilda "Social Services" Swinton), weitere sieben Nominierte, darunter (diesmal nur in einem erweiterten Cameo) Mr. Comedy persönlich: Bill Murray, Andersons treuer Weggefährte seit dessen (Arthhouse-)Durchbruch mit Rushmore (1996). Hinzu kommen sein Freund aus Studentenzeiten, Owen Wilson, mit dem Anderson gemeinsam für das Drehbuch der Royal Tenenbaums nominiert war, der profilierte, weit unterschätzte Bob Balaban (der Erzähler und Wetterfrosch von Moonrise Kingdom), und in der fünften Zusammenarbeit Jason Schwartzman, der (im Vergleich zu Nic Cage) weniger bekannte Coppola-Neffe.

Hauptdarsteller Ralph ("Rafe") Fiennes wurde berühmt als sadistischer KZ-Chef in Schindlers Liste, bevor er uns als Englischer Patient fast zu Tode langweilte. Später übersteigerte er seine britische Hochadelsarroganz als Lord Voldemort ins Schleimige und als Skyfalls M ins Alberne. Aber bereits im grandiosen Brügge sehen... und sterben? zeigte er eine mir bis dahin unbekannte komische Seite. Sein Concierge und Schwerenöter Monsieur Gustave nun brennt sich uns mit exaktem Timing und staubtrockenen Dialogen ins Gedächtnis ein. Gemeinsam mit der noch nicht einmal 18jährigen Entdeckung Toni Revolori steht er im Zentrum dieser wilden Erzählung. In Nebenrollen amüsieren Willem "Green Goblin" Dafoe als sinistrer Biker, der leider nur noch selten zu sehende Jeff "das lange Elend" Goldblum als fatal korrekter Anwalt und Harvey "The Cleaner" Keitel, auch mit über 70 Jahren noch willens, seinen nackten Oberkörper darzubieten.

Ein erstes Highlight des jungen Kinojahres: Sehr gut (8/10)!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen