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Sonntag, 18. Mai 2014

Zwiespältig: Jason Reitmans "Labor Day" (6/10)

Der erst 36jährige Jason Reitman (Sohn des Ghostbusters-Regisseurs Ivan) hatte bisher ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Projekte. Herausragend dabei die Verfilmung des Diablo-Cody-Drehbuchs Juno und seiner eigenen Adaption des Romans Up in the Air, mit denen er sich einen Namen als Experte für intelligente Komödien machte. Es ist durchaus verständlich, wenn er sich nun auch an anderen Stoffen versuchen möchte. Vorgänger Young Adult mit Charlize Theron war mit seinen tragikomischen Untertönen manchmal schon schwer zu ertragen. Aber mit der Adaption des 2009 erschienenen Romans von Joyce Maynard als seinem fünften Film kehrt er nun seinen erprobten Fähigkeiten wohl zu früh den Rücken. Reitman schafft zwar eine spannende Atmosphäre mit einigen schönen Szenen und schauspielerischen Glanzpunkten, die Zutaten mischen sich aber nicht zu einem befriedigenden Ganzen.

Labor Day spielt, bis auf einige Rückblenden und einen Epilog, am Labor-Day-Wochenende 1987, beschwört aber eher Rollenbilder der 60er herauf. Der entflohener Sträfling Frank (sympathisch: Josh Brolin, Hauptdarsteller aus No Country for Old Men) versteckt sich bei einer geschiedenen, psychisch labilen Mutter Adele (kompetent wie immer: Kate Winslet) und ihrem 13jährigen Sohn Henry und wächst binnen Tagen in die Rolle des Ehemanns und Vaters. Tobey Maguire liefert die Erzählstimme des älteren Henry, der auf dieses Schlüsselerlebnis seiner Jugend zurückblickt. Vielleicht wird in der Vorlage deutlich, ob diese Perspektive verklärt oder anderweitig verzerrt ist. Durch den Blickwinkel des Vorpubertierenden wird den Szenen zwischen Frank und Adele jdenfalls jegliche Erotik entzogen, und Henrys Gefühlswelt bleibt rätselhaft, besonders in seiner Begegnung mit der gleichaltrigen Eleanor. Diese wirkt in einer Mischung aus Zynismus und Verführung so bizarr, daß ich lange die These verfolgte, sie existiere nur in Henrys Vorstellung.

Im Ergebnis hat mich Labor Day über seine 111 Minuten zwar gefesselt, aber doch mehr und mehr verwirrt, um schließlich einen recht merkwürdigen Nachgeschmack zu hinterlassen. Ordentlich (6/10).

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