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Montag, 20. Mai 2013

Skyfall im Weltall: Star Trek Into Darkness (5/10)

Da sich Regie-Wunderkind J.J. Abrams demnächst in beiden Franchises bewegen wird, möchte ich versuchen klarzustellen, was eigentlich der Unterschied zwischen Star Wars und Star Trek ist. Mit seinem anbiedernden Lapsus des "Jedi Mind Meld" hat selbst Präsident Obama bewiesen, daß die beiden Pop-Phänomene in der breiten Öffentlichkeit nicht sauber voneinander abgegrenzt sind.

Im Krieg der Sterne kämpft ein junger Held um das Leben der Prinzessin und die Befreiung des Reichs vom bösen Imperator. Unterstützt wird er dabei von einem weisen Ratgeber, zwei magisch anmutenden Automaten und einem zwielichtigen Schmuggler. Gute wie Böse zapfen eine mythische Macht an und erlangen dadurch übermenschliche Fähigkeiten. Obwohl das Abenteuer in einer fernen Zukunft angesiedelt ist und die Schlachten mit Raumschiffen und Lasterpistolen geschlagen werden, spielt Wissenschaft keine Rolle, im Gegenteil sind die wenigen technischen Details auch mit geringen Physikkenntnissen schnell als Humbug entlarvt (anderthalbfache Lichtgeschwindigkeit? Ein Wettrennen in weniger als 12 Parsecs?) . Star Wars ist eine Flucht in eine romantisch verbrämte Phantasiewelt, ein Weltraummärchen, das allerdings ungeheuer viel Spaß macht. Tatsächlich gehört Das Imperium schlägt zurück zu meinen Lieblingsfilmen.

In Raumschiff Enterprise geht es um philosophische, soziale, technische Ideen, Minidramen, die in einer idealisierten nahen Zukunft angesiedelt sind. Technik ist großenteils genauso Humbug, aber immerhin in sich einigermaßen konsistent, und dient nur als Mittel zum Zweck. Im Vordergrund stehen die Konflikte der Charaktere, die oft genug Politik und Gesellschaft der Gegenwart widerspiegeln. In vielen der besten Episoden fällt kein einziger Schuß (The City on the Edge of Forever, The Trouble With Tribbles). Und wenn Captain Kirk die Waffen sprechen läßt, bekommt er oft genug eins auf die Nase und wird als ewiger kalter Krieger entlarvt. Star Trek ist Science Fiction im besten Sinne, deren stärkste Utopie in der Idee besteht, daß die Menschheit binnen weniger Jahrhunderte emotional reifen und Gewalt und Armut weitgehend hinter sich lassen kann.

Mit Star Trek Into Darkness hat nun J.J. Abrams ein neues Untergenre etabliert, das ich mal als FAD bezeichnen möchte - "Future Action Drama". Sein Reboot von 2009 war in sich spannend und interessant konstruiert, und die Einführung jüngerer Versionen der sieben durch die Filme 1-6 kanonisierten Hauptfiguren bot zumindest eine Menge Potential. Leider gelingt es ihm nicht, dieses in der Fortsetzung zu verwirklichen. Wiederum wird die Freundschaft zwischen Kirk und Spock in den Mittelpunkt gestellt (und verrät damit übrigens das durch McCoy zu vervollständigende ursprüngliche Triumvirat). Als Gimmick hat man offenbar ihre Persönlichkeiten vertauscht, so daß Spock den Faustkampf austrägt und Kirk die rationale Entscheidung fällt. Alle übrigen Figuren sind nur Stichwortgeber. Die Kinofilme der "alten" Generation hatten in dieser Hinsicht ja einen großen Vorteil: Alle Charaktere besaßen eine reiche Hintergrundgeschichte, ihre Beziehungen waren etabliert und ihre Schwächen und Stärken bekannt. Eine Szene wie die Selbstopferung Spocks in "Der Zorn des Khan" erhält so eine ungeheure emotionale Durchschlagkraft. In einer wohl als clever gedachten, fast spiegelgleichen Szene im neuen Film zeigt sich der größte Fehler im neuen Konzept. Die Beziehungen und Freundschaften werden lediglich behauptet, gehen tatsächlich aber im Action-Feuerwerk unter. Als Zuschauer war ich emotional sehr unbeteiligt.

Die Handlung an sich ist durchaus spannend und für einen Action-Film kompetent umgesetzt. Leider liegt dem ganzen keine einzige Idee tiefergehende Idee zugrunde, und das ist der eigentliche Verrat am Franchise. Wir haben hier lediglich eine Rachegeschichte mit einem gewissen Twist, und das hat für mich schon im jüngsten James-Bond-Abenteuer nicht gut funktioniert. Und übrigens: Wenn schon eine große Enthüllung geplant ist, sollte man den Dialog der entsprechende Szene vielleicht besonders gut durchdenken? Um ja keinen Spaßverderb zu riskieren, ersetze ich im Zitat die Namen durch harmlose:

Mein Name ist nicht Max Mustermann! Mein Name ist Peter!

Das hätte Ricardo Montalban besser hinbekommen. Oops, doch ein Spoiler für Fans...

Bis auf diese Enttäuschung macht sich Benedict Cumberbatch eigentlich gut als Bösewicht. Sein Charisma stellt er als Sherlock ja regelmäßig unter Beweis, und seine eindrucksvolle Stimme wird er demnächst dem Drachen Smaug im Hobbit leihen. Wenn man ihm doch eine eigenständige Figur auf den Leib geschrieben hätte! Alice Eve als Carol Marcus kann leider das (alte) Problem nicht beheben, daß Frauen (bis auf Uhura) nur als "Hot Space Babe of the Week" auftreten. Um uns alte Fans noch so richtig darauf aufmerksam zu machen, wird auch noch Nurse Chapel erwähnt, eine weitere schwache Frauenfigur aus der Originalserie. Und gegen Paul Weller als Admiral Marcus wirkte selbst Brock Peters als Admiral Cartwright (Das unentdeckte Land) dreidimensional. Das alles scheint junge Leute aber nicht zu stören, denn die strömen wie die Lemminge in solche "SF-Actioner".

Apropos dreidimensional: Dieser 12. Kinofilm im Star-Trek-Universum bietet weitere Argumente gegen 3D-Konvertierung. Vielleicht liegt es daran, daß ursprünglich mit IMAX-Kameras gefilmt wurde, aber die Bildkomposition wirkt oft sehr unnatürlich, mit Schattengestalten im Vordergrund und verzerrten Figuren in den Außenbereichen. Immerhin gibt die Dolby-Atmos-Installation im CineStar Berlin die zahlreichen Explosionen eindrucksvoll räumlich wieder.

Gesamturteil: Ordentlicher Actionfilm, als Star-Trek-Film durchgefallen. Annehmbar (5/10).

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