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Samstag, 6. Juli 2013

Der Mann, der mir einen Abend stahl: Man of Steel (4/10)

Superman ist ja an sich ein recht langweiliger Superheld. Er ist praktisch unbesiegbar, immer freundlich und hat einen gigantischen Rettungskomplex. Interessant wird er nur durch das Mysterium seiner Herkunft und Identität und seine herzigen Versuche, sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren. Die berühmten Filme von 1978 und 1980 mit Christopher Reeve machten zwar Werbung mit den für damalige Verhältnisse erstaunlichen Tricks ("You will believe a man can fly"), lebten aber eher vom umwerfenden Charme des Hauptdarstellers und einer Inszenierung, die sich nie zu ernst nahm. Leider führte das in den Fortsetzungen in den 80ern dann zu peinlichem Slapstick und schließlich unfreiwilliger Komik schlimmster Form. Die Neuauflage von 2006 war konzeptionell ähnlich mittelmäßig, konnte zwar mit besseren Tricks aufwarten, jedoch mit Brendan Routh keinen würdigen Nachfolger präsentieren.

Jetzt mußte der Mann aus Stahl also die gleiche Reboot-Prozedur über sich ergehen lassen wie sein DC-Kumpel Batman (die Avengers und Spiderman hingegen entstammen dem Marvel-Universum). Das bedeutet dann: Die Aura des Geheimnisvollen wird durch Küchenpsychologie ersetzt, der Sense of Wonder durch bombastische Schlachten, die vielleicht naiven, aber immerhin nachvollziehbaren Kämpfe durch Orgien wilder Schnitte und krachender Explosionen. Und es gibt jetzt wahllos eingestreute Rückblenden, die dem unbedarften Zuschauer Tiefsinn suggerieren sollen. Wichtig bei der Besetzung der Hauptfigur ist die Fähigkeit, eindrucksvoll Trauer zeigen zu können, und natürlich die unvermeidliche Kerbe am Kinn. Den Namen Henry Cavill muß man sich nicht unbedingt merken.

So wird jetzt die allseits bekannte Superman-Saga auf den Kopf gestellt. Lois Lane (Amy Adams) erkennt gleich zu Beginn seine Identität. Die ganze Menschheit erfährt, daß er ein Alien von Krypton namens Kal-El ist, und jubelt ihm beim Kampf gegen die kryptonischen Verbrecher zu, Kryptonische Soldaten tragen eine unzerstörbare metallische Rüstung, ihr Kopf muß aber nicht extra geschützt werden. Die Zweikämpfe bestehen im wesentlichen daraus, daß einer der Opponenten Anlauf nimmt und wie eine Rakete in den anderen kracht. Nachdem dieses Doppelgeschoß ein paar Wolkenkratzer zerstört hat, bleibt an den Duellisten trotzdem kein Kratzer zurück. Nebenbei geht allerdings halb Metropolis zu Bruch, mit Millionen Opfern, die Superman aber offenbar alle egal sind. Zwischendurch rettet er mal willkürlich einen einzelnen Soldaten, während rings um ihn Hunderte andere zu Tode kommen. Als der General allerdings am Ende eine einzelne Familie bedroht, entdeckt Superman plötzlich seine Heldenseite wieder und bricht Zod fast mühelos das Genick. Parallel sehen wir, daß ansonsten offenbar nur die drei Kollegen vom Daily Planet das Chaos überlebt haben, ganz ohne Zutun des anderweitig beschäftigten Helden.

Die bisherigen Filme von Regisseur Zack Snyder zeichnen sich bereits durch Stumpfsinn, übertriebene Brutalität und peinliches Overacting aus. So hat er das Kunststück vollbracht, die vielschichtige, hochinteressante Comicvorlage "Watchmen" trotz eines eindrucksvollen Ensembles zu einem mittelmäßigen, überlangen Brei zu verarbeiten, Aufgrund des Erfolgs des Mann aus Stahl in den USA (die deutschen Kinobesucher waren deutlich zurückhaltender) droht nun eine Fortsetzung, die ihn immerhin über Jahre davon abhalten wird, anderen Unsinn zu verzapfen.

Das IMAX-Erlebnis im Berliner Sony-Center fand ich auch technisch recht enttäuschend. Die 3D-Effekte waren unauffällig, die Leinwand erschien nicht wesentlich größer als in anderen Sälen, und der Sound ließ jede Subtilität vermissen. Da man zudem eine spezielle 3D-Brille benötigt, war das ganze mit 18€ (im Online-Kauf) auch noch stark überteuert. Einige nette Szenen um die Nebendarsteller Kevin Costner, Diane Lane, Amy Adams, Harry Lennix (Dollhouse) und Richard Schiff (The West Wing) machten das ganze gerade noch erträglich (4/10).

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