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Samstag, 1. März 2014

Nette Balance zwischen Tragödie und Komödie: Philomena (7/10)

Philomena ist ein altmodisches Rührstück. Das Vorbild für die Titelfigur, Philomena Lee, ist eine von Tausenden irischer Frauen, die in der züchtigen Nachkriegszeit als Teenager zum Austragen ihrer unehelichen Kinder in Nonnenklöster abgeschoben wurden, bevor die Zeugnisse ihrer Sünden mit kaum drei Jahren zur Adoption freigegeben wurden. Komödiant Steve Coogan spielt den Journalisten Martin Sixsmith, der mit Philomena 50 Jahre später ihrem verschollenen Sohn nachspürt und auf dessen Artikel das Drehbuch basiert, mit kluger Zurückhaltung. Dame Judi Denchs Porträt der naiven, ungebildeten pensionierten Krankenschwester ist ehrlich und würdevoll, ohne je ins Lächerliche abzudriften. Philomena hat eine Vorliebe für Kitschromane, aber doch eine klare, unromantische Sicht auf das menschliche Leben. Aus dem Zusammenprallen der unterschiedlichen Persönlichkeiten schlägt der Film einiges komisches Kapital, ein wohltuender Ausgleich für die Tragödie, die hier unter Strapazierung der Tränendrüsen rekonstruiert wird. Gut (7/10).

Trotz des behaupteten übergreifenden Themas Vergebung ist dies ein kleiner Film, der weder große Überraschungen bietet noch Genregrenzen überschreitet. Dies setzt den Trend des Alterswerks des britischen Regisseurs Stephen Frears fort, der 1985 mit der spektakulären Sozialkomödie Mein wunderbarer Waschsalon weltberühmt wurde (und mit ihm sein Hauptdarsteller, Daniel Day-Lewis). Kurz darauf (1988) schuf er in den USA mit Gefährliche Liebschaften eine Literaturverfilmung für die Ewigkeit. Zwischenzeitlich arbeitete er immer wieder auch fürs britische Fernsehen und inszenierte zwei Teile der herrlich-verrückten Barrytown-Trilogie von Roddy Doyle mit Colm Meaney: The Snapper (1993) und Fish & Chips (1996 - beim ersten Teil The Commitments führte 1991 Alan Parker Regie). 2000 lieferte er mit High Fidelity sein letztes herausragendes Werk ab. Seitdem steht der heute 73jährige eher für nette, niveauvolle Unterhaltung, empfehlenswert u.a.: Lady Henderson präsentiert (2005: mit Judi Dench und Bob Hoskins), The Queen (2006: Oscar für Helen Mirren), Chéri (2009: inzwischen seltene Hauptrolle für Michelle Pfeiffer).

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