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Sonntag, 25. Mai 2014

Heiteres Chaos: Beziehungsweise New York (8/10)

Schon der Vorspann bestimmt den Ton für diese französische Komödie von Cédric Klapisch, mit dem unnötig eingedeutschten Titel Beziehungsweise New York (im Original Casse-tête chinois = Chinesisches Puzzle). Verspielt und von heiterer Musik untermalt werden Puzzle-Teile verschoben, bis sie den Blick auf die Hauptbeteiligten freigeben. Da sind sie wieder: Xavier der chaotisch-romantische Schriftsteller, seine französische Ex Martine, seine große Liebe Wendy und seine lesbische Kumpanin Isabelle. Diese vier Figuren sind übriggeblieben aus dem europäischen Schmelztiegel der Auberge Espagnole in Barcelona (2002) und der Hochzeit mit Hindernissen von Wendys Bruder William in St. Petersburg (2005). Diesmal treffen sie sich im Big Apple: in Chinatown, in Brooklyn, am Central Park. Sie sind mit ihren Darstellern (Romain Duris, Audrey Tautou, Kelly Reilly, Cécile de France) älter geworden, und vielleicht ein wenig klüger? Inzwischen gibt es eine nächste Generation. Xavier und Wendy haben zwei Kinder, genau wie Martine, und dann ist noch ein Patchwork-Baby von Isabelle geplant, das sie mit ihrer Freundin Ju (Sandrine Holt) aufziehen möchte.

Xavier beschreibt in diesen Filmen den Roman seines Lebens, vielleicht romantisch geglättet und mit glücklichen Fügungen, die man so nur erfinden kann, und spielt ein wenig mit der Chronologie. Diesmal springt die Erzählung in der ersten Hälfte leichtfüßig zwischen den Ereignissen in NY und der Vorgeschichte hin und her, um dann für das Finale in Richtung (vorläufiges) Happy End ein wenig konventionell zu geraten. Aber man verbringt gern zwei Stunden mit diesen sympathisch-verrückten Personen, schmunzelt über ihre Verfehlungen (auch wenn Isabelle einmal zu heftig in die Macho-Rolle gedrängt wird) und darf auch mal laut lachen, etwa wenn Martine in einer herrlich überzogenen Präsentation für Bio-Tee ihr Mandarin zur Geltung bringt.

Wie bei den Vorgängern entfaltet sich der Spaß nur in der Originalfassung richtig, wenn Wendy und Xavier mit Englisch und Französisch jonglieren und zwischendurch ein wenig Spanisch einwerfen - das Jahr in Barcelona hat sie in dieser Hinsicht für alle Eventualitäten vorbereitet. Und wenn sich auch viele Szenen aus Klischees speisen, so sind es doch selten gezeigte Klischees (ganz im Gegensatz zu Julie Delpys misslungenem 2 Tage New York vom vorletzten Jahr) Die leichte jugendliche Überladung des ersten Films weicht hier einer willkommenen Konzentration auf die Lebensmitte, ohne altersweise wirken zu wollen. Oder einfacher ausgedrückt: Auch mit 40 kann man noch Spaß haben! Sehr gut (8/10).

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