An sich bin ich ein großer Fan der Mission-Impossible-Filme. Meine Favoriten sind die von John Woo bzw. Brad Bird inszenierten Teile 2 und 4. Es ist gar nicht leicht, in so einem Action-Spektakel den richtigen Ton zu treffen. Cruise-Kumpel Christopher McQuarrie, Oscar-prämierter Autor von Die üblichen Verdächtigen, zuletzt an der gelungenen Adaption von Edge of Tomorrow beteiligt, hätte sich auch diesmal auf das Drehbuch beschränken sollen. Bereits seine Regieleistung im mäßigen Jack Reacher konnte nicht überzeugen, und auch hier unterlaufen ihm etliche Patzer, so etwa, daß ein Schurke auf fünf Meter Distanz mit einer automatischen Waffe Hunt mehrfach verfehlt, und der offensichtlich computergenerierte Vierfachpurzelbaum des Fluchtautos von Ethan und Benji (es fehlt eigentlich nur noch der alberne Soundeffekt aus Der Mann mit dem goldenen Colt). Immerhin werden die beiden einigermaßen glaubwürdig durch Gurt und Airbag gerettet, während auch ein Superheld Hunts Motorrad-Crash ohne Helm kaum überlebt hätte. Gravierender und teilweise dem Drehbuch geschuldet ist allerdings die zu keiner Zeit wirklich spannende Handlung. Die Idee der "Rogue Nation" ist einfach zu abgehoben, und am Ende geht es um so viele Billionen Dollar, daß ich mich unfreiwillig an Dr. Evils maßlose Forderungen erinnert fühlte. Der Film zerfällt in Einzelteile unterschiedlicher Qualität - während die Attentatssequenz in der Wiener Oper zu kompliziert geraten ist, konnte mich immerhin der (wenngleich absolut sinnlose) Heist mit Taucheinsatz überzeugen.
Nachdem Brian De Palmas erste Mission aufgrund des Zerbrechens des IMF-Teams einen deprimierend-nihilistischen Beigeschmack hatte, führten die Folgefilme doch wieder einige interessantes Kollegen ein. Aber Ving Rhames als Luther hat auch diesmal kaum mehr als einen Gastauftritt, von Paula Pattons Jane ist nicht mehr die Rede (das ist vielleicht auch besser so), und Jeremy Renners Figur hätte man auch in Basil Exposition umtaufen können. Zum Glück ist da noch Simon Pegg als Benji, der in der heimlichen zweiten Hauptrolle Pfiff in all seine Auftritte bringt und die fehlende Präzision der Action mit seinem perfekten komischen Timing ausgleicht. Ein Volltreffer ist auch die Neuentdeckung Rebecca Ferguson als Ilsa
Alles in allem ist Mission Impossible: Rogue Nation nicht mal der schlechteste fünfte Teil dieses Sommers, aber doch eine kleine Enttäuschung. Das Konzept, jeder Fortsetzung durch einen stilsicheren Regisseur einen originellen Anstrich zu geben, geht diesmal nicht auf, und Tom Cruise täte gut daran, die Rennereien und Prügeleien langsam einem jüngeren Kollegen zu überlassen - die Fernsehserie hat damals doch auch etliche Wechsel im IMF-Team verkraftet. Kobra, übernehmen Sie! Ordentlich (6/10).

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