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Mittwoch, 26. August 2015

Die BBC-Verfilmung des Hugo-Gewinners "Jonathan Strange & Mr. Norrell"

Man schreibt das Jahr 1806, und seit 300 Jahren ist in England keine Magie mehr ausgeübt worden. Da tauchen gleich zwei Zauberer auf, die diese verlorene Kunst zurückbringen wollen. Da ist zum einen Mr. Norrell, ein griesgrämiger Gelehrter, der Wert auf "anständige" Magie legt, Hunderte von Büchern zum Thema gehortet hat und nun in der Londoner Gesellschaft seine Anerkennung sucht. Und dann ist da Jonathan Strange, ein wohlhabender, unbekümmerter Lebemann, der per Zufall die verlorene Kunst entdeckt hat. Nachdem Norrell mit der Wiederbelebung der verstorbenen Lady Pole seinen Durchbruch erreicht, nimmt er Strange als seinen Schüler auf. Über die Jahre werden ihre unterschiedlichen Temperamente und Ziele sie zu Feinden machen, mit sehr persönlichen Konsequenzen. Norrell hat nämlich bei seinem ersten Kabinettstück einen Pakt mit einem üblen Bewohner der Feenwelt geschlossen, was beide Zauberer über Jahrzehnte verfolgen wird.

Die angewandte Magie ist übrigens nicht gerade kleinkalibrig. Norrell erweckt Statuen in einer Kirche zum Leben und gaukelt den Franzosen eine übermächtige britische Flotte vor. Strange wird gar zum Kriegsdienst eingezogen und trägt (von Wellingtons Attachée scherzhaft "Merlin" betitelt) entscheidend zu den Siegen gegen Napoleon bei, u.a. durch das Bauen von Straßen über Nacht und das Verhör verstorbener feindlicher Soldaten.

An sich sind das interessante Voraussetzungen für eine spannende, bewegende Geschichte. Leider hat mich bereits der zugrunde liegende Roman (der einzige der offenbar kränklichen Susanna Clarke) in dieser Hinsicht enttäuscht. Obwohl zu Zeiten von Jane Austen angesiedelt, erinnern Aufbau und Figuren eher an Dickens, reichen aber lange nicht an dessen Raffinesse und Reichhaltigkeit heran. Clarke breitet ihre Geschichte in 1.000 zähe Seiten aus, ohne den Leser am Ende für seine Mühen angemessen zu belohnen. Trotzdem gewann diese historische Fantasy 2005 den Hugo für den Besten Roman des Jahres (u.a. gegen Iain M. Banks' einzige Nominierung).

Die BBC hat die Geschichte nun in einer 7stündigen Mini-Serie aufwändig verfilmt, mit mäßigem Ergebnis. Zwar vergeht die Zeit beim Anschauen schneller als beim Lesen, aber die Grundprobleme der Vorlage bleiben erhalten. Bis zur Hälfte der Laufzeit gibt es kaum Sympathiefiguren, bis man sich allmählich für Jonathan Strange erwärmt, vor allem wegen der anrührenden Liebe zu seiner Frau Arabella (Charlotte Riley). Überhaupt kommen sie und Lady Pole (Alice Englert) noch am besten weg, auch wenn die Titelrollen durch Bertie Carvel und Eddie Marsan glänzend besetzt sind. Immerhin gibt es ansehnliche Schauwerte.

Die Serie kann man in Deutschland als Prime-Mitglied kostenlos bei Amazon Instant Video streamen, sogar wahlweise in Englisch oder Deutsch (dies ist bei Amazon im Gegensatz zu Netflix äußerst selten). Leider ist es mir nicht gelungen, auf meinem Samsung-Fernseher die Tonspur zu wechseln, so daß ich auf mein iPad ausweichen mußte. Dort ist die Sprachumschaltung zwar möglich, aber umständlich und muß nach jeder Pause und für jede Folge einzeln erneut erfolgen. Das kann Netflix besser!

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