Wenn man bei einem Feuerwerk alle Raketen gleichzeitig zündet, muss man sich nicht wundern, wenn das Ergebnis nur durchwachsene Kritiken erntet. In Batman v Superman wird nicht nur Regisseur Zack Snyders Mangel an Subtilität deutlich. Nach Man of Steel zeigt er auch hier überdeutlich, dass er kein Geschichtenerzähler ist und seine Projekte weder mit einem durchgängigen Ton noch einer rudimentären Handlungslogik ausstatten kann, geschweige denn mit stimmigen Figuren. Den Titelzusatz "Dawn of Justice" sollte man ehrlicherweise mit "Ein Vorgeschmack auf kommende DC-Verfilmungen" übersetzen. Viele Fans und Kritiker betrachten Batman v Superman daher als den längsten (und mit 250 Millionen Dollar sicher auch teuersten) Trailer der Filmgeschichte. 150 Minuten Einstimmung auf die kommenden League-Of-Justice-Filme frustrieren auch die hartgesottensten Fans, die nun auf eine Ablösung des Regisseurs für die Fortsetzungen drängen. Besonders lesenswert: die fünf Tips des Hollywood-Reporter.
Dabei gibt es durchaus auch Gutes zu berichten. Da ist zunächst Ben Affleck als bereits fünfter Kino-Batman in 25 Jahren. Der 43jährige macht nicht nur durch seine sicher unter Qualen antrainierten Muskeln eine gute Figur, sein ausdrucksarmes Gesicht vermag den Schwermut und die Todessehnsucht des einsamen Rächers auch überzeugend zu vermitteln. Seine Besetzung löste im Vorfeld bereits einen beispiellosen Shitstorm aus, doch nun ist er klarer Gewinner des Projekts, das trotz aller Klagen innerhalb einer Woche weltweit bereits über 500 Millionen Dollar eingespielt hat. Da kann er es sich leisten, bei Interviews Zurückhaltung zu üben, denn der Spott ist inzwischen in Sympathie umgeschlagen: The Sounds of Silence (unbedingt bis zum Ende schauen!) Seine Gedanken über den Film darf er natürlich nicht äußern, vielleicht trauert er aber auch einfach seinen Jennifers hinterher...
Mit Afflecks Co-Star Henry Cavill bin ich immer noch nicht warm geworden. Sein in Stein gemeisseltes Gesicht vermag bei mir keine Empathie zu wecken, und mir fehlt insbesondere die selbstironische Seite des Clark Kent, die Christopher Reeves Darstellung so einmalig machte. Da hat mir selbst Brandon Routh noch besser gefallen, der übrigens inzwischen einen Gang zurückgeschaltet hat und im Fernsehen als Atom (DCs Ant-Man) auftritt (und immer noch gern seinen eindrucksvollen nackten Oberkörper zur Schau stellt). Düsterheit widerspricht einfach dem Konzept von Superman.
Das muss wohl auch Jesse Eisenberg erkannt haben. Sein Lex Luthor spaltet zwar die Zuschauerreaktionen, für mich ist dies aber die einzige Hauptfigur, an der ich Spaß hatte. Ich verstehe, dass seine Manierismen manche nerven können, aber der 32jährige Jungstar schöpft hier einen Bösewicht, der nur leicht verwandt ist mit seinem Zuckerberg-Porträt in The Social Network und dem magischen Con-Artist aus Die Unfassbaren. Sein Lex Luthor ist nicht so albern wie der von Gene Hackman und nicht so oberflächlich wie der von Kevin Spacey. Leider gönnt ihm das Drehbuch keinen nachvollziehbaren Handlungsbogen, und so erreicht seine Darstellung nicht die gleiche Klasse wie Heath Ledgers unnachahmlicher Joker.
Über den Rest des Ensembles breiten wir gnädig den Mantel des Schweigens. Jeremy Irons als Alfred darf immerhin ein paar gute Sprüche von sich geben. Unfassbar dagegen, welchen Unsinn Diane Lane und Kevin Costner als Clarks Eltern von sich geben müssen - hoffentlich sind sie finanziell entsprechend entschädigt worden. Amy Adams als Lois Lane ist ähnlich verschenkt wie im Man of Steel, Holly Hunter als nuschelnde Senatorin wirkt vollends deplaziert (und was sollte das mit dem Pfirsichtee?) Ohnehin gibt es nur noch eine Frauenfigur, die die Fanherzen im Vorfeld höher schlagen ließ. Hat sich das Warten auf Gadot gelohnt? Ich muss zugeben, dass die spärlichen Auftritte von Gal Gadot als Diana Prince aka Wonder Woman supercool waren, allerdings genauso fragmentiert wie der Rest der Geschichte. Und ich könnte schwören (allerdings nicht belegen), in einem Trailer mehr von der abgebrochen wirkenden Szene im Flugzeug (der Turkish Airlines) gesehen zu haben als im fertigen Film. Bei der allgemeinen Inkompetenz der Mitwirkenden könnte das durchaus sein. Immerhin stach das von perkussiven Streichern bestimmte Wonder-Woman-Thema aus dem dröhnenden Soundbrei heraus, der vom Kitschpapst Hans Zimmer und einer Entität namens Junkie XL stammt.
Dank Ben Affleck, Jesse Eisenberg und Gal Godot bietet Batman v Superman immerhin etwas mehr Unterhaltungswert als der Mann aus Stahl. Vielleicht habe ich auch nur die romantische Komponente übersehen, die dieser Trailer unterstreicht. Annehmbar (5/10).
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