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Montag, 9. Juni 2014

Die X-Men sind zurück: Zukunft ist Vergangenheit (9/10)

Als 2011 in Erste Entscheidung die jüngeren Ausgaben der X-Men eingeführt wurden, um in den 60ern die Kubakrise aufzumischen, schien mir das Konzept noch recht bemüht, und trotz guter Darsteller wie Michael Fassbender als junger Magneto fand ich das Ergebnis nur mittelmäßig. In Zukunft ist Vergangenheit treffen nun die Generationen aufeinander, und plötzlich klickt die Verbindung. Vielleicht ist das Gelingen auch auf die Rückkehr von Hugh Jackmans Wolverine zurückzuführen, der als nicht alternder "Unsterblicher" in beiden Zeitebenen agieren kann und sich bereits in der Ursprungstrilogie zur Identifikationsfigur des Zuschauers entwickelt hatte.

Für die nötige Gravitas sorgen nun Sir Ian und Sir Patrick, während die jungen Ausgaben James McAvoy und Fassbender befreit aufspielen können, unterstützt von Jennifer Lawrence als Mystique am Scheideweg und dem ungeheuer sympathischen Nicholas Hoult als Beast. Bei einer Laufzeit von 132 Minuten ist es verständlich, daß die übrigen Veteranenauftritte eher als Cameos gewertet werden sollten. Trotzdem schön, Halle Berry als Storm, Ellen Page als Kitty Pryde, Shawn Ashmore als Iceman und (sehr kurz) Anna Paquin als Rogue wiederzusehen. Als Neuzugänge muß man den bislang recht unbekannten Evan Peters als Quicksilver loben, und natürlich Peter "Tyrion Lannister" Dinklage als zwielichtigen Wissenschaftler Dr. Trask.

Sowohl die futuristische Technik der Zukunftsebene als auch die augenzwinkernd und detailreich realisierte Ebene der 70er Jahre überzeugen. Als Clou sieht man auf einem Fernsehbildschirm kurz Captain Kirk und Sulu in einer Zeitreisegeschichte! Die Kämpfe finden gleichermaßen auf phyischer wie psychischer Ebene statt und sind technisch perfekt inszeniert.. Atemberaubend ist die bisher schönste Sequenz des Kinojahres, eine lyrische Actionszene, die selbst John Woo zu Tränen rühren müßte. "Time in a Bottle" des unsterblichen Jim Croce ist die perfekte Untermalung für dieses fast blutlose trickreiche Ballett. Aber es gibt auch gelungene Effekte größeren Ausmaßes, wenn etwa der junge Magneto ein komplettes Stadionrund "umziehen" läßt oder in der Zukunft die Sentinels zum letzten Gefecht am Zufluchtsort der X-Men eintreffen.

Es hat sich also gelohnt, daß Bryan Singer nach den ersten beiden Teilen erstmalig wieder den Regiestuhl übernahm, und Autor Simon Kinberg hat sich für den vor allem vom Amateurfilmemacher Brett Ratner verhunzten dritten Teil rehabilitiert. Marvel hat nun neben den Avengers ein zweites vielversprechendes Franchise wiederbelebt, Patrick Stewart und Ian McKellen haben sich würdig verabschiedet, und die Spannung auf das für 2016 geplante X-Men: Apocalypse steigt.

Herausragend (9/10)!

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