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Sonntag, 20. Juli 2014

Wieder keine Amélie: Die Karte meiner Träume (7/10)

Jean-Pierre Jeunet wurde 1991 mit seiner phantastisch-bizarren schwarzen Komödie Delicatessen in Arthouse-Kreisen bekannt, damals noch mit seinem Partner Marc Caro. Dieser Endzeitfilm führte neben dem weniger gelungenen Nachfolger Die Stadt der verlorenen Kinder zu seinem ersten in Englisch gedrehten Werk, nämlich Alien - Die Wiedergeburt (1997). Jener vierte und letzte Beitrag zur Saga (mit Winona Ryder als Androidin) gefiel mir persönlich sehr gut, hatte aber ansonsten eher durchwachsene Kritiken. Jeunet erholte sich davon aber, und vier Jahre später landete er mit Die fabelhafte Welt der Amélie einen wunderbaren Welterfolg, dessen Rezept er seitdem ein wenig hinterherzurennen scheint.

So scheint es mir auch in seinem erst dritten englischsprachigen Film, Die Karte meiner Träume (der Originaltitel bedeutet eigentlich "Der junge und erstaunliche T.S. Spivet"): Der hochbegabte 10jährige Titelheld lebt mit seinen Eltern, einer Insektenforscherin (Helena Bonham Carter) und einem Cowboy-Nostalgiker (Callum Keith Rennie, Lew Ashby aus Californication), auf einer Ranch in Montana. Als er den Baird Award des Washingtoner Smithsonian Museums für das Modell eines Perpetuum Mobile gewinnt, macht er sich auf eigene Faust auf den Weg zur Preisverleihung, mit einem riesigen Koffer und noch mehr mentalem Ballast.

Die Buchvorlage des New Yorkers Reif Larsen, offenbar an das Tagebuch des jungen Protagonisten angelehnt mit vielen Zeichnungen und Karten angereichert, kommt Jeunets verschrobenen visuellem Stil tatsächlich entgegen, und die (überzeugend dreidimensionalen) Bilder machen die Verfilmung auch sehenswert. Darüber hinaus fehlt dem Ganzen aber ein wenig der magische rote Faden. Vielleicht wäre einfach nur ein wenig mehr Verrücktheit angebracht gewesen. So wirkt das Resultat fast bieder, zwar mit etlichen herrlichen Szenen (eine der besten davon mit Delicatessen-Star Dominique Pinon als Hobo), aber auch einigem Leerlauf. Und natürlich kann kein zehnjähriger Hauptdarsteller an den Charme einer Audrey Tautou heranreichen...

Gut (7/10).

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