Suche im Blog

Freitag, 26. September 2014

Sündhaft schlechte Fortsetzung: Sin City 2 (2/10)

Es heißt ja, man müsse eine Horde Schimpansen nur lang genug auf Schreibmaschinen tippen lassen, und der Zufall werde irgendwann auch mal ein Meisterwerk entstehen lassen. Mir scheint, man könnte dabei eher auf ein neues Shakespeare-Drama hoffen als auf die ordentliche Fortsetzung eines Robert-Rodriguez-Films. Was bereits für sein Debut El Mariachi und den Grindhouse-Ableger Machete galt (die Spy Kids wage ich kaum zu erwähnen), erfüllt sich nun leider für Sin City tausendfach. A Dame To Kill For wirkt wie eine Fanboy-Kopie des Originals, eine Aneinanderreihung von schlecht erinnerten Elementen, vorzugsweise der Klischees:
  • das weltmüde Noir-Voice-over von Josh Brolins Dwight, dem ich schon nach fünf Minuten ein "Halt die Schnauze!" zurufen wollte.
  • die brutal überzogenen Prügeleien, die überhaupt nicht mehr zu schockieren vermögen (und kein Suspense of Disbelief kann ausreichend erklären, warum die Figuren nur Tage nach knochenbrechenden, entstellenden Verletzungen schon wieder derart austeilen können - Marv hat man das im ersten Teil abgenommen, aber hier wird das potenziert)
  • die fehlende Figurenmotivation, ersetzt durch ungeschickt plazierte Exposition ("übrigens, er hat Dir mal das Leben gerettet")
  • die penetrant grün überzeichneten Augen von Eva Green, kein Vergleich mit Alexis Bledels strahlendem und ausdrucksstarken Blau
  • die darüber hinaus aufdringliche Nacktheit der Französin, deren Brüste seit Bertoluccis Altherrenphantasie Die Träumer (2003) nicht interessanter geworden sind und die seitdem höchstens als zugeknöpfte Bond-Widersacherin in Casino Royale überzeugen konnte (die inzwischen zweifache Mutter Jessica Alba wirkt in ihrem Cowboy-Outfit immer noch hundertmal erotischer)
  • das sinnlose Zurückbringen von Bruce Willis' Hartigan als "Geist", offenbar um Werbung mit dem müde wirkenden Altstar machen zu können
  • die gefühlten 50% der Zeit, die der psychopathische Marv im Vordergrund steht - Mickey Rourke, dessen Comeback im Original von 2005 zu einer Oscar-Nominierung (The Wrestler, 2008) führte, ist nun eindeutig wieder auf dem absteigenden Ast
  • Und merke - ein fehlendes Happy-End für eine Figur macht aus einem Actionfilm noch keine Tragödie!
Rodriguez hat offenbar keine Ahnung, was manche seiner Filme so gut macht. Schon der "Director's Cut" des ersten Films schien mir eine schlechte Idee. Warum sollte man die dramaturgisch raffinierte Verschränkung der Erzählstränge in eine lineare Präsentation auflösen? Die Fortsetzung ist ein Lehrstück für die Binsenweisheit, daß "mehr" selten "besser" bedeutet. Hat denn niemand bemerkt, daß Frank Millers Comicvorlage längst erschöpft war? Vielleicht hätte man mißtrauisch werden sollen, weil die zweite Folge fast neun Jahre auf sich warten ließ. Aber das Original war eine der eindrucksvollsten Comicverfilmungen überhaupt, bezogen auf die archetypischen Figuren, die kompromißlos präsentierte Handlung und vor allem die nie zuvor gesehene Technik. Komplett vor Greenscreens gedreht, in kontrastreichem Schwarz-Weiß mit wenigen Farbtupfern mit hochstilisierten computeranimierten Kulissen versehen, hat das selbst Rodriguez-Kumpel Tarantino zum Staunen gebracht, so daß dieser eine Szene als "Gastregisseur" übernahm (ein in der Filmgeschichte einmaliger Credit). Was mag er wohl zu diesem Abklatsch zu sagen haben, dem das Hinzufügen der 3D-Technik visuell überhaupt nicht gutgetan hat?

Schon jetzt die Enttäuschung des Jahres. Uninteressant (2/10).

Dienstag, 16. September 2014

Flach: Maps to the Stars (3/10)

Der inzwischen 71jährige Kanadier David Cronenberg hat uns in seiner Karriere bestimmt schon so manchen Mist zugemutet, vor allem in seiner frühen Splatter-Phase (mit dem mittelmäßigen Die Fliege-Remake von 1986 mit Jeff Goldblum als "Höhepunkt"), Aber eine Hollywood-Satire so flach wie ein Nicholas-Sparks-Melodram, vorhersehbar wie ein Disney-Produkt und völlig ohne doppelten Boden - das hätte ich nicht erwartet. Waren seine klugen und unterhaltsamen Filme des letzten Jahrzehnts, mit Viggo Mortensen als seiner Muse, nur ein Versehen? Jedenfalls kann ich nur raten, statt Maps to the Stars lieber A History of Violence (2005) oder Tödliche Versprechen (Eastern Promises) (2007) nochmals anzuschauen.

Die vierfach Oscar-nominierte Julianne Moore (auch Arthouse-Hassern sicher wenigstens als Nacktkünstlerin Maude Lebowski im Gedächtnis geblieben) gewann für ihre Rolle einen Darstellerpreis in Cannes, was wohl bedeutet, daß verdiente Schauspielerinnen dort für die mutige Präsentation ihren nackten Körper und möglichst emotionales Chargieren belohnt werden. Auch alle übrigen Figuren sind weder sympathisch noch interessant, ein Kunststück bei einer Traumbesetzung u.a. mit John Cusack (High Fidelity) und Olivia Williams (Leiterin von Joss Whedons Dollhouse). Tim Burtons Alice Mia Wasikowska konnte mich hingegen noch nie begeistern - hier gibt sie ein gemäß Hollywood-Maßgaben"entstelltes" Mädchen, was sich auf ein paar unauffällige Narben beschränkt und sie weder mehr noch weniger attraktiv wirken läßt. Ein Cameo von Carrie "Prinzessin Leila" Fisher ist vertan, bevor man diese überhaupt erkennt. Und was ist mit Cronenbergs Obsession mit dem vielleicht langweiligsten Schauspieler seiner Generation? Bereits zum zweiten Mal besetzt er hier Robert "Vampir Edward" Pattinson, nach dem (gemäß Kritikerkonsens, ich hab's mir gespart) ebenso drögen Cosmopolis.

Man sollte meinen, Hollywood böte genug glaubwürdige Geschichten, die man satirisch ausschlachten kann - stattdessen gibt uns das Drehbuch des wenig profilierten Bruce Wagner ein unwahrscheinliches, inzestuöses Geschwisterpaar, dessen schizophrener Nachwuchs bereits im Kindesalter Trauungszeremonien nachspielt - wie originell! Mäßig interessant (3/10).

Donnerstag, 11. September 2014

We Are Family: Guardians of the Galaxy (9/10)

Chris Pratt (Parks and Recreation) war bisher schon ziemlich komisch. Jetzt hat er sich auch noch Muskeln antrainiert. Co-Star Rob Lowe (Eddie Niro aus Californication) ist bereits neidisch auf den 35jährigen neuen Actionhelden im Marvel-Universum. In einigen Jahren sollen die Guardians auf die Avengers treffen, dann können sich Mark Ruffalo und Chris Pratt darum streiten, wer die Nachfolge von Robert Downey Jr. als Marvel-Superstar antreten darf.
I am Groot!
An Muskelprotzen ist aber auch sonst kein Mangel, auch wenn Chris Pratts "Starlord" der einzige (mehr oder weniger) 100prozentige Mensch von ihnen ist. Daneben gibt es noch Martial-Arts-Champion Dave Batista und den eindrucksvollen Djimon Hounsou (Hauptdarsteller in Spielbergs Amistad).
I AM GROOT!
Zoe Saldana machte als Uhura in Star-Trek-Uniform eine genauso gute Figur wie als Avatars Naytiri in blauem CGI-Makeup. Nun ist sie als Gamora in grün zu bewundern (angeblich nicht per Computer, sondern handbemalt) - ja wirklich, es ist die gleiche Schauspielerin! I see you! Als ihre Schwester Nebula nimmt diesmal Dr.-Who-Jungdarstellerin Karen Gillan die Farbe Blau in Beschlag - auch nicht unattraktiv.
i am groot ;-)
Von Bradley Coopers Stimme haben sich bisher bestimmt viele Zuschauer zugunsten seiner blauen Augen ablenken lassen. Diesmal kommt sie bei der Animierung des Waschbären "Rocky" Rocket gut zur Geltung. Nicht daß Rocky keine Schauwerte hätte!
I am Groot?
Warum der so ungeheuer liebenswerte Lee Pace (Pushing Daisies) in letzter Zeit so viele zwielichtige Gestalten spielen muß, ist mir unbegreiflich. Nach Legolas' Vater Thranduil ist er hier als Oberschurke Ronan zu sehen und verschwindet fast hinter seiner Kostümierung. Trotzdem ist er natürlich in jeder Rolle willkommen.
I AM Groot!
Sean Gunn ist manchen bekannt als Dorftrottel Kirk bei den Gilmore Girls - hier spielt er eine kleine Piratenrolle und war ansonsten "Rocket am Set" - Sprecher Bradley Cooper war wohl zu teuer, um bei den Dreharbeiten abzuhängen. Sean ist natürlich der Bruder des Regisseurs James Gunn, der durch ein paar (mehr oder weniger) feine mit "S" beginnende Genrefilme  bekannt geworden ist, so etwa Slither mit Nathan "Captain Reynolds" Fillion (2006, 7/10) und Super mit Rainn Wilson, Liv Tyler und Ellen Page (2010, 6/10).
I am Groot!
Wie kann man nun diesen Film beschreiben? Man nehme die Schauwerte aus Krieg der Sterne Episode III, die Aliens aus Farscape, die Selbstironie aus Firefly, würfele alles gut durcheinander und reichere die Suppe mit ein paar schmissigen Popsongs an (und Pop hört hier zum Glück mit den 70ern auf, denn danach hat "Starlord" Peter Quill die Erde verlassen). So wie hier die Musik aus einem frühen Modell des Sony Walkman kommt (noch mit "Cassetten"), so retro ist auch der Spaß, den man hiermit haben kann. Die Guardians of the Galaxy behaupten sich zur Überraschung vieler wieder als ein aufgegangenes riskantes Konzept von Marvel - nur für Ant-Man sehe ich nach dem Weggang von Edgar Wright schwarz...

Auf die zweite Sicht aufgewerte auf: Herausragend (9/10)!