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Samstag, 6. Juni 2015

Klassiche Rezension: Jurassic Park III (2001, 5/10)

Um die Vorfreude auf Jurassic World zu schüren, hier ohne weiteren Kommentar meine damalige Kritik zum dritten Teil (schlicht Jurassic Park III betitelt).

Ist es nicht der Traum eines jeden Kindes geschiedener Eltern, diese durch einen Trick wieder zusammenzubringen? Dem kleinen Eric (erfrischend: Trevor Morgan) fällt dazu etwas besonders Gutes ein: Er richtet es ein, bei einem Ausflug auf einer einsamen Insel "Schiffbruch" zu erleiden. Und prompt fallen die Alten (William H. Macy brilliert als zwischen Kapitalist und Geschäftsmann schwankender Vater, Téa Leoni überzeugt als täuschend echte Blondine) darauf herein: Sie heuern ein paar Abenteurer an, um ihren Sohn zu retten, und starten eine Expedition. Sie landen mit einem Charterflugzeug auf der Insel, aber natürlich geht alles schief, und mehr als einmal geraten sie selbst in Lebensgefahr. Trotzdem, oder gerade deswegen, kommen sie sich wieder näher.

Eric weiß, wie schwer seine selbstgestellte Aufgabe ist: "Meine Eltern sind beide da? Das ist nicht gut, sie kommen nicht miteinander aus!" Doch gemeinsam durchlittene Gefahr schweißt zusammen, und bald schon werden am Lagerfeuer romantische Erinnerungen ausgetauscht ("Erinnerst Du Dich daran, wie ich erst den Wohnwagen in den Morast gesetzt habe und dann auch der Abschleppwagen im Schlamm versank?"). Natürlich darf auch der übermütige Held (Alessandro Nivola) nicht fehlen, der durch einen Fehler alle in Bedrängnis bringt, doch schließlich reumütig sein Leben riskiert, um den kleinen Eric zu retten, und sogar die Geistesgegenwart besitzt, den Hut des Expeditionsleiters (Sam Neill in der Rolle seines Lebens - als Expeditionsleiter, nicht als Hut) in Sicherheit zu bringen.

Zusätzlich zu diesem einzigartigen sozialen Drama bietet der Film auch noch auf sehr subtile Weise Zivilisationskritik. Ein Satellitentelefon wird zum Fanal für die Abhängigkeit des Menschen von der Technik. Es klingelt, wird aber nie rechtzeitig gefunden, um den Anruf entgegenzunehmen. Es hat sozusagen ein Eigenleben entwickelt, und erst nachdem es in einer bewegenden Szene aus einem Kothaufen gezogen wird und schließlich nach einer symbolischen Reinigung im Fluß in die Hand des erfahrenen Doktors gerät, wird es seiner Bestimmung zugeführt. Natürlich ruft er nicht irgendjemand an, sondern eine ganz besondere Frau (die ebenfalls blonde Laura Dern). Erst Eric gelingt es in seiner jugendlichen Unbefangenheit, daß Dr. Grant dies erkennt: "Sie ist die einzige, auf die ich mich immer verlassen konnte." - "Haben Sie ihr das je gesagt?" - "Nein, leider nicht." Die Schlußbilder machen deutlich, daß der Mensch nur eine kleine Schlacht gegen die Natur gewonnen hat. Umso deutlicher wird: Die Liebe hat triumphiert.

Klar, daß es ein solch emotionales, ja fast tiefenpsychologisches Script in Hollywood schwer hatte. Was 1960 als Dschungel der 1000 Gefahren ("Swiss Family Robinson") noch als publikumswirksam galt, lockt heute keinen Teenager mehr ins Kino. So kann man dankbar sein, daß mit Steven Spielberg einer der letzten idealistischen Filmemacher die Relevanz dieses Drehbuches erkannte und schließlich seine Realisierung finanzierte. Mit Joe Johnston wurde ein Regisseur gewonnen, der schon mehrfach ein junges Publikum für einen ernsten Stoff begeistert hat; man denke nur an die brillante Allegorie Swiftscher Dimensionen Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft!. Natürlich mußten ein paar Konzessionen an das 21. Jahrhundert gemacht werden. So wurden statt der geplanten Tiger und Giftschlangen etliche Arten urzeitlicher Dinosaurier hinzugefügt. Dies verwässert aber in keiner Weise die Kernaussagen dieses Meisterwerks, das künftig im gleichen Atemzug genannt werden wird mit Meilensteinen des Genres wie Kevin allein zu Hause oder Ein Schweinchen namens Babe.

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