In Kiss the Cook (so der dämliche deutsche Titel - warum nicht "Der Chefkoch", wenn man sich von der Suter-Verfilmung abheben möchte) wird der Koch höchstens mal beiläufig geküßt. Wenn es im Film eine Romanze gibt, dann die des Chefs Carl mit seinen raffiniert zubereiteten Speisen aus erlesenen Zutaten. Das Kochen wird allerdings ausführlich zelebriert, vorzugsweise untermalt von tanzbaren Latino-Rhythmen. Jon Favreau - Autor, Regisseur und Hauptdarsteller - hatte offenbar viel Spaß an dieser kleinen Komödie, die mit seinen Iron-Man-Blockbustern nur noch zwei Nebenfiguren gemeinsam hat: Scarlett Johansson als Weinkellnerin (besonders lasziv mit dunklen Haaren) und Robert Downey Jr. in einem Cameo als reicher Schnösel (einer Rolle, die er privat wie beruflich gut auszufüllen weiß). Auch bei der übrigen Besetzung kann der sympathische Regisseur (er spielte nebenbei auch Tony Starks tollpatschigen Sicherheitschef) auf eine beeindruckende Reihe von Improvissationstalenten bauen: John Leguizamo (der amerikanische Otto - er spricht Sid in Ice Age) und Bobby Cannavale (Blue Jasmine) als Sous-Chefs, der stets patente Oliver Platt als Gastronomieblogger, Legende Dustin Hoffman als Restaurantbesitzer und die erblondete Kolumbianerin Sofia Vergara (Modern Family) als Carls Ex-Frau Inez.
Die Geschichte beginnt etwas holprig in Miami, wo Carl nach 15 Jahren als angestellter Chefkoch überarbeitet und unterfordert in eine Krise schlittert, die von einer Twitter-Fehde in einen online dokumentierten Tobsuchtsanfall und schließlich seine Kündigung mündet. Der Tiefpunkt ist aber schnell erreicht, und nachdem Inez ihrem Ex von ihrem Ex-Ex einen Imbißwagen organisiert, macht sich dieser mit seinem vernachlässigten 10jährigen Sohn Percy auf eine kulinarische Fastfood-Tour durch den US-amerikanischen Süden. Und auch wenn es praktisch keine Hindernisse gibt und der Ausgang mehr als vorhersehbar ist, ist das ganze eine herzerwärmende Riesen-Gaudi, wenngleich mehr zum Schmunzeln als zum Loslachen. Als zeitgemäße Zutat bekommt man noch einen Einblick in die Marketingmacht der neuen sozialen Medien, die von Carls Sproß Percy virtuos bedient werden.
El Jefe ist das spaßigste Imbißunternehmen seit Stephen Frears' The Van ("Fish & Chips"), auch wenn hier keine Windeln serviert werden, sondern kubanische Sandwiches. Eine leckere Mahlzeit für zwischendurch halt. Gut (7/10).
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