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Samstag, 30. Mai 2015

SF von vorgestern: A World Beyond (3/10)

Tomorrowland ist ein glitzernder Kristall, der nur aus Oberflächen besteht und einen Kern aus hohlem, naivem Optimismus birgt. Es ist mir unbegreiflich, wie dieser Fehlgriff mit einem geschätzten Budget von 190 Millionen Dollar überhaupt zustande gekommen ist. Regisseur und Autor Brad Bird hat uns mit dem anrührenden, handgezeichneten Gigant aus dem All (1999) und den Pixar-Wunderwerken Die Unglaublichen (2004) und Ratatouille (2007) drei herausragende Trickfilme geschenkt und mit der vierten Mission-Impossible-Folge (Dubai-Hotelstunt!) gezeigt, daß er auch ein Talent für Realfilme hat. Sein Co-Autor Damon Lindeloff, Mit-Erfinder von Lost, hat allerdings seitdem seinen Bonus mehr als aufgebraucht (sein bester Credit seitdem ist schon der durchaus spaßige Cowboys & Aliens-Mischmasch von 2011). Dazu kommt in der Hauptrolle George Clooney, eigentlich ein Qualitätsgarant, hier peinlich fehlbesetzt. Hugh Lauries (Dr. House) sauertöpfischen Blick hätte man genauso gut digital klonen können, und Berufs-Teenager Britt Robertson war schon in Under The Dome nur nervig. Dazu kommt mit Raffey Cassidy eine gruselige Kinderdarstellerin, die an Niedlichkeit offenbar Shirley Temple Konkurrenz machen will, dann aber in absurden Kampfszenen wie dereinst Master Joda durch die Gegend hüpft. Wohlgemerkt, die knapp 12jährige kann natürlich nichts dafür und wirkt durchaus talentiert, aber ihre Rolle als präpubertäre Androidin ist wirklich bescheuert.

Seitdem die Tricktechnik fast alles darstellen kann, gibt es ja immer mehr Filme aus den phantastischen Genres. Leider konzentrieren sich diese dann allzu oft auf die (teuren) Effekte, die in den literarischen Vorlagen meist nur Kulisse für außergewöhnliche Geschichten sind. So ist es zwar toll anzuschauen, wie der Eiffelturm sich in eine Raketenabschußbasis verwandelt, aber ohne Einbettung in eine plausible Erzählung ist das nur die Demonstration tricktechnischer Finesse. Und während Adaptionen meist unter der Verkürzung auf (als verkaufsfördernd betrachtete) Aspekte leiden (etwa der militärische Blickwinkel im enttäuschenden Ender's Game vom vorletzten Jahr), scheinen originale Drehbücher oft nur bekannte Versatzstücke zusammenzubauen, zuletzt mit dem vergleichbaren Dollargrab Jupiter Ascending (zu dem übrigens die Screenjunkies in ihrem Honest Trailer ziemlich konform mit meiner Bewertung gehen). Die beste SF-Adaption ist für mich immer noch der Blade Runner, der weniger durch Effekte als durch Atmosphäre und Vielschichtigkeit glänzt. Gelungene Originalwerke sind noch seltener, und oft entweder stark actionorientiert (wie Die Matrix, Das fünfte Element) oder eher Abenteuer im Weltall (Krieg der Sterne). Ansonsten kommen auf jeden ideengetriebene Beitrag (2001: Odyssee im Weltall) zehn hohle Actionfilme, auf jeden figurenzentrierten Beitrag (Serenity) zwanzig Seifenopern im All.

Zurück zu Tomorrowland (in Europa aus rechtlichen Gründen "A World Beyond"). Es ist der Film zum Vergnügungspark, destillierter Disney: Schülerin Casey rettet mit ihrem Optimismus die Welt. Sie kann halt alles reparieren: Radios, Computer, den Klimawandel. Überhaupt ist nur Pessimismus an unseren Problemen schuld: Berichte über ökologische Katastrophen, Mißtrauen und Haß. Besonders schlimm sind dystopische Romane: Orwell und Huxley hindern uns am positiven Denken. Fräulein, wenn Dein Lehrer es dir schon nicht erklären kann: 1984 und Schöne neue Welt sind Warnungen, auf die die Menschheit leider nicht hört, aber kaum die Ursache. Obwohl die NSA ihre Inspiration sicher irgendwo herhaben muß...

Ich bin optimistisch, daß die Filmgeschichte diesen Flop schnell vergessen wird. Mäßig interessant (3/10).

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