Der Titel ist ein bißchen irreführend, denn der "Kobold-Kaiser" sitzt auf dem Elfenthron. Allerdings war seine Mutter die Tochter des Koboldkönigs, wenngleich nie geplant war, daß er den Thron besteigen sollte. Schließlich hatte er jeweils zwei ältere Halbbrüder und Halbschwestern, und einen bereits 15jährigen Neffen. Als jedoch das Luftschiff mit seinem kaiserlichen Vater und beiden Thronfolgern abstürzt, wird der 18jährige aus seinem Exil in die Hauptstadt berufen und muß fast völlig unvorbereitet das mächtige Elfenreich lenken.
Bevor ich mit diesem Fantasy-Roman warm wurde, mußte ich ein paar Hürden nehmen. Da ist zunächst der Name der Titelfigur. "Maia" ist laut meinen Recherchen in allen Kulturkreisen ein weiblicher Name. Ob nun ein ironischer feministischer Wink der Autorin oder ein Bezug auf den erotischen Fantasy-Klassiker von Richard Adams (Watership Down), mich hat das ziemlich irritiert. Auch die weiteren Namen stören den Lesefluß, denn sie wurden offenbar in einer Mischung von Tolkien und Dostojewski ausgebrütet und sorgten bei mir auf den knapp 500 Seiten für unnötige Verwirrung: Dach'osmin Ceredin, Osmin Duchenin, Csoru Zhasanai - alle werden darüber hinaus je nach Situation auch noch mit verschiedenen genauso kryptischen Titeln und Ehrenbezeugungen angesprochen. Maia übrigens heißt eigentlich Edrehasivar Zhas - und spricht wie alle Edelleute am Hofe im Pluralis Majestatis, mit sporadisch eingeworfenem Thou und Thine, ohne daß die Sprache ansonsten im geringsten an Shakespeare gemahnen würde.
Nachdem ich mich an diese Tücken gewöhnt hatte, machte das Lesen jedoch richtig Spaß. Die Geschichte ist streng figurengetrieben und bietet weder Fechtszenen noch Schlachten und nur ein Minimum an Magie. Trotz diesem (von manchen Rezensenten beklagten) Mangel an Action ist es ungemein spannend zu verfolgen, wie Maia sich durch die Ränkespiele des Hofes manövriert und auch lenken läßt. Es ist eine recht patriarchalische Gesellschaft, wenngleich auch einige Frauen ihre Intrigen spinnen (die aber meist nur auf profitable Hochzeiten aus sind). Es ist ein wenig unwahrscheinlich, auf wie viel guten Willen der naive Thronfolger trifft, und auch wenn ihm im allgemeinen eine gute Menschenkenntnis hilft, festigt er seine Machtposition doch ein wenig schnell. Die Hindernisse auf seinem Weg sind ebenfalls vorhersehbar. All das ist also nicht neu, aber mit viel Detailfreude geschildert. Am Ende hatte ich allerdings ein wenig das Gefühl, nur eine Einführung in eine faszinierende neue Welt gelesen zu haben. Auch wenn bisher kein Nachfolger angekündigt ist, scheinen mir sowohl der Aufwand der Autorin als auch die notwendige Investition der Leser ein wenig zu hoch für ein alleinstehendes Werk.
Der Roman der jungen Amerikanerin Sarah Monette (ihr erster als Katherine Addison, ihr vierter insgesamt) orientiert sich also klar an der romantischen Tradition der klassichen Fantasy, nicht am düsteren, schmutzigen Gegenmodell von George R.R. Martin und seinen Jüngern (und wer glaubt, A Song Of Ice and Fire sei deprimierend, sollte mal Abercrombie lesen, etwa seine First-Law-Trilogie). Er ist aber ein mehr als solider Beitrag, würdig der Nominierung, allerdings für mich nicht außergewöhnlich genug, um Favorit für den SF-Preis zu sein.
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