Marko Kloos hat ja im Zuge der Sad-Puppies-Kontroverse seinen für den Hugo nominierten zweiten Frontlines-Band "Lines of Departure" zurückgezogen. Aus Respekt vor dieser Entscheidung, und weil es die beiden Romane bei Amazon auszuleihen gab, habe ich die beiden Bände jetzt doch gelesen (wenngleich mehr und mehr diagonal).
Kloos ist ein in New Hampshire lebender Deutscher. Sein erster Frontlines-Roman entstand im Umfeld eines SF-Workshops, bei dem offenbar John Scalzi sich des Nachwuchsautors annahm. Scalzi ist der momentan anerkannteste Vertreter der militärischen Science Fiction, er gewann 2013 einen Hugo für Redshirts. Qualitativ kann Kloos Scalzi allerdings nicht das Wasser reichen, und auch im Vergleich mit David Webers erfolgreicher Honor-Harrington-Serie (einer Art Hornblower im All) kommt er schlecht weg. Damit erschöpft sich allerdings bereits meine Erfahrung mit Militär-SF.
Unabhängig vom mir unsympathischen Genre bot mir Kloos nichts Neues. Er schreibt zwar flüssig, seiner Erzählweise fehlt es aber an Spannungsaufbau, und seine Figuren sind ziemlich austauschbar. Typisch ist dabei die Beliebigkeit der Geschlechterzuordnung. Das konnte Heinlein zwar auch nicht besser, dafür vermochte der Altmeister mit seinen propagandistischen Erzählungen ("Starship Troopers") einen verführerischen Sog erzeugen, dem vor allem Jugendliche nur zu leicht erlagen. Davon kann bei Kloos' eintöniger Reportage des Gefreiten und späteren Korporals Andrew Grayson kaum die Rede sein (zudem stört mich weniger die Ich-, aber sicher die Gegenwartsform). Zu den Klischees gesellen sich dann noch abstruse SF-Konzepte. Es ist ja ein netter Gedanke, einmal die Menschheit in die Rolle der "Bugs" zu drängen, aber der Gedanke von 80 Fuß großen Aliens mit mehr als der zehnfachen Masse eines Elefanten ist so absurd wie physikalisch unmöglich. Und überhaupt Füße und Pfunde: Wenn noch nicht einmal europäische Einwanderer das metrische System benutzen, wer soll den Amerikanern dann Vernunft beibringen?
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