By Grabthar's hammer, by the suns of Worvan, you shall be avenged.
Was kann man über Infinity War spoilerfrei schreiben? Im Grunde handelt es sich um eine 150minütige Post-Credit-Szene, die nur im Zusammenhang mit der für nächsten Sommer angekündigten Fortsetzung einen Sinn ergibt. Für mich als Nicht-Comic-Leser ist auch der Hinweis in der Post-Credit-Szene dieser überlangen Post-Credit-Szene nicht besonders hilfreich. Es gibt ja Star-Wars-Fans, die The Empire Strikes Back den Cliffhanger vorhalten und argumentieren, es handle sich daher nicht um einen perfekten Film. Was würden diese Fans jetzt zu Infinity War sagen?
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Es kommen eine Menge Helden vor, auch einige Schurken. Es gibt Begegnungen, auf die haben Fans lange gewartet, und einige, auf die wir auch noch länger gern verzichtet hätten. Am einfachsten ist es jetzt aufzuzählen, wer NICHT vor die Kamera geschleift wurde. Ant-Man (wie Hawkeye) kommt nicht vor; offiziell weil er unter Hausarrest steht, inoffiziell, weil er bis Juli seine Familienprobleme von wegen Ant-Man and the Wasp in den Griff bekommen muss. Captain Marvel kann noch nicht auftreten, weil Carol Danvers erst im März 2019 ihr Debut haben wird. Thors Walküre (Tessa Thompson) sieht man leider auch nicht (in den Credits ist nur ihr Stunt-Double aufgeführt).
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Jetzt geht das Rätselraten um den Titel der Fortsetzung erst richtig los. Marvel-Boss Kevin Feige will ihn erst verraten, wenn auch der letzte Kinogänger den 400 Millionen Dollar schweren Teaser gesehen hat. Mein Tip schwankt noch zwischen Avengers 4: The Search for Spock und Avengers 4: The Return of the Jedi (man lese Spock und Jedi als spoilerfreie Platzhalter). Nochmal: Die Cliffhanger-Foundation hat bereits Klage eingereicht, denn das "Ende" von Infinity War wird diesem Begriff nicht gerecht. Nimmt man das "Ende" beim Wort, handelt es sich vielmehr (und diese Aussage mag mir als Spoiler verübelt werden) um den Ausverkauf des Marvel-Universums. Allerdings bieten Zeitreise und Paralleluniversen genug Schlupflöcher, um kein Ende endgültig zu machen.
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Nur eine von Millionen möglichen Interpretation erlaubt es, Infinity War als abgeschlossene Geschichte anzusehen, und zwar indem man Thanos als ihren Helden erkennt. Seine Beweggründe sind edel - er will das Problem der galaktischen Überbevölkerung lösen - und sein Herz sitzt am rechten Fleck. Nun ja, vielleicht nicht buchstäblich - wer weiß schon, wo bei einem Titanen das Herz sitzt; vielleicht am Kinn - Platz wäre genug. Aber Josh Brolin vermag den Vater von Gamora und Nebula trotz der CGI-Überzeichnung glaubhaft als tragische, missverstandene Figur anzulegen. Wenngleich mit fragwürdigen Erziehungsmethoden. Und damit hätte man auch ein schlüssiges Ende...
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Bleibt zu erwähnen, dass "Tyrion" Peter Dinklage eine große Rolle hat. Na ja, eigentlich eine kleine, aber ganz groß... Jedenfalls sorgt er für Jubelrufe im Kino, so wie auch einige andere heroische Momente von den Zuschauern beklatscht wurden. Es ist auch toll dass die Avengers sich zusammenraufen und sich nicht untereinander prügeln (was mir Civil War etwas verleidet hatte). Inzwischen gibt es allerdings so viele Avengers und Guardians, dass man sie über die Welt bzw. Galaxis verstreuen muss. So oder so gibt es haufenweise tolle Action-Szenen, viele nette Sprüche und mehrmals fast eine Liebesszene. Also für alle etwas? Nun ja, falls man wenigstens die Mehrzahl der 18 Vorgängerspektakel gesehen hat. Für Marvel-Neulinge ist Infinity War nun wirklich gar nichts. Pratt, Hemsworth, Evans, Boseman et al. bedeuten dann nur einen Testosteron-Schock. Die immer noch sparsam vergebenen Frauenrollen sind wenigstens sauber farbcodiert: Blond (Black Widow Scarlett Johansson), Rot (Scarlett Witch Elizabeth Olsen), Grün (Gamora Zoe Saldana), Blau (Nebula Karen Gillan), Schwarz (Okoye Danai Gurira - eigentlich schokoladenbraun, aber das würde mir sicher als rassistisch ausgelegt).
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Da die IMBD eine Einzelwertung von mir verlangt, ist mein Kompromiss (bis zur Fortsetzung): Gut (7/10)