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Samstag, 28. April 2018

To Infinity and beyond! Avengers: Infinity War (7/10)

By Grabthar's hammer, by the suns of Worvan, you shall be avenged.



Was kann man über Infinity War spoilerfrei schreiben? Im Grunde handelt es sich um eine 150minütige Post-Credit-Szene, die nur im Zusammenhang mit der für nächsten Sommer angekündigten Fortsetzung einen Sinn ergibt. Für mich als Nicht-Comic-Leser ist auch der Hinweis in der Post-Credit-Szene dieser überlangen Post-Credit-Szene nicht besonders hilfreich. Es gibt ja Star-Wars-Fans, die The Empire Strikes Back den Cliffhanger vorhalten und argumentieren, es handle sich daher nicht um einen perfekten Film. Was würden diese Fans jetzt zu Infinity War sagen?

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Es kommen eine Menge Helden vor, auch einige Schurken. Es gibt Begegnungen, auf die haben Fans lange gewartet, und einige, auf die wir auch noch länger gern verzichtet hätten. Am einfachsten ist es jetzt aufzuzählen, wer NICHT vor die Kamera geschleift wurde. Ant-Man (wie Hawkeye) kommt nicht vor; offiziell weil er unter Hausarrest steht, inoffiziell, weil er bis Juli seine Familienprobleme von wegen Ant-Man and the Wasp in den Griff bekommen muss. Captain Marvel kann noch nicht auftreten, weil Carol Danvers erst im März 2019 ihr Debut haben wird. Thors Walküre (Tessa Thompson) sieht man leider auch nicht (in den Credits ist nur ihr Stunt-Double aufgeführt).

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Jetzt geht das Rätselraten um den Titel der Fortsetzung erst richtig los. Marvel-Boss Kevin Feige will ihn erst verraten, wenn auch der letzte Kinogänger den 400 Millionen Dollar schweren Teaser gesehen hat. Mein Tip schwankt noch zwischen Avengers 4: The Search for Spock und Avengers 4: The Return of the Jedi (man lese Spock und Jedi als spoilerfreie Platzhalter). Nochmal: Die Cliffhanger-Foundation hat bereits Klage eingereicht, denn das "Ende" von Infinity War wird diesem Begriff nicht gerecht. Nimmt man das "Ende" beim Wort, handelt es sich vielmehr (und diese Aussage mag mir als Spoiler verübelt werden) um den Ausverkauf des Marvel-Universums. Allerdings bieten Zeitreise und Paralleluniversen genug Schlupflöcher, um kein Ende endgültig zu machen.

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Nur eine von Millionen möglichen Interpretation erlaubt es, Infinity War als abgeschlossene Geschichte anzusehen, und zwar indem man Thanos als ihren Helden erkennt. Seine Beweggründe sind edel - er will das Problem der galaktischen Überbevölkerung lösen - und sein Herz sitzt am rechten Fleck. Nun ja, vielleicht nicht buchstäblich - wer weiß schon, wo bei einem Titanen das Herz sitzt; vielleicht am Kinn - Platz wäre genug. Aber Josh Brolin vermag den Vater von Gamora und Nebula trotz der CGI-Überzeichnung glaubhaft als tragische, missverstandene Figur anzulegen. Wenngleich mit fragwürdigen Erziehungsmethoden. Und damit hätte man auch ein schlüssiges Ende...

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Bleibt zu erwähnen, dass "Tyrion" Peter Dinklage eine große Rolle hat. Na ja, eigentlich eine kleine, aber ganz groß... Jedenfalls sorgt er für Jubelrufe im Kino, so wie auch einige andere heroische Momente von den Zuschauern beklatscht wurden. Es ist auch toll dass die Avengers sich zusammenraufen und sich nicht untereinander prügeln (was mir Civil War etwas verleidet hatte). Inzwischen gibt es allerdings so viele Avengers und Guardians, dass man sie über die Welt bzw. Galaxis verstreuen muss. So oder so gibt es haufenweise tolle Action-Szenen, viele nette Sprüche und mehrmals fast eine Liebesszene. Also für alle etwas? Nun ja, falls man wenigstens die Mehrzahl der 18 Vorgängerspektakel gesehen hat. Für Marvel-Neulinge ist Infinity War nun wirklich gar nichts. Pratt, Hemsworth, Evans, Boseman et al. bedeuten dann nur einen Testosteron-Schock. Die immer noch sparsam vergebenen Frauenrollen sind wenigstens sauber farbcodiert: Blond (Black Widow Scarlett Johansson), Rot (Scarlett Witch Elizabeth Olsen), Grün (Gamora Zoe Saldana), Blau (Nebula Karen Gillan), Schwarz (Okoye Danai Gurira - eigentlich schokoladenbraun, aber das würde mir sicher als rassistisch ausgelegt).

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Da die IMBD eine Einzelwertung von mir verlangt, ist mein Kompromiss (bis zur Fortsetzung): Gut (7/10)

Samstag, 7. April 2018

Gewinnend: Battle of the Sexes (7/10)



Du garstiges Geschöpf! Du willst mehr Geld, womöglich genauso viel wie die Männer? Dabei weiss doch jeder, dass Frauen keinen Ehrgeiz und kein Durchsetzungsvermögen haben! Und sowieso in jeder Hinsicht das schwächere Geschlecht sind. Aber hübsch siehst Du aus, mit dem kurzen Röckchen und der kecken Brille...

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Das waren noch Zeiten, als sich Männer derart öffentlich entblöden konnten, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen! Anfang der 70er war die Welt der Amerikaner noch in Ordnung. Es regierte ein vertrauenswürdiger Präsident, der Vietnam-Krieg war gewonnen, und, da man weltoffen war, ließ man mit John Newcombe und der braven Chrstin Margaret Court zwei Australier die US Open von 1973 gewinnnen. Und doch brodelte es im Geheimen. Carly Simon sang You're so vain, Carole King Natural Woman, und Tennisgöttin Billy Jean King, nur kurzzeitig von Margaret Court an der Spitze der Weltrangliste abgelöst, gewann den Kampf der Geschlechter gegen Altstar Bobby Riggs. Es war ein Showkampf, den der 20 Jahre ältere Wimbledon-Gewinner von 1939 als Triumph des stärkeren Geschlechts inszenieren wollte. Es kam anders, doch Riggs ist trotzdem nicht der Schurke des Stücks. Diese Rolle bleibt den Funktionären des Tennisverbandes, die den Damen gerade mal ein Achtel des Preisgeldes zugestehen wollten und damit die Spaltung der Welttour verursachten. Insbesondere Bill Pullman spielt den ATP-Vorsitzenden Jack Kramer als eiskalten Unmenschen.

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Das Match, weltweit von 90 Millionen Zuschauern an dern Fernsehern mitverfolgt, war ein bedeutender Etappensieg in einem ewigwährenden Krieg. Zwar würde sich heute kein Kommentator mehr trauen, seiner Co-Moderatorin so arrogant-vertraulich den Arm um die Schultern zu legen, wie das Rosie Casals bei besagtem Match geschah. Aber in den Köpfen hat sich nicht so viel geändert, wie man sich wünschen würde. Ich erinnere mich etwa an die Oscars von 2005, als Sofia Coppola für Lost in Translation, den schönsten Film des Jahres, historische drei Nominierungen bekam (und für das Beste Originaldrehbuch gewann - nur Peter Jackson und seine Tolkien-Adaption konnte sie schlagen). Jedenfalls wurde die Regisseurin im Vorfeld von einem geschniegelten Reporter befragt, dessen hilfloser Schluss-Spruch dann lautete: "She's beautiful". Nun ist der Coppola-Spross eine tolle Frau mit Ausstrahlung und Herz, aber jeder müsste zugeben, dass sie Talent wie Aussehen großenteils von ihrem Vater geerbt hat, und der ist auch schon keine Schönheit...

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Billie Jean King jedenfalls hat sich gewehrt, und Emma Stone ist erwartungsgemäß eine Idealbesetzung in allen Szenen, in denen kein Tennis gespielt wird (und das sind die wichtigsten). Am Anfang ihrer Karriere kommentierte Regisseur Will Gluck (Einfach zu haben), dass sie wohl noch nie eine Sporthalle von innen gesehen habe. Jetzt hat sich die 29jährige zwar überzeugende Muskeln antrainiert, aber Kings agiles Spiel wurde dann doch eher von Stuntfrauen inszeniert. Aber wen kümmert's, wenn außerhalb des Platzes so traumhafte Szenen entstehen wie die Begegnung zwischen Billie und ihrer (tragischen) Liebe Marylin Barnett. Seit Patrice Lecontes Der Mann der Friseuse wurde ein Haarschnitt nicht mehr so sinnlich zelebriert. Auch Billies Loyalitätskonflikt zu ihrem Ehemann Larry King (nicht der TV-Moderator) vermag die Oscar-Preisträgerin anrührend zu vermitteln. Der war nämlich einer der Helden der Geschichte und verblieb Billie auch nach der Scheidung in Freundschaft verbunden (sie ist heute mit ihrer ehemaligen Doppelpartnerin Ilana Kloss liiert).

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Den schwierigsten Part hatte sicher Steve Carell als Billies Nemesis. Im wundervollen Crazy, Stupid, Love hatte er 2011 bereits Emmas Vater gespielt. Als ihr Rivale Bobby Riggs ist er nun nach außen hin ein allerdings urkomisches Scheusal, hinter den Kulissen allerdings erkennt man einen durchaus vielschichtigen Menschen, liebevollen Vater und Ehemann einer starken Frau (leider ausdruckslos: Elisabeth Shue). Und dann wieder hat der Komiker das Sagen, wenn Riggs in bizarren Publicity-Werbespots auftritt und etwa im Tauchanzug oder mit zwei Hunden im Schlepptau Tennismatches bestreitet. Das wirkt herrlich übertrieben, muss aber wohl einigermaßen authentisch sein (auf dem Foto sieht man ihn im Dirndl!). Erwähnenswert ist auch Sarah Silverman als Gladys Heldman, Herausgeberin eines Tennis-Magazins und Mitgründerin des alternativen Tennisbunds der aufmüpfigen Damen, auch wenn ihre Figur mehr Schwung als Tiefe hat.

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Es ist kein Zufall, dass ich viel über die zugrundeliegende historische Situation und wenig über den Film geschrieben habe. Das Drehbuch stammt von Simon Beaufoy, dessen Durchbruch und immer noch bestes Werk Ganz oder gar nicht ("The Full Monty", 1997) war. Für die wenig überzeugende Adaption Slumdog Millionaire gewann er 2009 einen Oscar. Hier hat er einen an sich faszinierenden Stoff recht herkömmlich strukturiert und ohne Mut zum Risiko aufs wesentliche reduziert. Dass es kein großer Film geworden ist, muss ich zusätzlich dem Regieteam anlasten, das die Ereignisse brav aneinanderreiht, aber über (lange) zwei Stunden hinweg keine Sogwirkung erzeugen kann. Valerie Faris und Jonathan Dayton hatten 2006 mit Little Miss Sunshine einen Überraschungserfolg (schon damals mit Steve Carell). Nach Zoe Kazans hübscher Liebesgeschichte Ruby Sparks (2012) ist Battle of the Sexes erst ihr dritter Film. Während sie mit authentischem  Dekor und Kostümen punkten können, sowie dem überzeugenden Konzept, auch in der Bildgestaltung die 70er aufleben zu lassen, ist ihr vielleicht schwerster Fehler die nervige Musikuntermalung von Nicholas Britell (Moonlight), die selbst bei den Tennisszenen nicht innehält. Hier wären ein paar mehr Popsongs klüger gewesen! So kann ich mich trotz hervorragender Darsteller und einem tollem Stoff nur zu einem Gut durchringen (7/10).

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Gerade ist der Film hierzulande in perfekter Bild- und Tonqualität als Blu-ray erschienen. Vom quietschigen Fox-Logo am Anfang darf man sich nicht abschrecken lassen, das soll den Zuschauer gleich in die 70er katapultieren. Bestes Extra ist ein zehnminütiges Interview mit der heute 75jährigen Billie Jean King, noch immer eine beeindruckende Persönlichkeit. Die Bürgerrechtlerin bekam 2009 von Präsident Obama die Presidential Medal of Freedom überreicht. Im Feature sieht man auch etliche historische Fotos und erkennt nochmals, wie perfekt Emma Stone die Essenz der Figur verkörpert hat (außerhalb des Tennisplatzes).