Wenn es nicht immer noch ein paar erfolgreiche Franchises gäbe, müßte Hollywood schon längst unter der Last seiner gescheiterten Blockbuster implodiert sein. Alle zwei Wochen wird versucht, uns die neueste Sensation zu verkaufen. Jedes vorstellbare Zelt würde unter dem Gewicht derart vieler Zeltstangen ("Tentpoles") im Erdboden versinken. Manchmal wünscht man sich die alten autokratischen Studioköpfe zurück, Louis B. Mayer, Jack Warner, Samuel Goldwyn. Was hätten diese Haudegen wohl von den heutigen sogenannten "High Concepts" gehalten, bei denen selbst in die Verfilmung simpler Brettspiele Hunderte Millionen Dollars versenkt werden - siehe Battleship (Schiffe versenken).
Hinter Guillermo del Toros Pacific Rim steht wenigstens eine gewisse Vision, nämlich die Fortführung der japanischen Kaiju-Filme (Godzilla!) mit modernen Mitteln. Die Herkunft der Monster wird mit dem bekannten SF-Konzept eines Paralleluniversums "erklärt". Leider verlieren sie dadurch viel von ihrem Mythos. Godzilla war ja vor allem die Inkarnation der japanischen Urängste vor der Atombombe und allgemein unvorhersehbaren Naturgewalten. Jetzt kommen die Monster also durch eine tektonischen Spalte als Vorhut einer Alien-Invasion und werden mit von jeweils zwei Menschen gesteuerten gigantischen Androiden bekämpft.
Die Action besteht im wesentlichen aus Prügeleien zwischen CGI-Monstern und CGI-Robotern, schnell geschnitten, mit im Halbdunkel oft verschwimmenden Details. Inmitten des Getöses ab und zu brüllende, kaum zu verstehende Kommunikation zwischen dem Kommandozentrum und den eingesetzten Soldaten. Totenöde also - gerade im Vergleich mit dem hocheleganten Stab-Zweikampf zwischen den Hauptdarstellern (bzw. ihren Stuntdoubles), bei dem ihre "Kompatibilität" geprüft werden soll.
Dann gibt es noch die menschliche Ebene, die Dynamik zwischen den Steuerungspartnern und der dahinterstehenden militärischen Organisation. Del Toro ist es allerdings noch selten gelungen, menschliche Interaktion über eine Handlungskurve hinweg überzeugend darzustellen - daran haben auch seine visuell sehenswerten Hellboy-Filme gekrankt. Die hatten immerhin eine charismatische zentrale Figur - hier schmerzlich vermisst gerade beim herrlichen Cameo von Ron Perlman. Auf die Knallchargen von Wissenschaftlern, die selbst in der Big Bang Theory überzogen wirken würden, hätte man besser verzichtet. Anderseits gibt es Sprenkel von (vorwiegend visuellem) Humor, die durchaus mal für ein befreiendes Lachen gut sind.
Nach dieser frustrierenden Erfahrung kann man wohl froh sein, daß Peter Jackson den Hobbit doch selbst in die Hand genommen hat. Guillermo del Toro sollte sich vielleicht mehr auf kleinere, intime Filme konzentrieren. Schließlich hat er 2006 mit Pans Labyrinth einen herausragenden, erschütternden Film über die Schrecken des spanischen Bürgerkriegs abgeliefert. Davon würde ich gern mehr sehen, bestimmt aber keine Fortsetzung dieses mißlungenen Blockbusters. Erträglich (4/10).
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