Pedro Almodóvar, der weltweit berühmteste (lebende) spanische Regisseur, begann seine Karriere mit schrillen, ab und zu die Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Komödien (Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs), die oft grotesk fast alle Schattierungen der menschlichen Sexualität ausloteten. Zunächst nur in Arthaus-Kreisen bekannt, gelang ihm 1999 mit Alles über meine Mutter der internationale Durchbruch (Oscar für den besten fremdsprachigen Film), 2002 folgte mit Sprich mit ihr der nächste Triumph (Oscar für das beste Originaldrehbuch). Das waren vielschichtige Mischungen aus Drama und Komödie, zwar im Vergleich zu seinem Frühwerk gemäßigt, aber immer noch kraftvoll und mutig in der Darstellung von Subkulturen und abweichenden Geschlechterrollen.Er hat ein Auge für ungewöhnliche Gesichter und ein Herz für starke Frauenfiguren. Zwei seiner Lieblingsdarsteller sind inzwischen Weltstars und eröffnen in einem Cameo seine neueste Komödie: Penélope Cruz und Antonio Banderas.
Nach der teilweise schwer verdaulichen Kost der letzten Dekade (den Vorgänger Die Haut, in der ich wohne fand ich ziemlich unerträglich) erklärt Pedro diesmal die Leichtigkeit zum Programm. Herausgekommen ist dabei ein flüchtiges Komödchen ohne Tiefe und leider auch ohne viel Witz - nett, aber schnell vergessen. Es ist ein Kammerspiel, das sich vorwiegend in der Ersten Klasse des Fliegers abspielt. Da gibt es die drei herzallerliebsten schwulen Stewards, die in einer der besten Szenen zum größten Hit der Pointer Sisters posieren - daher übrigens auch der US-Titel: "I'm So Excited". Dazu gesellen sich weitere trinkfreudige Crewmitglieder und einige mild karikierte Passagiere, darunter Almodóvar-"Veteranen" Lola Dueñas als Noch-Jungfrau Bruna und Cecilia Roth als Pornokönigin. Durch freigiebige Mescalin-Zugabe zu den Drinks wird die Stimmung schnell ausgelassen. Es gibt eine ärgerliche Szene, als Bruna einen schlafenden Passagier vergewaltigt - es wäre im abgedrehten Kontext so einfach gewesen, ihn aufzuwecken und zu verführen! Dann bekommen wir, über Telefonate aus dem Flieger heraus verknüpft, einige Szenen mit den Ex-Freundinnen (Augenweiden: Paz Vega und die junge Blanca Suárez) eines Passagiers zu sehen - vielversprechend und dann doch erzählerische Seifenblasen.
Fliegende Liebende, im Original sowohl "Flüchtige Liebende" als auch "Liebende Passagiere", bedeuten für den Meister nur Mittelmaß. Mit viel Sympathie für Pedro und sein Ensemble vergebe ich noch ein Ordentlich (6/10).
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