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Montag, 12. August 2013

Unfaßbar schlecht: The Lone Ranger (1/10)

Zum Glück hat es sich bereits rumgesprochen; der Saal ist gähnend leer - was auch eine Beschreibung für meinen Gemühtszustand sein könnte. Selten habe ich so oft auf die Uhr geschaut - noch eine Explosion, noch ein Rohrkrepierer von Gag, noch ein inhaltsloser Dialog. Disney schreibt zwischen 100 und 200 Millionen Dollar ab für diesen halbherzigen Versuch, den Erfolg von Fluch der Karibik zu wiederholen. Der war damals eine Überraschung, basierte aber auf einem einigermaßen schlüssigen Konzept, einer exquisit entwickelten Hauptfigur und dem opportunen Casting gleich zweier kommender Jungstars. Aber keine Sorge, das Geld kommt schon wieder rein, spätestens wenn der zugehörige ödeste Themenpark der Welt eröffnet wird!

Es ist in Hollywood ein offenes Geheimnis, daß viele Blockbuster-Drehbücher inzwischen Computer-generiert sind (CGS = Computer Generated Scripts). Noch kontrovers diskutiert wird, ob bei den Oscars eine entsprechende dritte Drehbuch-Kategorie eingeführt werden soll (dann hätten wir orginale, adaptierte und generische). Einem anderen Vorschlag zufolge soll nicht das CGS selbst, sondern die Vorgabe für den Algorithmus geehrt werden, so wie es bis 1957 den Oscar für die beste zugrundeliegende Story gab. Meine Internet-Recherche ergab für The Lone Ranger folgenden Input:

  • Ursprungsgeschichten sind gerade hip, also weg mit dem Mythos!
  • Wir haben die Rechte auf die alte Fernsehserie, aber wer schaut schon 221 Folgen. Die Titelbilder sind aussagekräftig genug.
  • Die Handlung könnten wir eigentlich vom Schatz im Silbersee übernehmen.
  • Man könnte die beiden Hauptfiguren aneinanderketten, damit sie auch ohne sonstige Gründe zueinander finden. Das hat schon 1958 in Flucht in Ketten funktioniert, aufgrund der heutigen durchschnittlichen Aufmerksamskeitsspanne machen wir das aber nur drei Minuten lang.
  • Henry Fonda und Jason Robards und Eisenbahn-Salon - war cool in Spiel mir das Lied vom Tod, kennt bestimmt keiner mehr. Wir erinnern uns auch nur noch dunkel, aber was kann schon schiefgehen?
  • Slapstick kann nicht schaden, also bedienen wir uns bei den Klassikern, z.B. bei Buster Keatons The General. Fürs heutige Publikum muß die Verfolgungsjagd per Zug allerdings so verkompliziert werden, daß niemand nachvollziehen kann, was gerade los ist.
  • Die Komantschen hatten so ein schlimmes Schicksal, also mähnen wir mal ein paar Dutzend mit dem Maschinengewehr nieder.
  • Die Tabakindustrie hat nicht genug fürs Product Placement rausgerückt, also lassen wir die Indianer saufen statt Pfeife rauchen.
  • Fleischfressende Karnickel sind lustig.
  • Werw%246%lfe tötet man mit silbernen Kugeln.
  • Wenn die Helden sich in eine Ecke manövriert haben, lassen wir einfach das Zauberpferd die Situation lösen.
  • Da wir nicht sicher sind, ob uns der Quatsch abgenommen wird, bauen wir eine noch abstrusere Rahmengeschichte drum rum.

Nicht dem Computer anzulasten ist die Realisierung des Machwerks. Tom Wilkinson hat den gleichen Typ Bösewicht schon intensiver gegeben (ich habe mich nach dem Gespann Mario Adorf und Klaus Kinski gesehnt), Helena Bonham-Carter erinnert uns nur daran, in wie vielen guten Filme sie mitgespielt hat, Armie Hammer muß zwei Stunden lang wie der letzte Depp agieren, und Johnny Depp hämmert uns seine Sparrow-Kopie in die Birne. Angeblich hat er Respekt für seine (vage) indianische Herkunft ausdrücken wollen. Mir scheint, ihm ist der Respekt vor seinem Beruf abhanden gekommen. Gleiches scheint übrigens auch für den Komponisten Hans Zimmer zu gelten, denn der Soundtrack wirkt mehr wie eine lahme Zusammenstellung von Gassenhauern. Die Wilhelm-Tell-Ouvertüre, wirklich? Die Gesamtverantwortung hatte übrigens Gore Bruckheimer.

Ärgerlich (1/10).

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