Lucy ist kein Action-Film, peitscht aber über 85 Minuten den Adrenalinspiegel hoch. Der umgekehrte Countdown bis zur Gehirnkapazität von 100% erzeugt eine atemlose Spannung. Eine irrwitzige Auto-Verfolgungsjagd, Schußwechsel und sonstige Schlagabtäusche sind allerdings dabei.
Lucy ist keine wirkliche Science Fiction, obwohl die Grundidee schon mehrfach im Genre verarbeitet wurde. Aber sie dient nur als Aufhänger für eine aberwitzige Geschichte, die sich einer Zuordnung entzieht, inklusive Teleportation, Telekinese und Zeitreise. Die versammelten Wissenschaftler sind nur Dekoration.
Lucy ist kein philosophisches Epos, obwohl Parallelen zu Kubricks 2001 naheliegen. Aber man hat gar keine Zeit für Reflexion. Lucy selbst ist der Knochen, der zu HAL 9000 wird, sie läßt Menschen tanzen wie Kubrick Raumschiffe.
Lucy ist keine Komödie, auch wenn viele Szenen dem Zuschauer zum Lächeln bringen können. Die Leoparden erlegen die Gazelle, aber wie wird es den koreanischen Schurken mit Lucy ergehen?
Lucy ist kein Starvehikel, bietet aber mit Scarlett Johansson und Morgan Freeman zwei Gesichter, an denen man sich nicht sattsehen kann. Freeman persifliert mit Augenzwinkern sein Image als Stimme der Rationalität, und Johansson ist endgültig der Star des Jahres. Ihr gebührt ein Ehrenplatz in der eindrucksvollen Reihe der Besson-Heldinnen: Isabelle Adjani, Rosanna Arquette, Anne Parillaud, Natalie Portman, Milla Jovovich.
Was ist Lucy?
Lucy ist das Comeback von Luc Besson, dem französischen Blockbuster-Regisseur, der vor langer Zeit mal mit einigen ikonischen Filmen Hollywood durcheinandergerührt hat, Nach 15 Jahren Durststrecke zeigt er uns wieder Denkwürdiges, das sich auf die Netzhaut brennt und mit den ätherischen Klängen von Eric Serra untermalt ist. Es ist ein Hit, der seine Produktionskosten gleich am ersten Wochenende wieder eingespielt hat, und die meisten Kritiker vor ein Rätsel stellt.
Lucy ist herausragendes Kino (9/10).
Siehe auch:
- Im Rausch der Tiefe (1988, 9/10) - Jean Reno und Jean-Marc Barre im Duell der Taucher um Rekorde und die schöne Rosanna
- Nikita (1989, 8/10) - die französische Antwort auf James Bond
- Léon der Profi (1994, 10/10) - eine Ode an einen Auftragskiller, der uns am Schluß den Ringtrick zeigt.
- Das fünfte Element (1997, 9/10) - was bei Coppola ein Taufgottesdienst war, ist bei Besson die Opern-Arie einer außer-/überidischen Sängerin. Und Bruce Willis fährt Taxi - big bada boom.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen