Vier Kandidaten habe ich bereits besprochen, der fünfte ist der 12teilige "Wheel of Time"-Zyklus von Robert Jordan, postum vervollständigt von Brandon Sanderson. Vor einigen Jahren habe ich mich mal bis zum vierten Band durchgekämpft und dann zumindest vorläufig aufgegeben. Jordan schreibt an sich unterhaltsam und schöpft mit viel Fantasie eine erstaunlich detaillierte Welt. Seine Figuren sind vielleicht ein wenig stereotyp, aber durchaus einprägsam. Nicht so überzeugend fand ich den mythologischen Unterbau. Der Gedanke vom "Rad der Zeit" basiert auf der Wiedergeburt mythischer Helden und satanischer Schurken, die in einem ewigen Kampf immer wieder die gleichen Fehler begehen und jedesmal auf ähnliche Weise scheitern (und offenbar den Weltuntergang orchestrieren). Nun scheint eine Zeit des Durchbruchs gekommen, in der vielleicht erstmals die Helden triumphieren könnten. Der Kampf spielt sich ab in einer weitgefächerten mittelalterlichen Welt voller magischer Orte, Völker und Einzelfiguren. Tatsächlich scheint den Entdeckungen auch nach 4.000 Seiten noch keine Grenze gesetzt zu sein, und das ist auch der Hauptkritikpunkt an der Serie. Ein Rezensent bei Amazon hat die Handlung mal treffsicher mit einem Rollenspiel am Computer verglichen. Die Figuren irren umher, finden Verbündete oder machen sich Feinde, sammeln magische Gegenstände und Fähigkeiten, setzen diese in diversen Scharmützeln ein und gewinnen oder verlieren Lebens- oder Gesundheitspunkte. In jeder Schlacht scheint es nicht nur um Leben oder Tod, sondern um das Schicksal der ganzen Welt zu gehen, und doch folgt jedem Erfolg nur eine noch größere Herausforderung. Kurz gesagt: Es fehlt der Erzählung an Struktur, sie ist ein amorphes Monster, das zwar passagenweise immens unterhalten kann, aber den Leser auch extrem frustriert.
Trotzdem halte ich den Zyklus für den diesjährigen Favoriten. Er ist ohne Zweifel ein Klassiker und hat eine große Fangemeinde. Mein persönlicher Favorit ist zwar Larry Correias Grimnoir-Roman, aber dem rechne ich nicht viele Chancen aus. Neben dem "Wheel of Time" könnte auch Ancillary Justice das Rennen machen, nachdem Ann Leckies Debut bereits den Nebula und weitere Preise gewonnen hat. Hier meine Abstimmungsreihenfolge:
- Warbound, Book III of the Grimnoir Chronicles, Larry Correia (Baen Books)
- The Wheel of Time, Robert Jordan and Brandon Sanderson (Tor Books / Orbit UK)
- Parasite, Mira Grant (Orbit US/Orbit UK)
- Neptune’s Brood, Charles Stross (Ace / Orbit UK)
- Ancillary Justice, Ann Leckie (Orbit US/Orbit UK)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen