Lang, aber nicht wirklich langweilig - das ist schon das beste, was ich über Interstellar sagen kann. Christopher Nolan hat nach dem Erfolg seiner Dark-Knight-Trilogie einen derart geschickten Marketingapparat und eine solch riesige Fangemeinde (die den Film bereits auf Platz 12 der IMDB-Top-250 gehievt hat), daß kaum jemand an seinem Lorbeer zu kratzen wagt. Es kann einem schon übel werden von den Lobhudeleien, die über Interstellar veröffentlicht werden.Dabei legt das Projekt schonungslos Nolans Schwächen als Filmemacher bloß - es ist clever, aber nicht mitreißend, starbesetzt, aber wenig eindringlich gespielt, technisch, aber nicht wissenschaftlich, geschätzig, aber nicht philosophisch. Viele aufwendige Bilder, aber: WO BLEIBT DER SPASS?
Was bleibt, ist ein recht humorloser Abenteuerfilm im Weltall mit vorhersehbaren Twists, die kaum eine emotionale Reaktion hervorrufen können. Und dabei habe ich generell durchaus meine Freude an Shuttle-Flügen, Bildern von Raumschiffen, Dockingmanövern und haarsträubenden Landungen auf fremden Planeten (sonst hätte ich mir kaum den ersten Star-Trek-Film freiwillig mehrfach angeschaut). Aber Interstellar hängt irgendwo im Nichts zwischen der Fantasietechnik à la Star Trek/Star Wars/Galactica und der aus heutiger Sicht realistischen Technik von Gravity - selbst Armageddon war darin überzeugender. Jetzt habe ich tatsächlich Lust, mir jene bodenlos schlechte SF-"Perle" nochmals anzuschauen, die bereits vor 35 Jahren ein Schwarzes Loch präsentiert hat.
Geradezu ketzerisch finde ich die Vergleiche mit dem sicher nicht perfektem Meisterwerk 2001: Odyssee im Weltall, in dem Stanley Kubrick gemeinsam mit Arthur C. Clarke eine atemberaubende Vision präsentierte. Ja, streckenweise war das langweilig, aber allein für den unsterblichen Raumschiffwalzer und HALs Sterbeszene lohnte sich die Geduld. Und während Nolans Auflösung praktisch keine Fragen offen läßt, begann mit dem Ende von 2001 erst das Rätseln. Nolan bleibt (wie übrigens auch J.J. Abrams) an der Oberfläche, und wählt als Mittelpunkt (dies vielleicht ein Überbleibsel aus der Phase, als dies noch ein Spielberg-Projekt war) zwei banale Vater-Tochter-Beziehungen. Ansonsten ist es schon verblüffend, wie bei drei Stunden Laufzeit zwei der vier Expeditionsmitglieder nur als farblose Redshirts rüberkommen. Ganz zu schweigen vom längeren Cameo eines zombiehaft agierenden Matt Damon (falsches Genre!). Und dann ist da noch die "Musik", von der mir vor allem das bedeutungsschwere Dröhnen in vermeintlich "wichtigen" oder "mystischen" Szenen in Erinnerung blieb. Subwoofer bis zum Anschlag ausreizen und Kirchenorgeln fürs Metaphysische - mehr fällt unserem Landsmann in Hollywood Hans Zimmer offenbar nicht mehr ein.
Hier noch ein Gedanke, der mich trotz des Films beschäftigt: Ist es ethisch korrekt, für ein Überleben der Spezie um jeden Preis zu kämpfen? Sollte für die Menschheit nicht genauso für ein Individuum gelten, daß es auch darauf ankommt, wie man (über)lebt? Wenn man allerdings nach den SF-Filmen der letzten Jahre geht, sollte die Menschheit vielleicht einfach das Handtuch werfen.
Dies ist für mich nun der dritte mäßige Film mit Überlänge in Folge (Finchers Gone Girl hat auf mich eher wie ein Grippeanfall als ein Film gewirkt, so daß ich mir eine Kritik verkniffen habe). Interstellar? Kann man sich anschauen - schließlich schalten auch noch Millionen Deutsche "Wetten daß..." ein. Erträglich (4/10).
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