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Sonntag, 23. November 2014

Klassiker auf Blu-ray #11: Martin Scorseses "Zeit der Unschuld"

Mit schöner Bildqualität, aber leider ohne Extras ist jüngst Martin Scorseses Kostümfilm Zeit der Unschuld ("Age of Innocence") als Blu-ray erschienen. Bereits vor zehn Jahren schrieb ich zum Film:

Welch eine Geschichte, welch eine Umsetzung! Selten hatte ich bei Scorsese das Gefühl, daß er sein formales Genie derart in den Dienst des Stoffes gestellt hat wie in diesem Meisterwerk (neben Howards End vielleicht die beste Literaturverfilmung der 90er). Bei den Kritikern nicht so gut angekommen, lautete der Hauptvorwurf wohl, die Schauspieler hätten die Gefühle nicht "rübergebracht". Tatsächlich sind die Figuren perfekte Abbilder ihrer Zeit, unfähig, einfache Wahrheiten auszusprechen, selbstbeherrscht bis zum Masochismus. Die Tragik wird uns vom Regisseur auf andere Weise vermittelt: durch Kameraperspektiven, kurze Traumsequenzen (quasi Gefühlssprünge), farblich verfremdete Überblendungen, und nicht zuletzt durch die wohldosierte Musikuntermalung (in die zumeist zeitgenössische Auswahl fügt sich das einzige moderne Stück von Enya nahtlos ein). Die besten Augenblicke aber kommen ohne Musik, ja manchmal fast ohne Ton aus. Wenn die Kamera im Opernhaus plötzlich auf Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer fokussiert, entsteht ein Moment von seltener Magie, und keine erklärenden Worte sind nötig. Dann wieder setzt die ironische Erzählstimme ein und erklärt uns eine vergangene Welt, die keine Verherrlichung lohnt und der doch eine gewisse Nostalgie anhaftet.

Ein weiteres Mal ist hier Michelle Pfeiffer bei den Oscar-Nominierungen übergangen worden. Ihre erstaunliche Leistung weiß man noch mehr zu würdigen, wenn man sich ihre vollkommen anders gelagerte und doch ebenso perfekt ausgeführte Rolle in jenem Wunderwerk von 1988, "Dangerous Liaisons" (Gefährliche Liebschaften), vergegenwärtigt. Daniel Day-Lewis war ihr ein würdiger Widerpart, und die damals 21jährige Winona Ryder hervorragend, wie übrigens alle weiteren Nebendarsteller. Gute Schauspielerei heißt halt mehr als exaltiert in Tränen ausbrechen zu können oder sich in Wutanfällen zu ergehen. Hier waren kleine Gesten gefragt, und die hat Scorsese zuhauf eingefangen.

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