Für die Realisierung dieses kleinen britischen Films mußte Neil Jordan lange kämpfen. Zur Überraschung der Studioprofis wurde daraus ein weltweiter Hit, und Jordan gewann den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Und dieses Buch hat es tatsächlich in sich. Dabei meine ich nicht so sehr das zentrale Gimmick, sondern den überhaupt unvorhersehbaren Verlauf der Geschichte. Sie handelt zunächst von einer unmöglichen Freundschaft und dann von einer unmöglichen Liebe. Je weniger man darüber weiß, desto mehr Freude hat man beim Zuschauen. Aber auch das Wiedersehen ist noch ein Erlebnis. Das liegt wohl an Jordans romantisch-magischer Sicht auf die Welt. Er schafft eine melancholische und doch lebensbejahende Atmosphäre. The Crying Game ist damit thematisch eine Fortsetzung seiner früheren Filme Mona Lisa (mit dem jüngst verstorbenen wunderbaren Bob Hoskins) und Miracle - Geheimnis eines Sommers. Aufgrund dieses Erfolgs wurde ihm das (durchaus gelungene) Interview mit einem Vampir anvertraut, aber weitere Höhepunkte seiner Karriere blieben danach aus.
Ein großes Verdienst haben natürlich die wunderbar natürlich agierenden Darsteller: Stephen Rea als warmherziger IRA-Soldat, ein junger Forest Whitaker (Ghost Dog, Der letzte König von Schottland) als die IRA-Geisel und der vielbeschäftigte Jim Broadbent als Barkeeper, dazu Jaye Davidson als Dill (danach nur in einer einzigen Folgerolle zu sehen, nämlich als Ra in Stargate). Und dann ist da natürlich noch der Titelsong, ursprünglich in den 60ern ein kleiner Hit für Dave Berry. Vom Gesang her ziehe ich die Boy-George-Version vor, die zu den Endcredits läuft, auch wenn sie unter der typischen 80er-Produktion (Pet Shop Boys!) leidet.
Dieser herausragende Film ist bisher leider nur auf einer niederländischen Blu-ray erschienen, allerdings mit tollem Bild (im Originalformat 2.35:1) und tadellosem Originalton, mit optionalen niederländischen (keinen englischen!) Untertiteln. Keine Extras.
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