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Samstag, 6. Dezember 2014

Wenig Magie: Woody Allens "Magic in the Moonlight" (5/10)

Der inzwischen 79jährige Woody Allen ist bekannt und beliebt für die starken Frauenrollen in seinen Filmen. Gleich fünf Darstellerinnen verhalf er zum Oscargewinn, von Diane Keaton über Dianne Wiest (zweimal), Mira Sorvino, Penélope Cruz zu Cate Blanchett. Aber auch unabhängig von den schauspielerischen Leistungen ist seine Kamera immer schon verliebt in schöne Frauen. Niemand sonst hat Mariel Hemingway so berückend wie in Manhattan, Barbara Hershey so sexy wie in Hannah und ihre Schwestern, Julia Roberts so bezaubernd wie in Alle sagen "I Love You", Freida Pinto so anbetungswürdig schön wie in Ich sehe den Mann deiner Träume eingefangen.

Doppelt gilt dies für seine "Musen", von Diane Keaton über Mia Farrow bis hin zu Scarlett Johansson, die jüngst in drei seiner schönsten europäischen Filme glänzen durfte. Nun hat Woody Emma Stone für sich entdeckt (ein Folgefilm mit ihr und Joaquin Phoenix ist bereits abgedreht). In der gleißenden Sonne, aber auch dem Sommerregen und Mondschein der Côte d'Azur kommen ihre großen Augen, ihr unbefangenes Lächeln und ihr unbeschreiblicher Charme gut zur Geltung. Leider scheint sie ansonsten doch sehr ins Korsett der Allenschen Dialoge und eine diesmal schmerzhaft einengenden Handlungsmechanik eingezwängt zu sein. Vielleicht ist sie auch einfach zu modern für eine Figur der 20er Jahre, mit ihrer funkelnden komischen Energie und ihrem koketten Mundwerk- bereits als Capone-Diva in Gangster Squad wirkte sie fehl am Platz. In The Help paßte ihre Besetzung wiederum gut, weil die Figur ihrer Zeit (den 50ern) voraus war. Anderseits würde ich ihr selbst beim Zähneputzen zuschauen (oder beim Lip-Syncen)...

Darüber hinaus teilt sie, abgesehen von ihren Auftritten als Gwen Stacy mit Spider-Man (und Lebenspartner) Andrew Garfield, einen Fluch mit Audrey Hepburn: Da kaum junge Darsteller neben ihr bestehen können, werden als ihre Leinwandpartner nun ältere Herren besetzt. Diesmal hat es Colin Firth erwischt. Nach seinem Auftritt als Darcy in der genialen BBC-Version von Stolz und Vorurteil immer noch der Schwarm aller Britinnen, inzwischen aber als "ernsthafter" Schauspieler akzeptiert (und Oscar-gekrönt für Die Rede des Königs), gibt er hier irgendwo zwischen Cary Grant und John Cleese angesiedelt den sarkastisch-zynischen, welterfahrenen Magier, der ein betrügerisches Medium entlarven soll und ihm stattdessen verfällt. Diese undankbare Aufgabe löst er eigentlich ganz gut, aber es sprühen nicht gerade Funken zwischen Emma und Colin (der trotz der Bemühungen der Haar- und Makeup-Abteilung nicht verbergen kann, daß er inzwischen ein attraktiver Mittfünfziger ist). Sein Rivale (der sympathische Hamish Linklater aus The Crazy Ones) wirkt mit seinen 37 Jahren dagegen nur mittelalt, auch wenn er mit amüsanten, schief intonierten Ukulele-Ständchen Punkte für jugendliche Dummheit sammelt.

Allerdings würde ich vermuten, daß die recht läppische Geschichte mit der banalen Moral (Magie findet man nicht im Ektoplasma, sondern in der Liebe) nicht aufgrund der Besetzung scheitert. Mir scheint, daß Woody mittendrin irgendwie die Lust verloren hat. Immerhin ist das bereits sein dritter Ausflug in die Welt der Illusionen, nach den weitaus ergiebigeren und unterhaltsameren Im Banne des Jade-Skorpions (2001) und Scoop (2006). So erscheint die Einleitung, in der Colin Firth als Wei Ling Soo immerhin einen Elefanten verschwinden läßt, seltsam uninspiriert. Dazu fehlt mindestens ein zweiter paralleler Handlungsstrang, vielleicht um die (übrigens mit Colin Firth gleichaltrige) Marcia Gay Harden als geschäftstüchtige Mutter des Mediums, die ab der Hälfte der (immerhin mit 97 Minuten kurzen) Laufzeit nicht mehr in Erscheinung tritt.

Wiederum hat mich die in dünnem Mono aus den Lautsprechern quäkende Salonmusik der 20er gestört. Da muß es selbst für diese Periode auch andere Optionen geben (wie wär's mit Al Jolson? Peter Jackson hat's in King Kong vorgemacht). Natürlich interessiert den inzwischen fast tauben Altmeister der Klang seiner Filme am wenigsten. Aber der Mangel an Magie und Mondlicht hätte ihm schon auffallen können. Annehmbar (5/10).

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