Gerade habe ich eine schöne Dokumentation über Peter Sellers gesehen, die fast ausschließlich aus "Home Videos" des Exzentrikers zusammengesetzt wurde (The Peter Sellers Story - As He Filmed It). Er war einer der großen Clowns des 20. Jahrhunderts, auch wenn er selbst lieber wie Alec Guiness als ernsthafter Darsteller mit auch komischem Talent wahrgenommen worden wäre. Als Blu-ray gibt es den abschließenden Höhepunkt seiner Filmographie leider bisher nur als Import ohne deutsche Sprache. 2003 schrieb ich zur DVD:
Peter Sellers wird allein durch seine (ebenfalls Oscar-nominierten) Rollen in Kubricks Geniestreich Dr. Strangelove/Dr. Seltsam sicher auf immer im Gedächtnis der Filmliebhaber bleiben. Seine Verwandlungskunst und sein Talent für Slapstick schufen auch einen unvergeßlichen Inspector Clouseau (Der rosarote Panther). Mr. Chance war seine letzte große Rolle, bevor er 1980 mit 54 Jahren einem Herzinfarkt erlag. Im Oscar-Rennen unterlag er Dustin Hoffman (Kramer vs. Kramer). Komiker haben es bei der Akademie schon immer schwer gehabt...
Willkommen, Mr. Chance steht und fällt mit Peter Sellers. Ohne ihn wäre dies tatsächlich eine nette, auf Spielfilmlänge ausgewälzte Idee. Die Nebenrollen sind alle ein wenig flach, die Szenen ohne ihn eher uninteressant (der Präsident mit seiner Frau im Ehebett - die vergebliche Suche der Reporter nach Hintergrundinfos). . Selbst Shirley MacLaine scheint ihrer Rolle in der grotesken "Sex"-Szene nicht so recht gewachsen zu sein. Hier hätte man kürzen können. Doch Peter Sellers ist grandios.Er entwickelt eine Figur, die Gelassenheit und Würde ausstrahlt (was fast alle mit Weisheit verwechseln) und auf eine wunderbare Art zurückhaltend komisch ist. Und Hal Ashby gibt ihm reichlich Gelegenheit dazu. Unterstützt von der impressionistisch angehauchten Pianountermalung von Johnny Mandel entwickelt gerade die erste halbe Stunde einen hypnotischen Rhythmus, der ohne viele Worte auskommt.
Pauline Kael sieht nicht ein, wie ein fast autistischer Gärtner, dessen einziger Einfluß das Fernsehen ist, sich zur Figur des gutmütigen, Gärtnerlatein als Lebensweisen austeilenden Herrn entwickeln könnte. Natürlich nicht! "Being There" (so der schöne Originaltitel) ist weder Charakterstudie noch Satire. Mr. Chance kommt aus dem Nichts und verschwindet in der fabelhaften Schlußszene auch wieder im Nichts. Seine Anwesenheit hat eine traumartige Qualität, und auf diesen Traum muß sich der Zuschauer einlassen. Daß sich in seiner leeren Persönlichkeit Politiker, Reporter und Wirtschaftsfunktionäre spiegeln, hat nur oberflächlich satirische Aspekte. Ist er ein göttlicher Abgesandter, ein Gärtner, der nach den Menschen sieht? Meine Empfehlung ist, sich von ihm für zwei Stunden hypnotisieren zu lassen. Der therapeutische Effekt scheint mir beträchtlich. Und obwohl man ziemlich oft schmunzeln muß, gibt es für eine Komödie eigentlich zu wenig zu lachen. Daher wirkt die "Outtake"-Szene im Abspann auch eher unpassend. Also weniger eine Komödie denn ein leicht sentimentales Märchen.
Herausragend (9/10).
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