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Sonntag, 28. Dezember 2014

Klassiker auf Blu-ray #13: Gérard Depardieu in "Cyrano de Bergerac" (1990)

Lange bevor Gérard Depardieu sich zur Obelix-Karikatur entwickelte und mit russischen Oligarchen verbrüderte, galt er mal als ernsthafter Schauspieler. Sein internationaler Durchbruch und gleichzeitig der Höhepunkt seines Schaffens kam 1990, als Peter Weir ihn (und Mozarts wunderbares Klarinettenkonzert) dem amerikanischen Publikum in seiner charmanten romantischen Komödie Green Card präsentierte. Im gleichen Jahr war Depardieu für die Titelrolle in Jean-Paul Rappeneaus Verfilmung von Rostands Bühnenstück Cyrano de Bergerac für seinen einzigen Oscar nominiert (leider gewann Jeremy Irons). Und mit seiner einmaligen Mischung aus Feingeist, Verletzlichkeit und animalischer Lebenskraft war der damals 42jährige tatsächlich eine Idealbesetzung für den Fechtheld mit der großen Nase und dem noch größeren poetischen Herz.

Die Adaption dieser französischen Prestige-Produktion stammte vom profilierte Autor Jean-Claude Carrière (u.a. Zuarbeiter von Buñuel und Louis Malle) und modernisiert den aus dem Jahre 1897 stammenden Text nur behutsam - vor allem behielt sie die Versform bei. Das macht mehr Spaß, als man vermuten würde, so zum Beispiel beim ersten, unvergeßlichen Duell ("und beim letzten Verse stech' ich"). Der Film punktet aber auch mit opulenten Kostümen, Kulissen und nur leicht stilisierten Schlachtszenen, die die Theater-Herkunft des Materials fast vergessen machen. Getragen von der mitreißenden, mit dem BAFTA ausgezeichnete Musik von Jean-Claude Petit und immer wieder den vor Esprit sprühenden Versen, mündet das Spektakel nach zwei kurzweiligen Stunden in einer bewegenden Sterbeszene (sicher eine der längsten der Filmgeschichte) mit der Dichtung des eigenen Epitaphs (zitiert aus der Gutenberg-Ausgabe, die wahrscheinlich von der Film-Übersetzung abweicht):

Musiker und Reimedrechsler,
Physiker, Philosoph und Fechter,
Zungenfertiger Schlagwortwechsler,
Mondreisender ohne Sack und Pack,
Liebhaber auch   jedoch ein schlechter!  
Hier ruht und wartet des Jüngsten Gerichts
Cyrano Savinien Herkules von Bergerac,
Der alles gewesen und dennoch nichts.  

Der Stoff, aus dem Steve Martin drei Jahre zuvor (mit Daryl Hannah in der Titelrolle) mit Roxanne bereits eine sehr schöne, stark modernisierte Komödie geflochten hatte, ist einfach unverwüstlich. Jean-Paul Rappeneau rettete mit dieser Glanztat Frankreichs Ehre, auch wenn er bei insgesamt starker Konkurrenz bei den Oscars in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film (wie so oft) einem "wichtigen" Film unterlag (dem ansonsten sehr guten schweizerischen Beitrag Reise der Hoffnung). Komisch, tragisch, spannend, staunenswert, wenngleich manchmal etwas selbstverliebt, ist "Cyrano" für mich der schönste französische Film der 90er. Herausragend (9/10).

Die deutsche Blu-ray bietet ein ordentliches Bild im Originalformat mit deutschem und französischem Ton, leider nur mit (optionalen) deutschen Untertiteln.

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