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Samstag, 6. Februar 2016

Acht Ärgernisse: The Hateful Eight (1/10)

1. Tarantinos Ego

Tarantinos Ego ist inzwischen offenbar so aufgeblasen wie das verwendete spezielle 70mm-Bildformat, für das weltweit 50 Kinos für angeblich über 10 Millionen Dollar aufgerüstet wurden. Tatsächlich gibt es ein paar schöne Bilder, insbesondere tolle Kutschenfahrten im Schnee, aber ob das einen Oscar für die beste Kameraführung rechtfertigt? Gemessen an den Produktions- und Werbekosten ist der Western, den die Weinstein-Company prahlerisch als "Tarantinos achten Film" ankündigt, ein ziemlicher Flop. Ein wenig Schadenfreude kann ich nicht abstreiten.



2. Dünne Handlung

Die Handlung der Hasserfüllten Acht würde kaum für einen Kurzfilm ausreichen, geschweige denn für ein dreistündiges Epos. Wenige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg sucht ein Kopfgeldjäger (Kurt Russell) mit seiner Gefangenen in einem Blizzard Zuflucht in Minnies Haberdashery (ein Gasthaus und Kleinwarengeschäft, das wohl nur so heißt, weil dem Autor der Klang gefiel). Unter den Anwesenden vermutet er (zu recht) Verbündete der Todgeweihten, auf die immerhin 10.000 Dollar Kopfgeld ausgesetzt sind. Die möglichen Variationen sind begrenzt, genauso wie die Abfolge der Todesfälle (wie von Tarantino zu erwarten, gibt es am Ende nicht viele Überlebende). Epische Länge erfordert auch eine epische Geschichte!

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3. Schwache Dialoge

Tarantinos berühmte Dialoge haben immer noch ihren unverwechselbaren Rhythmus, strotzen hier aber vor Trivialitäten. Es wird ja gern behauptet, manche Stars könnten selbst das Telefonbuch vorlesen und dem noch Unterhaltungswert abtrotzen. Nun, hier kann man die Probe aufs Exempel machen: Wo sind die Kaffeebohnen? Was kosten die Lakritzstangen? Darf ich mich zu Ihnen setzen? Diskussionen über Cheeseburger und Fußmassagen darf man hier nicht erwarten. Der interessanteste Kniff ist noch ein angeblicher Brief von Abraham Lincoln an den schwarzen Bürgerkriegs-Leutnant. Bodenlos flach ist die in kurzer Rückblende erzählte Demütigung des Generalssohns.



4. Enttäuschende Musik

Die Musik des 87jährigen Ennio Morricone ist eine ziemliche Enttäuschung. Gefühlt höchstens über ein Drittel der Laufzeit eingesetzt, ist sie wenig melodisch und legt vor allem eine atemlos-spannende Stimmung über die malerischen, ansonsten aber inherent langweiligen Szenen. Angeblich nutzte der Meister teilweise verworfene Stücke für das (m.E. misslungene) Carpenter-Remake von Das Ding, übrigens ebenfalls mit Kurt Russell in der Hauptrolle. An sich wäre es schön, wenn Morricone nach seinem Ehrenpreis mal einen regulären Oscar gewinnen würde. Es ist schließlich schandhaft, daß ein John Williams fünf Statuen einheimsen konnte und der ihm künstlerisch sicherlich ebenbürtige Italiener noch nie ausgezeichnet wurde.


5. Flache Figuren

Für keine der zehn in der Haupthandlung auftauchenden Figuren konnte ich mich so recht erwärmen. Sie sind nicht nur verabscheungswürdige Individuen, sondern auch sehr eindimensional charakterisiert. Für mich wirkt es eher wie Faulheit des Regisseur, wenn seine Stars ihre bekannten Archetypen variieren und sich lediglich auf ihre naturgegebene Bühnenpräsenz verlassen. Insbesondere Kurt Russell, Samuel L. Jackson, Tim Roth und Bruce Dern glänzen in der eitlen Kunst der Selbstdarstellung. Am meisten hat mich noch der relative Tarantino-Neuling Walton Goggins überzeugt (in Django Unchained spielte er den Aufseher, der Django gegen Ende kastrieren möchte).



6. Oscar-Nominierung für die Beste weibliche Nebenrolle

Warum nun ausgerechnet Jennifer Jason Leigh mit einer Oscar-Nominierung belohnt wurde, erschließt sich mir nicht. Zwar hat sie die wenigsten Dialoge und daher eine vom Drehbuch wenig gestaltete Rolle, aber sie nutzt diesen Freiraum nur, um noch abscheulicher und widerwärtiger als ihre männlichen Kollegen daherzukommen. Ihre Figur ist allerdings eine Singularität in der Kinogeschichte, ein weiblicher Prügelknabe, fluchend und Galle spuckend, der von Szene zu Szene geschundener und häßlicher wirkt.



7. Langeweile

Wenn man sich schon mit den Figuren nicht identifizieren kann, ist es mit der Spannung schwierig. Die spannendsten Szenen aus Django Unchained (das Dinner beim Plantagenboss) und Inglorious Basterds (das Verhör im Blockhaus, die Kartenrunde im Keller) rührten aus Reibungen der Figuren her und waren für sich perfekte Miniaturthriller (übrigens jeweils mit Christoph Waltz im Mittelpunkt, an dessen Süffisanz Tim Roth hier nicht herankommt). Daher wirken die als spannend konzipierten Szenen, etwa um den vergifteten Kaffee, eher befremdend, und man wartet fatalistisch auf die Entladung der Stimmung, die dann wie vorhergesehen eher einer Verpuffung gleicht.



8. Das war nix

Langsam muß man akzeptieren, dass Tarantino die Fähigkeit verlorengegangen ist, aus Versatzstücken der Filmgeschichte neue Filmkunst zu schaffen. So hatte ich etwa an einem offensichtlichen Vorbild, King Hus Die Herberge zum Drachentor von 1967, genau den Spaß, den mir The Hateful Eight nicht bringen konnten. Hier kommt in der Summe viel weniger raus, als man vom beteiligten Talent hätte erwarten können. Ärgerlich (1/10).

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