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Mittwoch, 3. August 2016

Naives Abenteuer: Die Legende von Tarzan (4/10)

Warum ausgerechnet Tarzan?

Vielleicht hat irgendeine Studiomanagerin Alexander Skarsgards magnetischen Auftritt als Wikinger-Vampir Eric Northman in True Blood bewundert und nach einem passenden Vehikel für den beeindruckenden Oberkörper des US-Schweden gesucht (Alexander ist übrigens der Sohn von Stellan, dem spinnerten Wissenschaftler aus den Thor-Filmen). Leider bleibt vom Sex-Appeal des 39jährigen in diesem jugendfreien Abenteuer nicht viel übrig. Und als Tarzan kann er nicht mal fliegen ;-)



Warum gerade Tarzan?

Margot Robbie, seit ihrem Durchbruch in The Wolf of Wall Street ein gefragter Star, macht immer eine gute Figur. Sie kann auch mehr als hübsch aussehen, aber hier beeindruckt nur, wie wenig ihr Makeup in der afrikanischen Wildnis in Mitleidenschaft gezogen wird (erst gegen Ende verschmiert eine Träne die Schminke ein wenig). Heimlich hatte ich natürlich gehofft, dass Margot wie dereinst Maureen O'Sullivan (bzw. ihr Body-Double) beim Baden in freier Natur die Hüllen fallen lassen würde. Pustekuchen - Freigabe ab 12. Bleibt zu hoffen, dass die Trailer zum in drei Wochen anlaufenden Suicide Squad nicht zu viel versprechen ("We're the BAD guys! It's what we do...") - die ersten Kritikerstimmen sind leider nicht positiv...



Warum heute Tarzan?

1984 war es (zeitgemäß) eine Botschaft gegen Tierquälerei, mit der Hugh Hudson und Schreiberlegende Robert Towne im (ansonsten durchaus sehenswerten) Greystoke die Geschichte zu modernisieren versuchten - in der Hauptrolle "Highlander" Christopher Lambert, der fehlende Muskeln mit Persönlichkeit wettmachte. Diesmal kämpft Tarzan gegen Kolonialismus und Ausbeutung und befreit mal eben den kompletten Kongo aus den Fesseln des belgischen Königs. Platter geht's kaum. Empfehlung: die ersten Abenteuer mit Johnny Weissmueller aus den 30ern nochmal anschauen! Da ist die Naivität der Burroughs-Erzählungen noch mit Charme gepaart, und die politischen Missklänge sind verzeihbar.



Warum dieser Tarzan?

Immerhin sorgen Schurke Christoph Waltz und Sidekick Samuel L. Jackson (als historisch verbürgter Retter des Kongos) für unterhaltsame Augenblicke. Das überraschungsfreie Abenteuer ist ansonsten immerhin geradlinig erzählt, nur auf die Rückblenden hätte ich verzichten können. Während Regisseur David Yates aufgrund des tollen Stoffes bei Harry Potter 5-8 Kompetenz genügt hatte, wäre hier Vision gefragt gewesen.



Warum überhaupt Tarzan?

Jon Favreaus Dschungelbuch hat in diesem Jahr bereits vorgemacht, wie man in einem liebevoll gestalteten 3D-Dschungel Tiere mit Persönlichkeit agieren lassen kann. Die Legende von Tarzan ist genau das Gegenteil. Beliebige Landschaften, belanglose Massenszenen, banale Figuren aus Mensch- und Tierwelt bestimmen das Bild, das den Betrachter trotz bestimmt teurer Effekte zu keinem Moment in die nachträglich zu 3D konvertierte Welt eintauchen lässt. Gepflegte Langeweile zum Preis von 180 Millionen Dollar. Erträglich (4/10).

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