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Samstag, 6. August 2016

Spaßiges Femake: Ghostbusters (7/10)

In einer Zeit, in der man seine Lieblingsfilme fast in Kinoqualität zu Hause anschauen kann, muss sich die Neuverfilmung eines Kultfilms schon mit einem guten Twist rechtfertigen. Der Geschlechtertausch für dieses Femake der  Ghostbusters von 1984 ist ein solcher gelungener Twist, und das Ergebnis ist besser, als es ein dritter Teil mit der alten Besetzung je hätte werden können. Ich bin durchaus ein Fan des 1989 nachgeschobenen zweiten Teils, aber eine späte dritte Fortsetzung hätte mit ziemlicher Sicherheit die gleichen bleiernen Lähmungserscheinungen wie etwa Blues Brothers 2000 gezeigt (welches immerhin tolle Musik zu bieten hatte).



Hier spielen also gleich vier Komikerinnen auf, von denen ich zwei noch nicht kannte. Zum Glück versuchen sie nicht, die alten Haudegen aus dem Original zu kopieren, sondern schaffen vier neue Figuren, die auch überraschend gleichberechtigt rüberkommen. Die Chemie zwischen den Darstellerinnen könnte man vielleicht noch verbessern, aber für sich genommen bringt jede ihre Stärken ein. Hier sind vier nerdige, selbstbewusste Frauen, keine davon eine Sexbombe, keine auf der Suche nach dem Mann fürs Leben, alle schlagfertig und unabhängig. Kein Wunder, dass das bei den (männlich nerdigen) Kernnutzern des Internets Angstzustände und Panikreaktionen hervorrief. Was kommt als nächstes - die Big Bang Theory mit weiblichen Wissenschaftlern? Anderseits: Bis auf Penny sind in der BBT doch alle Frauen auch mehr oder weniger nerdig! Ein guter Kommentar zu diesem Shitstorm findet sich bei den Fünf Filmfreunden.



Der Star, der trotz der Hasskampagne im Vorfeld dann doch die Fans in die Kinos lockte, ist natürlich Melissa McCarthy. Sie spielt klugerweise ein wenig gegen den Strich gebürstet. Ihre Abby ist zwar schrullig, aber nie vulgär, auch wenn es ein wenig schade ist, dass sie durch die PG13-Freigabe ausgebremst wird und ihrem Mundwerk nicht wie im Überraschungshit des letzten Jahres freien Lauf lassen kann. In Melissas Durchbruch (und erster Zusammenarbeit mit Regisseur Paul Feig) Brautalarm hatte Co-Star Kristen Wiig die nominelle Hauptrolle als erste Brautjungfer. Ich persönlich kann sie nur in kleinen Dosen ertragen, als leicht verklemmte Physikerin Erin ist sie hier immerhin minimal nervig. Ihre Reaktionen auf den Rezeptionisten sind allerdings herrlich (wie der Trailer bereits versprach).



Leslie Jones wird als Quotenschwarze in den Credits natürlich erst als Vierte genannt, macht aber mit viel Energie das beste aus ihrer leicht klischeehaften Rolle. Ihre pfiffige Patty steht jedenfalls lange nicht so im Abseits wie dereinst Ernie Hudson, der damals allerdings die undankbare Aufgabe hatte, in letzter Minute für Eddy Murphy einzuspringen. Und dann ist da Kate McKinnon als Ingenieurin Jillian Holtzmann. Von ihr kamen bis zum Schluss die besten Überraschungen, von ihren in Rekordzeit zusammengeflickten Gadgets über ihre flotten Sprüche bis hin zu einigen lässigen Tanzschritten.



Der fünfte im Bunde ist Donnergott Chris Hemsworth persönlich. Auch hier wird die schräge Annie Potts nicht einfach ins Männliche transponiert, sondern durch eine Neuschöpfung ersetzt. Kevin ist ein wandelnder Blondinenwitz, und die Damen geben gern zu, dass sie ihn hauptsächlich zum Angucken eingestellt haben (gegen Ende hat er immerhin fast raus, wie das Telefon zu bedienen ist). Ich kann nicht verstehen, wie einige Kritiker das als hölzern beschreiben können. Der Australier stürzt sich mit Wonne (und herrlich breitem Akzent) in diese ungewohnte Rolle, auch wenn die um ihn gestrickten Gags nicht so präzise rüberkommen wie in den Trailern (die einer komplett anderen Logik folgen). Allein seine im Abspann gezeigte Tanzchoreographie ist das Eintrittsgeld wert.



In den Nebenrollen geben sich etliche bekannte Gesichter die Ehre, Fans von Saturday Night Live haben natürlich die Nase vorn. Da geben sich etwa "Tywin Lannister" Charles Dance als Autoritätsfigur (was sonst) und der Pate dritter Generation Andy Garcia als Bürgermeister die Ehre. Es gibt Blinzel-und-du-hast-es-verpasst-Cameos von Dan Aykroyd (als Taxifahrer, der nicht an Geister glaubt), Ernie Hudson (als Pattys Onkel), Annie Potts (sorry, hab ich übersehen) und dem Sohn des 2014 verstorbenen Harold Ramis. Bis auf Rick Moranis sind tatsächlich alle Helden von damals vertreten, Bill Murray (als Entlarver von Scharlatanen des Übernatürlichen) und Sigourney Weaver (in den Credits als Jillians Professorin) sogar ein wenig ausführlicher.



Leider sind im Remake zwar die Figuren eigenständig, die Handlung aber ist viel zu stark an die ollen Kamellen angelehnt, die schon in den 80ern nur einen allzu wackligen Rahmen für die Kapriolen der Darstellertruppe boten. Das Buch stammt übrigens von Regisseur Paul Feig und Katie Dippold (die für Melissa bereits das gar nicht üble Taffe Mädels geschrieben hatte). Die Effekte waren am Computer bestimmt einfacher zu erzeugen als in den 80ern; leider wurde hier das Budget bis zum Overkill ausgereizt. Dass am Ende eine ewig lange Zerstörungsorgie steht, kennen wir ja schon von jedem anderen Blockbuster. Immerhin gibt es diesmal ein paar nette 3D-Effekte, auch wenn die dritte Dimension ansonsten nicht notwendig für den Filmgenuss ist. Auch wenn das erhoffte Gagfeuerwerk nicht immer zündet und viele Szenen eher zum Schmunzeln geraten sind, kann man hier bei einem vorurteilslosen Besuch viel Spaß haben. Gut (7/10).

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