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Samstag, 29. Dezember 2012

Oscar-Nachlese: Bester fremdsprachiger Film 2011

Nachdem ich nun über verschiedene Quellen alle fünf nominierten Filme ansehen konnte, hier eine kurze Zusammenfassung. Die Kandidaten setzen den traurigen Trend fort. Der letzte herausragende Film in dieser Kategorie war "Abschied" von Yojiro Takita (Japan 2009). Vielleicht zeigt sich aber auch nur mein abstumpfendes Interesse am sogenannten Arthouse-Kino. Letztes Jahr sah es aber noch schlimmer aus, und im 2010 hatte ich einmal vor Widerwillen vorzeitig das Kino verlassen.

Bullhead (Michael R. Roskam, Belgien) - 3/10


Ein Krimi im Spannungsfeld zwischen Flamen und Wallonen. Für Deutsche schwer nachvollziehbar. Schlimmer allerdings die depressive Grundstimmung und die ins unerträgliche übersteigerte Hauptfigur.

Footnote (Joseph Cedar, Israel) - 4/10


Ein wohl autobiographisch gefärbter Vater-Sohn-Konflikt, wechselnd zwischen emotionslos und rührselig. Trotz präsenter Schauspieler sind die Charaktere schwach. Der akademische Hintergrund ist wenig erhellend.

In Darkness (Agnieszka Holland, Polen) - 5/10


Ein redundanter, düsterer, überlanger Holocaust-Film, beruhend auf dem Augenzeugenbericht einer Überlebenden. Der "Hitlerjunge Salomon" (1990) der Regisseurin hatte mir noch sehr gut gefallen, "In Darkness" fand ich nur ermüdend.

Nader und Simin - Eine Trennung (Asghar Farhadi, Iran) - 5/10


Aufgrund der großen Fanbasis des Gewinners kann ich mit allem, was ich hier niederschreibe, nur verlieren. Nun denn...

Wenn das ein Deutschaufsatz wäre, würde ich drunterschreiben: "Thema verfehlt!". Die Trennung ist kaum Auslöser und nie Gegenstand des Films. Wir erfahren allerdings einiges über das Leben im Schatten der Religionswächter, wo Bildung und Aberglaube, Moderne und Traditionen im Alltag brüchige Kompromisse eingehen. Athmosphärisch ist die Unsicherheit in einem Willkürstaat gut eingefangen. Leider sind die Figuren kaum interessant dargestellt, besonders die Frauen wirken zweidimensional.

Monsieur Lazhar (Philippe Falardeau, Kanada) - 7/10


Ein kleines, intimes Porträt eines traumatisierten Einwanderers, der auf eine gleichfalls traumatisierte Schulklasse trifft. Überzeugend und berührend gespielt, auch von den jungen Laiendarstellern. Leider wird die Welt außerhalb der Schule nur sporadisch interessant präsentiert.

Fazit


Ohne politische Erwägungen heranzuziehen, wäre "Monsieur Lazhar" ein würdiger Gewinner gewesen. Aber seit langem geschieht ja die Vergabe dieses Oscars mehr aus Proporzüberlegungen. Und Kanada war erst 2004 mit "Invasion der Barbaren" dran (und das war bei der dritten Nominierung des Regisseurs seine schwächste Leistung). Nun ja, Schlimmeres ist mit Susanne Bier passiert, die nach zwei guten Einreichungen letztes Jahr mit dem drögen "In einer besseren Welt" gewann, das mir nun gar nicht gefallen hat.

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