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Freitag, 3. Januar 2020

Jahresrückblick 2019

Und ich sah: Und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist Disney; und Disney+ folgte ihm. Und ihnen wurde Macht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu verdummen mit Sequels und Remakes und Prequels und durch die größte Menge an Merchandising-Artikeln aller Studios.

Ein Freund hat mir vor vielen Jahren mal ein musikalisches Duo empfohlen mit den Worten „Die klingen wie Simon & Garfunkel“. Sie schrieben zwar keine unvergänglichen Melodien, erfanden keine pfiffigen Gitarrenriffs, keine genialen Gesangsarrangements oder kluge Texte, aber sie klangen halt "ähnlich". Es ist typisch menschlich, dass wir mehr von dem wollen, was wir lieben. Aber schätzen wir Kunstwerke nicht gerade deshalb, weil sie einmalig sind, weder wiederhol- noch kopierbar? Selbst der Zauber der Mona Lisa hat inzwischen gelitten an all den vorhandenen Variationen, so witzig sie auch sein mögen. Gleiches gilt auch für Filme: Remakes, Fortsetzungen, Prequels verwässern eher die Kraft des Originals, verleiden es uns im schlimmsten Fall sogar. Ob Fluch der Karibik, The Matrix, Men in Black - was haben uns die Fortsetzungen gebracht? Aber trotzdem strömen wir wie die Lemminge in die Kinos...

Was mich zurück zu Disney bringt, welches sieben der zehn Top-Filme an den Kinokassen 2019 verbuchen konnte (zuzüglich eines Anteils an Sonys Spider Man: Far From Home); die beiden weiteren Kassenhits Joker und Es, Kapitel 2 kamen von Warner. Mit der Übernahme von 20th Century Fox gehören jetzt u.a. auch Avatar, die X-Men (inklusive Deadpool) und Der Marsianer zum Disney-Imperium. Lassen wir die Avengers-Reihe mal außen vor, die auch zehn Jahre nach der Akquise noch nicht vollkommen disneyfiziert ist, so gibt es aus den letzten 20 Jahren gerade mal zwei Originale vom Mickey-Mouse-Studio, auf die ich ungern verzichten wollte: Fluch der Karibik und Die fantastische Welt von Oz. Dazu eine Handvoll Pixar-Originale und vielleicht noch Jon Favreaus Neuinterpretation des Dschungelbuchs, gleichzeitig die einzige künstlerisch erfolgreiche der durch diesen Fleischwolf gedrehten "Properties". In diesem Jahr gab es gleich drei weitere dieser zynischen Produkte: Dumbo, Aladin und Der König der Löwen (welches das schauderhafte Original noch untertroffen haben soll). Angeschaut habe ich mir die bislang alle nicht. Meine Strategie ist ganz einfach: Ab April werde ich den neuen Streamingservice Disney+ buchen (für voraussichtlich 70 Euro pro Jahr). Ich habe bereits alle Disney-Medien (abgesehen von den Avengers) abgestoßen und werde auch auf weitere Käufe verzichten. Damit macht Disney bei mir unterm Strich ein dickes Minus.

Damit habe ich dann Netflix, Disney+ und Amazon Prime abonniert (wobei Prime ja ein Gemischtwarenladen der erschreckend marktbeherrschenden Online-Krake ist). Zu mehr reichen weder Zeit noch Nerven. Prime Video hatte uns übrigens zeitweise penetrante Werbespots für Eigenproduktionen aufgedrückt, sogar beim Binge-Watching zwischen den Episoden! Dieser Unfug wurde inzwischen wohl wieder eingestellt, aber ich erwarte jeden Moment die Mainzelmännchen zurück. Eine Lachnummer ist Apple TV+, das selbst für fünf Euro im Monat noch maßlos überteuert ist. Und dann gibt es noch die Splitteranbieter, was in diesem Fall eher verbraucherfeindlich ist. So gibt es den Oscar-nominierten Trickfilm Mirai nur bei einem Spezialanbieter für Anime, und Wonder Boys, einen meiner Lieblingsfilme aus den 0er Jahren, in HD und OV nur bei maxdome. Aber wer wird Filme bei Anbietern kaufen, deren Existenz jetzt schon gefährdet ist? Prüfen kann man die Verfügbarkeit übrigens über verschiedene Portale, so etwa Wer streamt es?

Kinojahr


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Vom aktuellen Kino erwarte ich nicht mehr viel. Immer mehr muss man die schönen Momente in mittelmäßigen Filmen genießen. Der Rekordfilm des Jahres hat sicherlich mehr Männer zum Weinen gebracht als je zuvor, war aber trotzdem aus meiner Sicht nur durchwachsen:
I love you 3000.
On your left!
I am Iron Man!
Außerdem fallen mir noch ein: Sarah Connors "I'll be back", Kumail Nanjianis Pawny (treuer Bauer seiner Königin Tessa Thompson), der Balztanz von Rachel Weisz und Nicholas Hoult, Woody Harrelsons Zombie Kill of the Year, Brad Pitt, wie er im blauen Volkswagen Karmann Ghia durch Hollywood düst, das Tänzchen von Sharon Tate (Margot Robbie), Cass und Michelle im Playboy Mansion, und natürlich Emilia Clarke, wie sie Last Christmas singt.

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Von den 76 aktuellen Filmen aus 2019 habe ich immerhin 20 in einem Kinosaal erlebt. Einen vollständigen Blick habe ich dadurch natürlich nicht, selbst für Scorseses monumentales Netflix-Werk The Irishman habe ich noch keine Zeit gefunden. Immerhin kommt eine Top10 aus zwei herausragenden und acht weiteren sehr guten Filmen zustande:
  1. BlacKkKlansman (Spike Lee)
  2. Vice (Adam McKay)
  3. The Favourite (Yorgos Lanthimos)
  4. Spider-Man: Far From Home (Jon Watts)
  5. Leid und Herrlichkeit (Pedro Almodóvar)
    Pedros schönster Film seit zehn Jahren, mit einem überragenden Antonio Banderas in der Hauptrolle.
  6. Green Book (Peter Farrelly)
  7. Zombieland 2 (Ruben Fleischer)
  8. Stan & Ollie (Jon S. Baird)
  9. Bird Box (Susanne Bier)
  10. Last Christmas (Paul Feig)

Weitere gute Filme (7/10):

  • Avengers: Endgame (die Russos)
  • Beale Street (Barry Jenkins)
    Schwarzes Theater
  • Captain Marvel (Anna Boden & Ryan Fleck)
  • Colette (Wash Westmoreland)
    Keira Knightley als Künstlerin, die sich in einer Männerwelt durchsetzen muss, hat mir weitaus besser gefallen als etwa die Oscar-nominierte Glenn Close in Die Frau des Nobelpreisträgers oder Elle Fanning in Mary Shelley.
  • Juliet, Naked (Jesse Peretz)
    Kein großer Wurf, aber eine schöne Verfilmung von Nick Hornbys bestem Roman seit zehn Jahren. Ethan Hawke als altersmilder Rockstar ist grandios.
  • Killer's Bodyguard (Patrick Hughes)
    Traumpaar Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson
  • Nur ein kleiner Gefallen (Paul Feig)
    Paul Feigs Dreiecksgeschichte mit Anna Kendrick, Blake Lively und Henry Golding schwächelt tonal, macht aber trotzdem Spaß.
  • Once Upon a Time ... in Hollywood (Quentin Tarantino)
  • Sorry to Bother You (Boots Riley)
    Dieser kleine Hugo-nominierte SF-Film ist in Deutschland gar nicht ins Kino gekommen (momentan bei Amazon Prime streambar). Gegen Ende schlägt die Satire leider über die Stränge.
  • Terminator 6: Dark Fate (Tim Miller)
  • The Bachelors (Kurt Voelker)
    Leise, behutsame Komödie mit dramatischen Untertönen. Welch wunderbare Idee, J.K. Simmons und Julie Delpy zusammenzubringen!
  • Wunder (Stephen Chbosky)
    Schöner Kitsch mit Julia Roberts und Jacob Tremblay (Room).

Ärgernisse (1/10):

  • Joker (Todd Phillips)
  • Feinde - Hostiles (Scott Cooper)
    Ein grauenhaft chargierender Christian Bale in einem schlimmen Western
  • The Death of Stalin (Armando Iannucci)
    Bin ohnehin kein Fan von Iannucci (Veep), aber hier hätte doch irgend jemand der hochkarätigen Beteiligten merken müssen, dass das Konzept nicht funktioniert!

Weitere Schlusslichter (2/10)

  • Brightburn (David Yarovesky)
    Eine gute Idee (Anti-Superman) macht noch keinen guten Film. Da hätte ich selbst ein besseres Drehbuch draus machen können. Mein Ausgangspunkt: Die Kents zu unfähigen/missbrauchenden Eltern machen!
  • Eighth Grade (Bo Burnham)
    Mit dieser preisgekrönten Pennälergeschichte konnte ich überhaupt nichts anfangen.
  • Greta (Neil Jordan)
    Isabelle Huppert mag ich ohnehin nicht, und Neil Jordan (The Crying Game) fällt nix mehr ein.
  • Widows (Steve McQueen)
    Qualvolle Frauenpower

Ehrlose Erwähnungen (3/10):


Ausblick




Ich gehöre inzwischen nicht mehr zu den Menschen, die atemlos auf die nächsten Hollywood-Wunder warten. Listen wie "50 Filme, die Ihr 2020 nicht verpassen dürft" lösen bei mir nur noch ein Schmunzeln aus. Aber auf ein paar Highlights bin ich doch gespannt. Am wenigsten Erwartungen habe ich noch beim 25. offiziellen Bond No Time To Die.  Die Craig-Ära war für mich Hit & Miss. Richtig überzeugt hat mich nur sein Debut Casino Royale (2006). Der neue Film soll direkt an Spectre (2015) anschließen, nicht unbedingt eine Empfehlung. Und dann gibt es noch einen weiteren 25. Film, nämlich im November: The Eternals aus der Avengers-Reihe. Durchaus möglich, dass Kevin Feige hier auf seinen ersten Flop hinsteuert. Bis dahin gibt's übrigens erstmal das Black-Widow-Prequel (Ende April). Marvel hat inzwischen ähnlich wie 007 einen grenzwertigen Level von Selbstreferenzierung erreicht. Das kann einem gelegentlich das Filmerlebnis versauern (wie zuletzt bei Spider Man: Far From Home), ist allerdings auch für herrliche Scherze gut. So legt Happy (Jon Favreau) im Jet als Hommage an Iron Man eine AC/DC-Scheibe auf, die von unserem Gen-Z-Spidey kommentiert wird mit "Oh, ich liebe Led Zeppelin!".



Nachrufe


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Bruno Ganz war einer der großen, international anerkannten deutschsprachigen Schauspieler. Seine berühmte Darstellung Hitlers war mutig, auch wenn ich Der Untergang nicht besonders schätze. Für mich bleibt er immer mein Lieblingsengel aus Der Himmel über Berlin.

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Stanley Donens Spezialität waren Musicals, er war ausgebildeter Tänzer. Mit Singin' in the Rain schuf er gemeinsam mit Gene Kelly das schönste des Jahrhunderts. In Royal Wedding ließ er Fred Astaire an der Decke seines Hotelzimmers tanzen. Mit Audrey Hepburn drehte er nach Funny Face auch noch das für immer spaßige Charade ("How do you shave in there?" macht sie sich über das Kinn-Grübchen des 25 Jahre älteren Cary Grant lustig) und die melodramatische Romanze Zwei auf gleichem Weg. Donen wurde 94.

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Rutger Hauer war bereits eine Ikone des jungen niederländischen Kinos der 70er, als Ridley Scott ihn als Gegenspieler von Harrison Fords Decker in Blade Runner besetzte. Ein Teil des berühmten Schlussmonologs stammt von ihm selbst, was man allein schon am Grammatikfehler erkennen kann (es müsste "in the rain" heißen). All these moments will be lost in time - like tears in rain. Ein paar Jahre später glänzte er in einer seltenen Hauptrolle in Ladyhawke. Zuletzt war er in Luc Bessons missglückter Valerian-Verfilmung zu sehen.

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Danny Aiello war bei seinem Kinodebut schon 40, doch gleich sein zweiter Credit war für Der Pate, Teil 2. Er hatte kleine Rollen in vielen weiteren großen Filmen, so in Es war einmal in Amerika, Mondsüchtig und (Oscar-nominiert) als Pizzeria-Inhaber in Do the Right Thing. Mir wird er immer im Gedächtnis bleiben als Vermittler und "Bank" des Auftragskillers, in Leon der Profi.



Vonda McIntyre war 1979 nach Ursula LeGuin und Kate Wilhelm die dritte Frau, die einen Hugo für den besten Roman gewann, für Dreamsnake. Abgesehen von diesem schönen Höhepunkt war ihr Output eher sporadisch, darunter Auftragsarbeiten zur Novellisierung einiger Star-Trek-Filme. McIntyre starb am 1. April mit 70 Jahren.

Bildergebnis für cinestar original sony center

Nach zwanzig Jahren schloss zum 31. Dezember das Cinestar Original im Berliner Sony-Center, das in acht Sälen (plus einem Imax-Theater) meist englische Originalfassungen zeigte. 416 Vorstellungen habe ich dort erlebt (nur fünf davon im Imax - nicht mein bevorzugtes Format). Die erste war 2002 Good Advice, die letzte vor einigen Wochen Last Christmas. Es war eine Berliner Institution, in der man auch außerhalb der extravaganten Premieren oft Prominente sichten konnte, etwa Tom Tykwer. Die Besucherzahlen waren gut, aber offenbar hat der Vermieter Ideen, wie er noch mehr Geld aus dem Objekt herausschlagen kann. Viel Glück bei der Umwidmung der Kellerräume!

Mittwoch, 2. Januar 2019

Jahresrückblick 2018

2018 war das Jahr, in dem weltweit die Streamingumsätze die der Lichtspielhäuser überschritten. Nach der Musikbranche muss nun auch die Filmindustrie umdenken. Das hat für die Verbraucher zunächst einige ärgerliche Folgen. So versiegt trotz des Siegeszugs von 4K-Fernsehern mit großen Diagonalen die Veröffentlichung von UHD-Medien, vor allem klassischer Filme. Insbesondere Disney sitzt auf seinem Riesenschatz filmhistorischer Perlen wie ein eifersüchtiger Drache auf seinen Goldmünzen. Das ist natürlich Kalkül für den geplanten Start eines eigenen Streamingservice. Aber wenn ein Studio Filme in Topqualität (Dolby Atmos/Dolby Vision) bei iTunes verkauft, die zugehörigen UHD-Blu-rays aber (wenn überhaupt) mit minderwertigen Codecs zu überhöhten Preisen auf den Markt bringt, verbrennt dieses Vorgehen schnell auch die Fangemeinde. Und übrigens Disney: Der marktführende Drache hat aus fadenscheinigen Gründen den liebenswerten James Gunn geschasst (so dass die Zukunft der Guardians noch unsicher ist). Wie man auch am verhinderten Oscar-Moderator Kevin Hart sieht, kann man offenbar Komikern nicht mehr trauen. Am besten alle an die Wand stellen!

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Zum Glück gibt es auch Ausnahmen bei den Studios. Vor allem Warner hat sich um das neue Format verdient gemacht, mit Top-Veröffentlichungen aller acht Harry-Potter-Filme etwa (aber wo bleibt der Herr der Ringe?), und insbesondere mit der Jubliäumsausgabe von Kubricks 2001 - Odyssee im Weltall, deren neue 8K-Abtastung auf moderner Hardware auch nach 50 Jahren atemberaubend aussieht (wobei ich vermute, dass ein 8K-Fernseher hier nur marginale Verbesserungen bringen könnte). Universal hingegen hat die 4K-Abtastung von Spartacus bislang nur als schnöde Blu-ray herausgebracht. Und was ist mit Lawrence von Arabien? Hier müssen wir hoffentlich nicht noch drei Jahre bis zum 60jährigen Jubiläum warten?

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Jubiläen gab es auch bei einigen klassischen Musikalben. Glanzpunkt des Jahres war hier unumstritten das ebenfalls 50 Jahre alte Weisse Album der Beatles, nun genial in Surroundsound neugemischt, ohne das Original dadurch zu verfälschen. Jetzt müssen wir nochmals ein Jahr auf Abbey Road warten... Weitere Höhepunkte: Heavy Horses von Jethro Tull (40 Jahre) und Electric Ladyland (50 Jahre) von Jimi Hendrix.

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Leider schielen auch die bestehenden Streaminganbieter zunehmend auf den Kommerz. Es tut weh, dass ein wunderbares Nischenprodukt wie Mozart in the Jungle nun von Amazon eingestellt wurde. Netflix hat dem SF-Epos Sense8 immerhin ein fulminantes Finale finanziert (Amor Vincit Omnia). Dafür bekommen wir nun haufenweise Albernheiten von Will Ferrell und Adam Sandler. Was die Eigenproduktionen anbelangt, hat Netflix so schnell wie kein anderes Studio die übliche Corporate Stupidity erreicht. So hat man nach Meinungsverschiedenheiten über die Fortsetzung des Megahits Bright den Autor Max Landis gefeuert und sich auf die Seite des Regisseurs David Ayer gestellt, nicht gerade eine helle Entscheidung. Und bislang konnte mich auch keine der weiteren Eigenproduktionen überzeugen, trotz Emma Stone auch nicht die vieldiskutierte Miniserie Maniac.

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Zurück zum Kino: Während in den USA Black Panther und die Avengers irrsinnig durchgestartet sind, gaben sich die deutschen Zuschauer mit Mittelmäßigkeit zufrieden. Während früher der Herr der Ringe oder Harry Potter schon mal die Zehnmillionenmarke überschritten, reichten den Avengers dieses Jahr schon gut 3 Millionen verkaufter Karten für Platz 1 an den Kinokassen. Noch peinlicher: Auf den weiteren Plätzen folgen mit "Phantastische Tierwesen 2", "Fifty Shades of Grey 3", "Hotel Transsilvanien 3", Jurassic World 2, Deadpool 2, Mamma Mia! 2 und "Die Unglaublichen 2" lauter (meist maue) Fortsetzungen, vor dem ersten (leider auch nicht tollen) Original "Bohemian Rhapsody" und auf Platz 10 dem ersten deutschen Film, "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". Schlimm auch: Vor dem Actionkracher des Jahres, Mission Impossible 6, konnten sich sogar die Megagurken "Venom" und Solo platzieren. Weltweit in den Milliardenclub aufgestiegen sind übrigens nur Avengers: Infinity War, Black Panther, Jurassic World: Fallen Kingdom und "Die Unglaublichen 2", wobei Aquaman wohl noch eine Anschlusschance hat (und damit DCs erfolgreichster Titel ist!)

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Mit 19 Besuchen 2018 zähle ich zwar immer noch zu den treuesten Kinokunden, das ist aber kein Vergleich etwa zu den 85 gekauften Karten von 2004. Meine Jahreswertung speist sich nun aus allen 80 im vergangenen Jahr gesehenen Filme der Jahre 2017 und 2018, ob im Kino, auf Blu-ray oder gestreamt.

Herausragend (9/10)



Sehr gut (8/10)

  • Black Panther (Ryan Coogler)
  • Die Taschendiebin (Chan-wook Park)
    Ungewöhnliche, überraschende Erzählstrukturen kommen bei IMDB-Nutzern gut an (Score: 8,1/10). Dieser südkoreanische Film bietet aber Spannung und Herz, eher ungewöhnlich für den Regisseur von Gewaltorgien wie Old Boy und Lady Vengeance. Die gleiche Liebesgeschichte wird dreimal aus sehr subjektiven Perspektiven erzählt, und jedesmal fügen sich die Puzzle-Teile sehr unterschiedlich zusammen, bis es dann zu einem schönen Happy-End kommt.
  • Bad Times at the El Royale (Drew Goddard)
  • A Star is Born (Bradley Cooper)
  • Deadpool 2 (David Leitch)
  • Borg McEnroe (Janus Metz)
  • Bright (David Ayer)
  • Coco (Lee Unkrich, Adrian Molina)
    Endlich mal wieder ein überzeugendes Original von Pixar. Vielleicht nicht ganz auf gleichem Niveau wie andere sehr gute Klassiker (Monster AG, Findet Nemo, Wall-E), aber für mich Pixars bester Film seit zehn Jahren.
  • I, Tonya (Craig Gillespie)
  • Körper und Seele (Ildikó Enyedi)
    Unsentimental erzählte Liebesgeschichte zwischen einem 65jährigen, körperlich versehrten Mann und einer 30jährigen Autistin. Beide arbeiten in einem Schlachthof (und wer die dokumentarischen Bilder nicht vertragen kann, verliert auch das Recht auf ein gutes Steak), und nachts träumen sie von winterlichen Begegnungen als Hirsche. Mal eine gute Wahl für den Goldenen Bären, ungewöhnlich inszeniert von einer ungarischen Regisseurin.
  • Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (Dennis Gansel)
    In einer besseren Welt wäre das ein Knüller geworden. So ist diese Neuverfilmung des genialen Kinderbuchs von Michael Ende mit 1,8 Millionen Zuschauern immerhin der erfolgreichste deutsche Film des (schlappen) Kinojahres. Warum musste sie zu Ostern in Konkurrenz zu Peter Hase laufen? Für Nostalgiker kommt sie natürlich nicht an die charmante Fassung der Augsburger Puppenkiste heran, aber trotz der episodischen Struktur macht die Abenteuerreise von Jim und Lukas auf Emma, der Lokomotive, einen Riesenspaß (nicht nur einen Scheinriesenspaß - äh, na ja). Wohlausgesuchte Darsteller, versponnene computergenerierte Kulissen, schöne Musik, ein paar Filmzitate für Erwachsene - was will man mehr? Einzig der Liedtext war den Machern wohl zu altmodisch (oder die Puppenkiste wollte ihn nicht hergeben). Und jetzt alle:

    Ei---ne Insel mit zwei Bergen
    Und dem tiefen, weiten Meer
    Mit vier Tunnels und Geleisen
    Und dem Eisenbahnverkehr
    Nun, wie mag die Insel heißen?
    Ringsherum ist schöner Strand
    Jeder sollte einmal reisen
    In das schöne Lummerland

 Gut (7/10)

  • Ant-Man and the Wasp (Peyton Reed)
  • Aquaman (James Wan)
  • Avengers: Infinity War (die Russo-Brüder)
  • Battle of the Sexes (Valerie Faris & Jonathan Dayton)
  • Call Me By Your Name (Luca Guadagnino)
    Irgendwie hat mich diese Liebesgeschichte vor den herrlichen lombardischen Landschaften nicht so recht gepackt. Vielleicht verstehe ich die Menschen nicht gut genug - in der ersten Hälfte gibt es keinerlei Indiz, dass Oliver und Elio die Erwiderung der Gefühle des Gegenübers erkennen, und plötzlich fallen sie übereinander her, als gäbe es kein Morgen? Na ja, trotz ein paar peinlicher Situationen ist es eine schöne Geschichte, und Adapteur James Ivory, der im Juni stolze 90 Jahre alt geworden ist, sei die Krönung dieses Ehrenjahrs mit einem Oscar mehr als gegönnt (unvorstellbar, dass er bis dahin weder einen Oscar noch einen Golden Globe gewonnen hatte). Ivory ist ja zeit seines Lebens gegen den Strom geschwommen, hat aber mit seinem (Lebens-)Partner Ismail Merchant (1936-2005) und in Zusammenarbeit mit Autorin Ruth Prawer Jhabvala (1927-2013) den Filmolymp immer wieder mit prächtig ausgestatteten, tief empfundenen Meisterwerken bereichert. Meine Lieblinge: Zimmer mit Aussicht (1986), Howards End (1992), Was vom Tage übrig blieb (1993).
  • Der Wein und der Wind (Cédric Klapisch)
    Unaufgeregte Familiengeschichte, ruhig erzählt über vier Jahreszeiten. Attraktive Schauspieler und schöne Landschaften, dazu halbdokumentarische Informationen über den Weinanbau im Burgund.
  • Dunkirk (Christopher Nolan)
  • Jumanji - Willkommen im Dschungel (Jake Kasdan)
    The Rock + Kevin Hart + Jack Black + Karen "Nebula" Gillan + Bobby Cannavale = bestes Popcorn-Kino. Annehmbare Alternative: Rampage (5/10).
  • Little Sister (Zach Clark)
    Nicht zu verwechseln mit Sister Act. Addison Timlin spielt eine Nonne mit Goth-Vergangenheit. Ich mag die Kleine (1,55m) einfach. Verfügbar auf Netflix.
  • Mamma Mia! Here We Go Again (Ol Parker)
  • Mission Impossible: Fallout (Christopher McQuarrie)
  • Ocean's Eight (Gary Ross)
  • Professor Marston and the Wonder Women (Angela Robinson)
    Hübsche, gut gespielte Dreiecksgeschichte der anderen Art.
  • Ready Player One (Steven Spielberg)
    Bunt und unterhaltsam - vielleicht folgt noch irgendwann eine längere Kritik.
  • The Florida Project (Sean Baker)
  • Tully (Jason Reitman)
    Von Jason Reitman lasse ich mich schon lange nicht mehr enttäuschen. Das Drama um eine Mutter mit postnataler Depression ist trotz glänzend aufgelegter Darsteller (Charlize Theron, Mackenzie Davis) und Diablo Codys bestem Script seit Juno erneut nicht massentauglich.

Enttäuschungen

  • Auslöschung (Alex Garland, 6/10)
    Das Netflix-Ereignis mit Natalie Portman hat mich noch weniger als das Buch überzeugt.
  • Predator: Upgrade (Shane Black, 6/10)
  • The Ballad of Buster Scruggs (Joel & Ethan Coen via Netflix, 6/10)
    Erste Episode mit Tim Blake Nelson: Herrlich - 9/10
    Zweite Episode mit James Franco: bester Kalauer des Jahres - 8/10
    Dritte Episode mit Liam Neeson: deprimierend/merkwürdig - 4/10
    Vierte Episode mit Tom Waits: spaßig (7/10)
    Fünfte Episode mit Zoe Kazan: überlang, eintönig (5/10)
    Sechste Episode mit Brendan Gleeson: schwach (3/10)
  • Bad Moms 2 (5/10)
    Überhastet konzipierte, unnötige Fortsetzung.
  • Red Sparrow (Francis Lawrence, 5/10)
    Manche nackten Tatsachen sollte man wohl besser der Fantasie überlassen. Ein Karrieretief für Jennifer Lawrence.
  • Bohemian Rhapsody (5/10)
    Getragen nur von der tollen Musik und der chamäleonartigen Darstellung von Rami Malek. Ausführliche Kritik folgt vielleicht noch.
  • Mord im Orient-Express (Kenneth Branagh, 5/10)
    Tolle Bilder, schöne Darsteller, aber im Ergebnis weniger als die Summe der Teile. Tip: Besser das Original anschauen!
  • Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen (5/10)
    Unbeholfen strukturiert, überladen. Das eigentliche Verbrechen: dass die Paarung von Muggle Kowalski und der spinnerten Queenie derart im Nebel verlorengeht!
  • Ataris Reise ("Isle of Dogs", Wes Anderson, 3/10)
    Ein Höhepunkt des Stop-Motion-Films, ein Tiefpunkt des Geschichtenerzählens.

Egal (Auswahl)

  • A Quiet Place (John Krasinski, 6/10)
    Der überraschende "Horror"-Hit mit Emily Blunt fing gut an, hatte dann aber zu viele Logiklöcher.
  • Tomb Raider (Roar Uthaug, 6/10)
    Alicia Vikander ist eine tolle Lara Croft, eine Heldin, die blutet und leidet, aber sich immer wieder aufrappelt. Wenn doch das Script der Hauptdarstellerin angemessen gewesen wäre!
  • Logan Lucky (Steven Soderbergh, 4/10)
    Me unlucky.
  • Alles Geld der Welt (Ridley Scott, 4/10)
    Auch Kevin Spacey hätte diese konfuse biographische Geschichte um die Entführung von Milliardärsenkel Getty nicht retten können.
  • Atomic Blonde (David Leitch, 3/10)
    So sehr ich Charlize Theron mag, so übel ist mir diese Actiongurke aufgestoßen.
  • Roman J. Israel, Esq. (Dan Gilroy, 3/10)
    So langatmig und wichtig, dass ich das Denzel-Washington-Vehikel nicht mal zu Ende schauen konnte.

Ärgernis des Jahres

  • Venom (Ruben Fleischer, 2/10)

Nachrufe

  • Ursula K. Le Guin war nicht nur die First Lady der Science Fiction, sondern eine der wichtigsten Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Ihre Erdsee-Romane (nominell für Jugendliche gedacht) sind Fantasy-Klassiker, ihre Hugo-Gewinner "Die linke Hand der Dunkelheit" (1969) und "Planet der Habenichtse" (1974) beeinflussten Generationen. Die Kalifornierin starb 88jährig bereits im Januar.

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  • Kurz darauf verstarb auch die 89jährige Kate Wilhelm, nach Le Guin die zweite Frau, die einen Hugo für den besten Roman gewann ("Hier sangen früher Vögel", 1976).
  • William Goldman war einer der ersten Drehbuchautoren, die von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Seine Oscars gewann er für Butch Cassidy and the Sundance Kid ("Zwei Banditen", 1969) sowie Die Unbestechlichen (1976, 9/10), aber Unsterblichkeit sichert ihm die warmherzige Abenteuerpersiflage Die Braut des Prinzen (1987), für die er seinen eigenen fabelhaften Roman adaptierte, congenial von Rob Reiner inszeniert. Die popkulturelle Relevanz des Films wurde jüngst noch unterstrichen durch die inoffizielle Fortsetzung Once Upon a Deadpool. Goldman hat neben Romanen und Drehbüchern auch kluge Hintergrundberichte geschrieben, etwa Das Hollywood-Geschäft. Er starb 87jährig im November.
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  • Der Tscheche Milos Forman drehte nur ein Dutzend Filme, gewann dafür aber allein zwei Regieoscars, nämlich für die überwältigenden Meisterwerke Einer flog übers Kuckucksnest und Amadeus. Mit seinen drei in der Heimat entstandenen Filmen konnte ich nicht so viel anfangen (ganz nett: Die Liebe einer Blondine), aber unter seinen Exilfilmen sind nur wenige Nieten, dafür weitere sehenswerte Werke: Taking Off, Hair, Larry Flynt, Der Mondmann (ich warte immer noch auf die Blu-ray-Veröffentlichung dieser wunderbaren Andy-Kaufman-Biographie). Forman starb im April mit 86 Jahren.
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Montag, 1. Januar 2018

Jahresrückblick 2017

2017 war das Jahr der verlorenen Illusionen. Den Jubel über die #MeToo-Debatte halte ich allerdings für übertrieben. An den Machtverhältnissen ändert sich so schnell nichts - es gab nur ein paar Kratzer im Lack. Die Besetzungscouch ist nicht abgeschafft, sie wird nur ins Hinterzimmer gerückt. Wurden wirklich die schlimmsten Übeltäter gebrandmarkt oder nur die tolldreisten, jene mit der schlimmsten Publicity-Wirkung? Besonders schade, dass mit Jeffrey Tambor (Transparent) ausgerechnet ein Vorreiter für Toleranz als Heuchler entlarvt wurde. Noch mehr hat mich persönlich getroffen, dass beim Vorzeige-Studio Pixar, mit seinem fleissig beschworenen alternativen Arbeitsethos, der Chef John Lasseter offenbar jahrelang willkürlich Kolleginnen begrapscht und abgeknutscht hat. Inmitten dieser Debatte fast untergegangen ist die Meldung, dass sich Kai Whedon von ihrem Mann getrennt hat - der Feminismusvorreiter Joss hatte wohl ein paar Affären zu viel. Da ist ihm der Erfolg ins falsche Körperteil gestiegen, offenbar schon seit den Zeiten von Buffy. Hoffentlich ist das nicht die Erklärung, warum er so lange an Charisma Carpenter festgehalten hat - meine Vermutung wäre eine Liaison mit Eliza Dushku, aber das geht mich nun wirklich nichts an 😎

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Auch wenn ich mir einige wichtige Filme gespart habe - Baywatch, Fack ju Göhte 3, Fifty Shades Darker, Transformers Teil 5  - kann ich erneut nachdrücklich ein lausigen Kinojahr bezeugen. In die Säle bemüht habe ich mich ohnehin nur noch 29mal, ein Negativrekord, den ich 2018 noch unterbieten werde (ich werde mich auf die Comic-, Fantasy- und SF-Titel konzentrieren und den Rest ins Heimkino verlagern). Tatsächlich habe ich 2017 nur acht der 20 erfolgreichsten Filme in Deutschland gesehen. Gerettet haben mich einige solide Marvel-Beiträge und zwei wundervolle Frauen: Patty Jenkins und Gal Gadot. Hier meine TOP-Filme des Jahres:

Meisterwerk (10/10)

  • Wonder Woman (Patty Jenkins)
    In Deutschland nur auf Platz 38 der Zuschauerstatistik gelandet, war dies in den USA der meistbesuchte Film des Jahres. Lesenswert: die Kritik von Matt Zoller Seitz, Chefredakteur von RogerEbert.com: 60 Minutes on "Wonder Woman"

Herausragend (9/10)

Sehr gut (8/10)

Gut (7/10)

  • Fences (Denzel Washington)
  • Hidden Figures (Theodore Melfi)
  • Passengers (Morten Tyldum)
  • Aus dem Nichts (Fatih Akin)
    Unsere Hoffnung für den Oscar ("In the Fade" - hat wohl nur Außenseiterchancen) ist eigentlich eine einfach gestrickte Rachegeschichte mit Bezügen zu den NSU-Morden. Die geschickte Regie des Hamburgers (Tschick) und eine überwältigende Diane Kruger in der Hauptrolle machen dies jedoch allemal sehenswert. Wer hätte das von der Schönen Helena erwartet?
  • Bridget Jones' Baby (Sharon Maguire)
    Deutlich besser als die direkte Fortsetzung von 2004, wenn auch lange nicht so toll wie das Original. War nur in Großbritannien wirklich erfolgreich, so dass man wohl nicht von einem Comeback für Renée Zellweger sprechen kann. Chartwunder Ed Sheeran spielt sich übrigens (sehr überzeugend) selbst.
  • Ein ganzes halbes Jahr (Thea Sharrock)
    Ein charmantes Stück Kitsch mit Emilia Clarke als tölpelhafte Pflegerin eines jungen gelähmten Millionärs. Mother of Dragons!
  • In den Tiefen des Infernos (Werner Herzog)
    Mal wieder eine schöne Dokumentation des Altmeisters, wenngleich ohne die Sogwirkung seiner besten Werke. Quasi eine Fortsetzung seines 40 Jahre alten Kurzfilms La Soufrière - Warten auf eine unausweichliche Katastrophe.
  • Vaiana (Ron Clements)
    Der einzige der fünf Oscar-nominierten Trickfilme, der mir wirklich Spaß gemacht hat

 

Der schäbige Rest


Unter den prominenten Flops des Jahres finden sich neben den üblichen Verdächtigen - Alien: Covenant, Die Mumie, Ghost in the Shell (5/10) - auch die US-chinesische Koproduktion The Great Wall und die europäische Extravaganz Valerian. Besonders Erwähnungen:
  • King Arthur: Legend of the Sword (3/10)
    In Guy Ritchies Verhunzung, oder sollte ich sagen: Verhunnamung, der Legende wird uns der 36jährige Charlie Hunnam, der eher wie 45 aussieht, als Teenager verkauft, und Astrid Berges-Frisbey erneut (nach Piraten der Karibik 4) als Schauspielerin. Da können auch Jude Law und Eric Bana nichts mehr retten. Das Geld für die wild in die Gegend verstreuten Kulissen hätte man wirklich besser in eine Fortsetzung von Codename U.N.C.L.E. stecken können (welches auch gefloppt war, was nur zeigt, dass Kassenerfolg und Qualität selten korrelieren).
  • Life (David Espinosa, 2/10)
    Unfassbar, wie man einen solch leblosen Thriller über einen Alien in der ISS drehen kann. Karrieretiefs von Ryan Reynolds, Rebecca Ferguson und Jake Gyllenhaal.

Persönliche Enttäuschungen waren für mich Edgar Wrights Baby Driver, Matthew Vaughns Kingsman: The Golden Circle und James Mangolds Logan. Grauenvoll war der mit 1,26 Milliarden Dollar Umsatz erfolgreichste Film des Jahres, Die Schöne und das Biest, mit einer schrecklich fehlbesetzten Emma Watson in der Titelrolle (nein, leider nicht als Biest).

Geärgert habe ich mich auch sonst reichlich, besonders über:
  • The Fate of the Furious (F. Gary Gray)
  • Blade Runner 2049 (Denis Villeneuve)
  • Get Out (Jordan Peele)
    Rat mal, wer zur Gehirntransplantation kommt? Als bösartig-satirische Variante des Oscar-nominierten Feelgood-Films mit Sidney Poitier, Spencer Tracy und Katherine Hepburn wäre "Get Out" in den 60ern vielleicht zeitgemäß gewesen. Heute ist es einfach nur eine Ansammlung von Klischees und sehr unangenehm anzuschauen. Die Weißen sind böse, die Schwarzen gut. Hier ist eine Idee: Nehmen wir an, der Bruder des Lockvogels (Allison Williams) wäre von der Familie entfremdet, fände sich nur zufällig zu diesem Wochenende ein und schlüge sich am Ende auf die Seite des schwarzen Opfers (Daniel Kaluuya)? Aber niemand besetzt Caleb Landry Jones als Gutmenschen. Ansonsten innerhalb der Grenzen des bescheidenen Drehbuchs aber gut gespielt. Horror-Fans fehlt der Horror, mir fehlt die Qualität. Kein professioneller Kritiker hat sich getraut, die Schwächen des Films aufzuzeigen. Politische Korrektheit führt offenbar zu Feigheit oder Dummheit.
  • Silence (Martin Scorsese)
    Si tacuisset.
  • Hacksaw Ridge (Mel Gibson)
    Religiös verbrämter Schwachsinn.
  • Elle (Paul Verhoeven)
    Eine Vergewaltigung in ein Sexspiel umzudeuten, das gelingt nur dem Fliegenden Holländer (Total Recall, Basic Instinct, Starship Troopers), dessen kontroverse Werke ich ansonsten meist mochte (ok, außer Showgirls).

 

Auch keine Rettung: Fernsehserien

Inzwischen zieht es eine Menge zugkräftiger Schauspieler zum Fernsehen, und die Gelder fließen, vor allem durch die neuen Streaming-Dienste. Ob dabei Qualität rauskommt, ist allerdings Glücksache. Mir scheint, es gibt einen Mangel an guten Autoren, die Visionen jenseits der bekannten Schablonen entwickeln. Und klappt das einmal, findet sich nicht unbedingt ein Publikum dafür  - siehe Sense8 oder die gerade erst abgesetzte Dirk-Gently-Neuinterpretation mit Elijah Wood (die zweite Staffel läuft erst diesen Monat bei Netflix an).

Etablierte Serien

  • Game of Thrones
    Die siebte Staffel war unterhaltsam, aber man hat nicht mehr das Gefühl, dass die Überraschungen sorgfältig genug vorbereitet sind. Dazu gibt es nun eine Menge Fan-Service. Die Entfernungen in Westeros scheinen um ein Zehntel geschrumpft zu sein, um Treffen aller wichtigen Handlungsträger zu ermöglichen, mit entsprechend spöttischen Reaktionen kritischer Zuschauer. Die Memes um Gendry Maratheon etwa sind Legende.
  • Stranger Things
    Die zweite Staffel bot erneut kurzweilige Unterhaltung. Winona Ryder agiert nicht gar so hysterisch, und die Kids entwickeln Persönlichkeit. Das größte Talent, die dreizehnjährige Millie Bobby Brown, wird diesmal vom Buch leider nicht so gut in Szene gesetzt, eine erneute Emmy-Nominierung ist unwahrscheinlich.
  • iZombie
    Die Serie um die gar nicht blasse Rose McIver hat in der zweiten Staffel Fahrt aufgenommen - hoffen wir mal, dass es noch dauert, bis die Verwesung einsetzt.
  • Lucifer
    Meine Freude an der Serie um den leibhaftigen Teufel, der einen Club in LA aufmacht (und mit britischem Akzent Frauenherzen bricht), beichte ich hier nur als Guilty Pleasure. Ich hätte allerdings nicht gedacht, dass mir Lauren German mal in einer Rolle gefallen würde, nach ihrem katastrophalen Kurzeinsatz bei Hawai Five-0 (welches man sich inzwischen wirklich nicht mehr anschauen kann).

Revivals

  •  Twin Peaks
    Wird in der Gesamtheit von Kritikern gern auf die Jahresbestenliste für Kinofilme gesetzt. Von mir nicht.
  • Gilmore Girls: A Year in the Life
    Außer Spesen nichts gewesen? Na ja, kann man sich gut anschauen, und es sei der Erfinderin Amy Sherman-Palladino gegönnt, die Geschichte zum geplanten Abschluss zu bringen. Aber Funken versprüht hat der Vierteiler nun auch nicht gerade. Ich hatte mehr Spaß an ihrer kurzlebigen Ballettgeschichte Bunheads. Mit ihrer neuesten Serie, The Marvelous Mrs. Maisel, um eine Standup-Komikerin im New York um 1960 konnte ich mich noch nicht anfreunden (sie läuft bei Amazon Prime).
  • Akte X
    Am Mittwoch läuft bereits die elfte und damit zweite "neue" Staffel an. Solange es wieder eine Comedy-Episode von Darin Morgan gibt, quäle ich mich da gern durch. Zuletzt gab es die herrliche Werwolf-Legende aus der Sicht des Monsters, Mulder & Scully Meet the Were-Monster, nun angekündigt ist The Lost Art of Forehead Sweat (schweißtreibender Titel!)

Neue Serien


Wer hätte nach dem müden Einstieg gedacht, dass Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. sich sechs Jahre halten würde? Die Agenten um Phil Coulson sind zwar nie so richtig durchgestartet, aber ihre Abenteuer können mich immerhin noch gelegentlich fesseln, und ich mag die meisten Hauptfiguren. Gleiches kann man von den neuesten Starts nicht gerade sagen. Marvel ist mit den Inhumans nun nicht nur der Tiefpunkt des Jahres geglückt, sondern die vielleicht schlechteste Comic-Verfilmung aller Zeiten. Etwas besser scheint The Gifted zu sein, davon habe ich bisher aber nur den Piloten gesehen. Die schwerfälligen, trübsinnigen Netflix-Reihen (Daredevil, Jessica Jones etc.) lasse ich längst links liegen, genauso wie die schematischen DC-Teenager-Vergnügungen (Arrow, The Flash etc.)

Die traurigste Vorstellung gab es allerdings im SF-Bereich. Star Trek: Discovery ist ein heilloses Durcheinander, welches exakt die Produktionsgeschichte widerspiegelt. Geblieben ist eine funkelnde Oberfläche mit viel Leerraum dahinter. Besonders peinlich die Klingonen, die dank aufwändiger Zahnprothesen so undeutlich artikulieren, dass selbst ein Professor für Klingonisch Untertitel benötigt. Die Offiziere der Sternenflotte dagegen haben ein akutes Akneproblem, welches ihnen in UHD besonders schlecht zu Gesicht steht. Ich rechne übrigens fest damit, dass die Crew der Discovery nach der Winterpause entdeckt, dass sie einem Spiegeluniversum entstammt (Mirror, Mirror!) Das entschuldigt aber nicht die dämlichen Geschichten, hanebüchen ausgeführte Sternenflottentechnik und unsympathischen Figuren.

Fast zeitgleich angelaufen ist ein Star-Trek-Clone, den viele, ich allerdings nicht, als die bessere Serie betrachten. Seth McFarlanes The Orville ist Star Drek mit gut geputzten Raumschiffen und Fäkalienhumor. Ein Novum, dass der Captain überhaupt nicht schauspielern kann. Und Adrienne Palicki als seine Ex und Erste Offizierin mag ich ohnehin nicht. Nach diesen neuen SF-Versuchen bekomme ich das Gefühl, das Universum sei so flach wie meine Mattscheibe. Plötzlich entwickle ich richtig Lust auf die zweite Expanse-Staffel...

Abschied


Martin Landau kannte ich nicht aus seinem Riesenerfolg Kobra, übernehmen Sie ("Mission: Impossible", 1966-1973), sondern als Kommandant John Koenig der Mondbasis Alpha 1 ("Space: 1999", 1975-1977), die ich als Jugendlicher mangels SF-Alternativen geliebt habe. Als Erwachsener schaut man sich das aber besser nicht an. Die Geschichten sind nicht besser als das dämliche Grundkonzept (der Mond reist jede Woche durch ein neues Sonnensystem). In den 80ern etablierte sich Landau dann als gefragter Charakterdarsteller und war u.a. für Woody Allens Verbrechen und andere Kleinigkeiten für einen Oscar nominiert. Den gewann er schließlich 1995 verdient für seine berührende Darstellung des alternden Bela Legusi in Tim Burtons liebevoller Biographie des "schlechtesten Regisseurs aller Zeiten", Ed Wood. Martin Landau starb im Juli mit 89 Jahren.

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Einen deutlich stärkeren Eindruck als Mondbasis Alpha 1 hinterließ bei mir die Originalserie Kampfstern Galactica, vor allem die beiden extrahierten Kinofilme. In meiner Erinnerung steht die epische Odyssee der zwölf Stämme unter Führung von "Moses" Commander Adama (Lorne Greene) gleichwertig neben dem Krieg der Sterne, und Adamas Sohn Apollo war einer der Helden meiner Kindheit. Richard Hatch sah gut aus, hatte eine TV-freundliche Ausstrahlung und nahm sich selbst nicht zu ernst. Er trat noch in vielen Fernsehserien auf, aber Apollo blieb seine Signaturrolle. Im düsteren Remake hatte er einen sehr überzeugenden Gastauftritt als rebellierender Gefangener Tom Zarek. Richard Hatch wurde 71 Jahre alt.

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Kurz nacheinander sind die Hauptdarsteller aus zweien meiner liebsten Wenders-Epen gestorben: Harry Dean Stanton aus Paris, Texas (1984) und Sam Shepard aus Don't Come Knocking (2005), der auch an beiden Drehbüchern beteiligt war. Shepard war als Dramaturg so rührig wie als Charakterdarsteller. An Stantons wettergegerbtes Gesicht erinnert man sich vielleicht aus Alien oder Martin Scorseses Die letzte Versuchung Christi (als Saulus/Paulus).

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Noch ein weiteres Mitglied der Alien-Crew hat es 2017 dahingerafft. John Hurt war es, der in einer ikonischen Szene ein Alien zur Welt brachte und dies höchstpersönlich in Spaceballs persiflierte. Er war in Komödie und Drama zu Hause, sein zerfurchtes Gesicht konnte Pathos und Entschlossenheit ausdrücken. Wie Harry Dean Stanton war auch er für David Lynch tätig: Er verbarg sich unter der Maske des Elefantenmenschen und erhielt dafür eine seiner zwei Oscar-Nominierungen. In seiner dritten Zusammenarbeit mit Jim Jarmusch war er der anrührende Mentor des Vampirpaars in Only Lovers Left Alive. Jüngeren ist der Engländer eher als Zauberstab-Experte Ollivander bekannt.

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Die Dick van Dyke Show war in den 60ern so bahnbrechend (und unterhaltsam) wie Seinfeld in den 90ern. Sie ist immer noch höchst sehenswert, auch wenn sie ein wenig Muff angesetzt hat (insbesondere bei den Geschlechterrollen). Der Titelheld Dick von Dyke ist gerade 92 geworden. Er ist am bekanntesten als Schornsteinfeger in Mary Poppins (Chim Chim Cheree). In der von Carl Reiner (*1922) ersonnenen Show spielt er Dick Petrie, den Chefautor für einen Komiker (hin und wieder als Gast zu sehen: Carl Reiner selbst), mit den Kollegen Buddy Sorrell (Morey Amsterdam, 1908-1996) und Sally Rogers (Rose Marie, die nun 94jährig starb). In einigen der besten Episoden betrat das Team auch selbst die Bühne. Rose Marie sang bereits als Fünfjährige vor Publikum. Bei Youtube findet man ihre Parodie auf ihren Mentor Jimmy Durante, aber auch diesen frühen Auftritt, bei dem sie schon ihre typische Stimme gefunden hatte (mit sechs Jahren!)

Bei diesen Gelegenheiten stieß oft auch Dicks Ehefrau Laura dazu, die ebenfalls tanzen und singen konnte, siehe etwa dieses Duett. Für Mary Tyler Moore war diese Rolle der Durchbruch, nachdem zuvor in einer Detektivshow vor allem ihre Beine zu sehen waren. Sie hatte später höchst erfolgreiche Soloshows und wurde zu einer Ikone der Feminismusbewegung (und ein Favorit von Pauline Kael). Sie war schön, komisch und klug, gelegentlich wohl auch kratzbürstig. 1981 gesellte sich zu ihren sechs Emmys und drei Golden Globes eine Oscar-Nominierung für die Hauptrolle in Robert Redfords Familiendrama Ordinary People. Einen ihrer letzten Auftritte hatte sie 2006 in der achten Staffel der Wilden 70er. Mary Tyler Moore starb bereits im Januar im Alter von 80 Jahren.

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Samstag, 31. Dezember 2016

Jahresrückblick 2016

Kino

Wenn Jimmy Kimmel, der schon bei der Emmy-Verleihung nicht besonders aufgefallen war, am 26. Februar die Academy Awards moderiert, werden die Präsentatoren wieder von einem tollen Kinojahr schwärmen und von all seinen fabelhaften, anspruchsvollen Filmen. Leider sind mir die irgendwie entgangen. Genauso wenig kann ich die Inflation der positiven Kritikermeinungen nachvollziehen, etwa bei den Metascores. Mit Gauss'scher Normalverteilung hat das nichts mehr zu tun.

Auch das internationale Boxoffice ist immer schwieriger zu interpretieren. In den deutschen Medien wird oft schon von einem Hit gejubelt, wenn ein Film die Nummer Eins in Amerika ist. Das ist aber bei den heutigen Kosten von Blockbustern nur das erwartete Minimum. Klar ist die Dominanz von Disney, die mit Captain America, Finding Dory, Zootopia und dem Dschungelbuch (welches bestimmt niemand dort erwartet hatte) die besten Einnahmen erzielten. Weniger klar ist, dass die jeweils rund 750 Millionen Dollar Umsatz für Batman vs. Superman und Suicide Squad von DC/Warner als enttäuschend gewertet werden. Dabei muss man bedenken, dass zu einem Budget von 250 Millionen Dollar oft nochmals die gleiche Summe für Marketing rausgeworfen wird. Damit relativieren sich solche Umsatzzahlen. Nach gleicher Rechnung gilt übrigens auch Star Trek Beyond mit 343 Millionen Dollar Einnahmen als Flop. Andere Möchtegern-Blockbuster waren nur durch ihren Erfolg in China nicht ruinös, so etwa Warcraft, X-Men, Independence Day 2, Now You See Me 2, die in den USA weniger als ein Drittel ihres weltweiten Umsatzes einspielten (in China gibt es seit jüngstem mehr Kinoleinwände als in den Vereinigten Staaten). Besonders deutlich zeigt sich diese Umverteilung nach Asien in Stephen Chows chinesischem Megahit Die Meerjungfrau, der in den USA noch gar nicht gelaufen ist, aber mit 550 Millionen Dollar Umsatz weltweit bereits an der zwölften Stelle der umsatzstärksten Filme des Jahres steht.

Immerhin wurden in diesem Kinojahre eine Menge Apokalypsen abgewendet: von den X-Men, dem Suicide Squad, Batman und Superman (mit willkommener Hilfe von Wonder Woman) den farblosen jungen Leuten von Independence Day: Die Rückkehr, den Ghostbusters, und natürlich Dr. Strange, der das Magieduell des Jahres gegen Newt Scamander klar für sich entscheiden konnte. Hier ist die bescheidene Liste meiner Lieblingsfilme des Jahres:

Herausragend (9/10)

Sehr gut (8/10)

Im Gegensatz zum ungarischen Besten Fremdsprachigen Film von 2015, Son of Saul, hat mich der kolumbianische Beitrag El abrazo de la serpienta überzeugt: malerische Schwarzweiss-Bilder des (noch) unberührten Amazonasgebiets, authentische eingeborene Nebendarsteller und eine tiefschürfende spirituelle Suche, ohne allzusehr ins Esoterische abzudriften.

Ebenfalls sehenswert (7/10)

Nice Guys, Brooklyn, Bad Moms, Hail Caesar!, Ghostbusters, The Danish Girl, Whiskey Tango Foxtrot (Tina Fey, Margot Robbie in einem missverstandenen Biopic), Ein ganzes halbes Jahr (ein wunderschönes Stück Kitsch mit einer hinreißend-naiven Emilia Clarke), Money Monster (Foster-Clooney-Roberts!), American Ultra (schräger Geheimtip), Es ist kompliziert...! (Simon Pegg und Lake Bell in warmherziger RomCom), Mr. Collins' zweiter Frühling (Al Pacino als Tom-Jones-Verschnitt bezirzt Annette Bening), Der letzte Wolf (Jean-Jacques Annaud zeigt wunderschöne Bilder aus der Mongolei)

Der lausige Rest

Enttäuscht haben mich besonders mittelmäßige Filme meiner Lieblingsregisseure Woody Allen (Café Society), Jim Jarmusch (Paterson), Tom Tykwer (Hologramm für den König) und Pedro Almodóvar (Julieta). Von den vorhersehbaren Flops (Ben Hur, anyone?) habe ich mich ferngehalten, trotzdem musste ich einige Gurken ertragen:
  • Star Wars: Rogue One
    Der Film wirkt, als habe man ein Kleinkind mit einem Star-Wars-Legobaukasten spielen lassen und das Ergebnis dann zu einem Drehbuch verwurstet. Was nichts daran ändert, dass die Zuschauer wie von der dunklen Seite der Macht verführt in die Kinos drängen (These are not the thrills you are looking for!)
  • Star Trek Beyond
  • The Hateful Eight (Quentin Tarantino)

TV

Auch wenn das Fernsehen nicht der alles heilende Gegenpol zum Kino ist, als der es inzwischen verklärt wird, gab es doch einige Höhepunkte, zwei sogar für uns Deutsche: die internationalen Emmys für Deutschland 83 und Christiane Paul!



Ansonsten gab es auch beim TV viel unqualifiziertes Lob, so etwa für die Nostalgieserie Stranger Things. So sehr ich Winona Ryder liebe, so wenig hat mir ihre überzogene Darstellung darin gefallen. Den zu Recht umjubelten Jungdarstellern, besonders Millie Bobby Brown und Natalia Dyer, tut man mit den übertriebenen Vorschusslorbeeren allerdings keinen Gefallen.


Meine "alten" Lieblingsserien aus dem Genre, vielleicht die letzten, die noch als physische Medien in meinem Regal landen, laufen gerade aus. Person of Interest hat in der vorletzten Staffel immerhin noch eine Sternstunde des Fernsehens geliefert. If-Then-Else ist packende, intelligente Unterhaltung auf höchstem Niveau, nicht nur für Programmierer. Die letzte (Kurz)Staffel erscheint im Januar.



Dann laufen in den USA auch die letzten Folgen von Grimm. Dort würfeln die Showrunner nur noch aus, wer wann mit wem im Bett landet. Nachdem sich gerade Nick und Adalind gefunden haben, fehlt dann eigentlich nur noch die Paarung von Juliette und Wu...



Bei Game of Thrones erwarten uns noch 7 + 6 Folgen, von denen ich nicht mehr allzuviel erwarte. Es wird wie in Die Rückkehr des Königs eine ganze Reihe von Abschlüssen geben, denen dann aber die Doppelbödigkeit von Martins Vorlage abgeht.




Viele der Nachfolger kann ich höchstens noch als Guilty Pleasures betrachten, wobei aufgrund des schwindenden Einflusses der konservativen Senderbosse der Trend zur Skurrilität zunimmt. iZombie, Lucifer, Preacher (mit Ruth Negga, einem der Shooting Stars des Jahres), Dirk Gently machen durchaus Spaß, aber kontinuierliche Qualität erwarte ich nicht von ihnen.



Höhepunkte kamen eher aus unerwarteten Ecken, etwa durch Master of None, oder die durchwachsene, düstere Anthologieserie Black Mirror, die aus heiterem Himmel mit der schönsten Romanze des Jahres aufwarten konnte: San Junipero ist untypisch und doch sehr willkommen. Die Hauptdarstellerinnen Gugu Mbatha-Raw und Mackenzie Davis (die mir schon im Marsianer als lebhafteste Mime aufgefallen war und von Sir Ridley gleich für die unnötige Fortsetzung des Blade Runners verpflichtet wurde) empfehlen sich für Größeres.



Zum Jahreswechsel gab es dann noch Balsam in Form eines völlig unerwarteten "Weihnachtsspecials" von Sense8, das allerdings eher einen Übergang zur ab Mai verfügbaren zweiten Staffel darstellt. Trotzdem überwiegen die Wohlfühlmomente, wenn die Sensates erst Geburtstag feiern (am 8.8.), dann Weihnachten, untermalt von einer beseelten Version von Leonard Cohens "Hallelujah", und schließlich Silvester, u.a. mit dem traditionellen Feuerwerk über dem Brandenburger Tor. Schön, dass Lana Wachowski die Sache auch allein gut im Griff hat, natürlich mithilfe des Drehbuchkollegen J. Michael Straczynski.



Die Hugos


Bezeichnend für den kulturellen Grabenkampf, der gerade insbesondere in den USA ausgetragen wird, wurden die diesjährigen Hugos mehr aus politischem Kalkül als über die Qualität entschieden. Insbesondere beim Besten Roman war ich enttäuscht, denn Naomi Noviks Nebula- und Locus-Gewinner Uprooted hat mir sehr viel besser gefallen als der am Ende prämierte The Fifth Season von N.K. Jemisin. Für das kommende Jahr sind keine Änderungen in Sicht - bei mir selbst sind mit Death's End und Crosstalk leider bereits zwei mögliche Nominierungskandidaten durchgefallen. Offenbar bin ich zu anspruchsvoll.

Bei den dramatischen Präsentationen gewannen übrigens Jessica Jones und Der Marsianer (ein Film für den kleinsten gemeinsamen Nenner, der auch beim wiederholten Anschauen noch unterhaltsam ist); dem Autor der Vorlage Andy Weir wurde der Campbell-Award als bester Neuling zugesprochen.

And now their watch has ended

Peter Vaughan wird wohl immer als liebenswerter Greis in Erinnerung bleiben. Schon 1993 spielte er in Was vom Tage übrig blieb den tatterigen Vater von Anthony Hopkins; als blinder Maester Aemon und Großonkel der Drachenmutter Daenerys Targaryen lief er ein letztes Mal zur Hochform auf. Er wurde 93.



Carrie Fisher war in mehr Meilensteinen zu sehen als so mancher Superstar: Blues Brothers, Hannah und ihre Schwestern, Harry und Sally, Amazonen auf dem Mond... Ihre Mutter Debbie Reynolds wird allein schon durch ihre Hauptrolle neben Gene Kelly und Donald O'Connor in meinem Lieblingsmusical der Leinwand, Singin' in the Rain, in Erinnerung bleiben.



Er war als Shepherd Book das älteste Cast-Mitglied der Firefly, und seine Figur wurde im Kinofinale Serenity dann auch umgebracht - trotzdem werden wir Browncoats ihn vermissen: Ron Glass (1945 - 2016).



Nach Lee Hays (1914 - 1981), Pete Seeger (1919 - 2014) und Ronnie Gilbert (1926 - 2015) starb im September mit Fred Hellerman (1927 - 2016) das letzte Originalmitglied der Weavers. Sie hatten mit Goodnight Irene 1949 ihren einzigen Hit, bevor sie für ein Jahrzehnt auf McCarthys Schwarzer Liste landeten. Sie wehrten sich mit Liedern wie "Die Gedanken sind frei" und läuteten den Folk-Boom der 60er ein. Ihre Reunions wurden zu Legenden, zuletzt dokumentiert im großartigen Film (und Abschied von Lee Hays) Wasn't That A Time. Freddie produzierte u.a. Arlo Guthries Alice's Restaurant und spielte Gitarre auf Joan Baez' Debut.



Er wurde weltberühmt mit dem traumatisierenden Kinderbuch "Unten am Fluß", welches 1978 in einen Zeichentrickfilm umgesetzt wurde (Watership Down), und schrieb danach noch weitere Romane aus der (teilweisen) Perspektive von Tieren ("Shardik"). Mein Lieblingswerk von ihm ist aber der epische, unglaublich fesselnde erotische Fantasyroman Maia. Richard Adams starb am Heiligabend mit 96 Jahren.



Der tragischste Verlust des Jahres ist zweifelsohne der Tod des 27jährigen Anton Yelchin (Only Lovers Alive) durch einen dummen Unfall im vergangenen Juni.