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Samstag, 8. Februar 2020

Noch nicht flügge: Birds of Prey (6/10)

Meine Treffsicherheit in Modevorhersagen ist offenbar nicht besonders groß, denn man sieht noch immer nicht viele Baseballschläger als Accessoires im städtischen Leben (vielleicht in Gotham, aber da war ich noch nicht). Aber vielleicht wird's ja diesmal was mit dem Holzhammer, den Harley Quinn (Margot Robbie) mit der gleichen Eleganz schwingen kann wie vor vier Jahren den Knüppel, als sie für das Suicide Squad rekrutiert wurde. In Birds of Prey sammelt sie nun selbst ein Gefolge ein, vom Joker und allen schlechten Geistern verlassen. Dieses einfache Mädchen auf sich allein gestellt in einer garstigen Stadt kann nicht mal ein Eiersandwich in Ruhe verspeisen, ohne von Gangstern verfolgt zu werden. Zugegeben, die meisten haben einen durchaus berechtigten Groll gegen das ehemalige Joker-Liebchen. Dabei will sie doch nur ab und zu ihr eigenes Ding drehen, mal zur Entspannung ein paar Schweinchen aufmischen und mit ihrer Hyäne kuscheln.



Also das mit dem Rekrutieren ergibt sich eher aus Versehen, und es dauert auch bis zum Finale. Eine merkwürdigere Voliere hat man noch nicht auf der Leinwand gesehen. Da wären die TV-erfahrene Jurnee Smollett-Bell (Friday Nights Lights, True Blood) als Black Canary mit der Killerstimme (und singen kann sie auch), Mary Elizabeth Winstead (Death Proof, Scott Pilgrim) als die Jägerin (übersetzt man so Huntress?) und Rosie Perez (Do the Right Thing) als - ähm - suspendierte Polizistin. Was sind das für schräge Vögel? Nicht dass Batgirl da besser reingepasst hätte, Fledermäuse sind ja Säugetiere. Dann gibt es noch die junge Ella Jay Basco als Cassandra, die einen Diamanten verschluckt, der ihr nicht gehört. Das schafft Raum für etliche mittellustige Verdauungswitze, Darmverschlingungen der Handlung und Verquirlen der Drehbucheingeweide.

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Birds of Prey hat mir definitiv besser gefallen als die Selbstmordrotte, aber das ist ein schwaches Lob. Bei Raubvögeln denke ich eigentlich an elegantes Schweben, blitzschnelles Zustoßen und dezentes Verschlingen der Beute. Damit haben die unerfahrene Regisseurin Cathy Yan und Drehbuchautorin Christina Hodson nichts am Federhut. Yans in China gedrehter Erstling hieß übrigens Dead Pigs: Zufall? Und Hodson schrieb die VW-Käfer-Petitesse Bumblebee, ein Ableger des Transformer-Universums, der mich auch nur gähnend hinter'm Steuer erwischte. Jedenfalls haben sie sich für Birds of Prey, ich erwähnte es schon, für den Holzhammer entschieden. Und der versetzt uns die volle Dröhnung. Ernsthaft jetzt, so viel Ohrensausen hat mir schon lange kein Film mehr verschafft. Und während ich nichts dagegen habe, dass zur Abwechslung mal die Mädels die Jungs verdreschen, so wünschte ich mir doch ein wenig mehr Dynamik in den Kampfszenen (das Stuntteam hat an sich Erfahrung u.a. aus Black Panther und Deadpool). Vielleicht habe ich in letzter Zeit zu viele Jackie-Chan-Filme gesehen, aber das wirkt doch alles recht behäbig. Robbie, Smollett-Bell und Winstead sind zwar beweglich, aber die unbeholfene Kamera macht daraus eher Zeitlupenballett als Kampfkunst. Von Rosie Perez ganz zu schweigen. Ich bin mir sicher, die 55jährige hat Qualitäten, die mir einfach entgangen sind. Aber schon in ihrem Debut vor 30 Jahren, im Intro von Do the Right Thing, gemahnt sie mich eher an Henne denn Habicht.

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Nun gut, gelangweilt habe ich mich kaum, geärgert auch nicht, und Margot Robbie als Leitvogel ist nie verkehrt. Aber trotzdem liefert DC hier wieder nur Konfektionsware und fliegt mit dem #MeToo-Schwarm. Ordentlich (6/10).

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