Laut Wikipedia sind Weisse Panther noch viel seltener als Schwarze Panther. Umso dankbarer muss man den Weissbroten Stan Lee und Jack Kirby sein, die bereits in den 60ern mit T'Challa, König des fiktiven afrikanischen Staats Wakanda, den ersten schwarzen Superhelden schufen. Damit ritten sie die Welle der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Auch wenn hinter der jetzt angelaufenen Verfilmung nun ein schwarzes Team steht, angeführt von Regisseur Ryan Coogler (2014 bekannt geworden mit der hetzerischen Doku-Fiction Fruitvale Station), darf man nicht vergessen, dass sie immer noch aus der Sichtweise von US-amerikanischen Schwarzen, sogenannten "African Americans", konzipiert ist. Für diese ist Afrika nur der märchenhaft verklärte Ursprung ihrer Vorfahren. Man kann wohl davon ausgehen, dass die wenigsten Afroamerikaner (der offizielle deutsche Begriff klingt für mich, als ob er sich von der Frisur herleitet) auch nur fünf afrikanische Länder benennen könnten - im Film wird kein einziges erwähnt. Es ist auch nicht ein einziges Bild von Black Panther auf dem Heimatkontinent entstanden - für die exotischen Wasserfälle musste laut IMDB ein Drehort in Argentinien herhalten. Und im zentralen Konflikt des Films, in dem es zwar lobenswerterweise einmal nicht um die Rettung der Welt geht, will der Schurke die bislang verborgene Macht von Wakanda zur Rettung seiner unterdrückten schwarzen Brüder freisetzen - jene in New York und London. Ach Du armes Afrika, Du ausgebeutetes Armenhaus und Exerzierplatz für Rüstungslieferanten aus dem Rest der Welt!
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Abgesehen von dieser politischen Schieflage, ist Black Panther mal wieder ein toller Marvel-Spaß und eine der besten "Origin Stories" eines Comic-Helden. Es zeigt Wakanda mit seinen fünf Stämmen, dessen Reichtum auf einem Vibranium-Meteor fußt, als fabelhafte Mischung aus Tradition und Moderne (wahrlich ein afrikanisches Märchen), in dem nur manchmal die Folklore zu Kitsch wird. Der treibende Soundtrack des Schweden Ludwig Göransson mit Liedern von Kendrick Lamar ist mindestens zweckdienlich, wenn auch gelegentlich ebenfalls klischeebehaftet. Es gibt charismatische Helden, Heldinnen und Bösewichte mit nachvollziehbaren Motivationen und eine spannende Geschichte, die nur einmal mit einer düsteren Wendung schockiert, sich davon aber schnell wieder erholt. Hervorzuheben sind Chadwick Boseman in der Hauptrolle (bereits aus Captain America bekannt), mal würdevoll, mal verschmitzt, mal nachdenklich, Michael B. Jordan (Fruitvale Station) als sein skrupelloser und doch tragischer Gegenpart "Killmonger", und Oscar-Kandidat Daniel Kaluuya (Get Out) als innerlich zerrissenes Stammesoberhaupt W'Kabi zwischen den Fronten
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Und das waren erst die Männer! Dabei dominieren gerade in den fantasievollen Kampfszenen die Frauen, vor allem Lupita Nyong'o (12 Years a Slave) als T'Challas Ex (? - ich muss gestehen, die Beziehung ist mir nicht ganz klar geworden) Nakia und Danai Gurira (Ein Sommer in New York) als Okoye, der Anführerin der speerschwingenden Leibgarde des Königs (man beachte, dass in Wakanda ein Speer viel mehr als nur ein Speer ist). Und dann ist da Letitia Wright als Shuri, die pfiffige kleine Schwester des Königs. Die 24jährige aus Guyana, die bisher schon in einigen Fernsehrollen (Humans, Black Mirror) auffiel, kann locker gegen ihre gewichtigen Mitspieler bestehen und ist die erste Entdeckung des Jahres. Ihre Figur ist angeblich erst 16, was ich reichlich albern finde, denn Shuri ist Erfinderin, Mechanikerin und Ärztin, und auch im Märchen muss eine gewisse Glaubwürdigkeit gewahrt bleiben. Außerdem führt sie ein Kraftfahrzeug, wenngleich nur virtuell - und gelten dabei die Verkehrsregeln von Wakanda oder Südkorea? Aber wer will sich beklagen, wenn Letitia Wright mit einem Lächeln selbst Vibranium zum Schmelzen bringen kann (und das scheint mir auch die einzig plausible Verarbeitungsform zu sein). Wir können uns auf ein baldiges Wiedersehen freuen, in Spielbergs zweiten Film des Jahres, der nostalgischen SF-Verfilmung Ready Player One.
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Dann tauchen noch ein paar Veteranen auf, mehr Farbtupfer als Handlungsträger. Ghost Dog Forest Whitaker als spiritueller Anführer (um das Wort "Schamane" zu vermeiden") Zuri ist immer eine willkommene Präsenz, Angela Basset als "Queen Mom" bleibt dagegen farblos. Apropos blass: Ja, es spielen auch ein paar Weisse mit, namentlich "Gollum" (oder "Caesar") Andy Serkis, in der ersten Hälfte als einarmiger Bandit der Hauptschurke, aber dann doch nur Katalysator der folgenden Ereignisse, und "Frodo" (oder "Dr. Watson") Martin Freeman als sympathischer CIA-Agent. Überhaupt muss ich mal feststellen, dass ich Black Panther überhaupt nicht als rassistisch empfunden habe (entgegen einigen lautstarken Kritikern). Hingegen möchte ich mich, wohlwissend politisch unkorrekt, über die Verballhornung der Sprache Shakespeares durch die Darsteller beschweren. Mir wären mehr untertitelte Dialoge in der (offenbar südafrikanischen) Stammessprache lieber gewesen als dieses Englisch mit unanhörlichem, vage-afrikanischen Akzent. Und wenn wir schon bei Beschwerden sind: Eine 3D-Vorführung kann man sich hier wirklich sparen. Aber das sind Kleinigkeiten, die das Kinovergnügen nicht trüben sollen. Und es ist erfrischend, einen Blockbuster zu sehen, der zu gefühlten 90% von dunkelhäutigem Talent gestemmt wurde. Allemal sehr gut (8/10).
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