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Samstag, 19. Mai 2018

Deadpool and still loving it (8/10)

Nach dem längsten Post-Credit-Szene des Jahres kommt nun der Film zur Werbekampagne. Die ja nicht übel war. Nur ein bißchen penetrant. Ryan Reynolds ist sich halt für keinen Scheiß zu hübsch. Und "das Studio, das Wolverine umgebracht hat", ließ diesmal (vergleichsweise) reichlich Dollars fließen. Trotzdem hat es bei den Superstars auch diesmal nur für Cameos gereicht (darunter Alan Tudyk, Matt Damon und, fast im Effektgewitter verschwunden, Brad Pitt). Der Erfolg ist Reynolds schon ein wenig in den Kopf gestiegen (und einige andere Gliedmaßen). Deshalb, und weil Ursprungsregisseur Tim Miller wegen "kreativer Differenzen" nicht zurückkehrte, ist die Fortsetzung ein ganz anderes Biest. Nachfolger David Leitch (kein Verwandter von Donovan), der schon bisher eher miese Trash-Action für Unsensible inszenierte (John Wick, Atomic Blonde), interessiert sich auch hier nicht für den emotionalen Gehalt, sondern setzt auf Schockeffekte und Parodie. Was dann seinen Höhepunkt in der längsten Sterbeszene der Filmgeschichte hat (wenn man mal von Opernverfilmungen und Shakespeare absieht). Was aber mehr das Zwerchfell als die Tränendrüsen animiert.



Herzstück von Deadpools Premiere war seine große Liebe Vanessa (Morena Baccarin). Diesmal kommt sie zwar vor, aber höchstens noch als Ferse. Ironisch, wenn sie dann Wade Wilson beschwört, das Herz am rechten Fleck zu tragen. Ersatzweise tritt ihm eine andere Frau ins Leben und in die Eier: Domino, gespielt von Neuentdeckung Zazie Beetz. Die in Berlin geborene New Yorkerin verdankt ihre wohltemperierte Hautfarbe der Vereinigung eines Deutschen und einer schwarzamerikanischen Mutter. Sie übertrumpft die Helden ein ums andere Mal mit ihrer speziellen Superkraft (nein, nicht das lose Mundwerk). Gibt es Trümpfe beim Domino? Na, egal. Leider ist sie dann doch nur ein kleines Steinchen im rasanten Handlungsablauf. Ansonsten sind Frauen Mangelware, auch das explosive Gemisch von Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) und ihrer neue australisch-japanische Freundin Yukio (Shiuli Kutsuna - Hi, Yukio!) kommen nur am Rande vor.

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Cable, nicht zu verwechseln mit Larry the Cable Guy, ist offenbar bei Comic-Fans beliebt. Er hat einen metallischen Arm, und seine furchtbarste Waffe ist ein blutiger Teddybär. Oder auch nicht - so genau habe ich das nicht verstanden, auch nicht den Ursprung seines Namens. Jedenfalls kommt er aus der Zukunft - hat er Deadpool die Nachricht von Logans Opfertod überbracht? Seit bei den X-Men Zeitreisen eingeführt wurden, ist sowieso jedwede Handlungslogik Banane. Fehlte nur noch, dass Deadpool Ryan Reynolds umbringt, um ihn daran zu hindern - aber wir wollen ja nicht spoilern... Bei der Besetzung dieser Figur ist den Machern jedenfalls ein Clou gelungen - niemand anders als der intergalaktische Superstar und Philanthrop Thanos konnte als Cable verpflichtet werden. Mittels aufwendiger CGI-Mittel sieht er hier fast menschlich aus, bringt aber immer noch seinen unverwechselbaren Charme und sein höllisch gutes Aussehen zur Geltung. Nach der jüngsten Ausdünnung der Akademie sollte da doch wohl eine Oscar-Nominierung drin sein, oder?

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Und dann gibt es noch den eigentlichen Schurken, massig, skrupellos und unerbittlich, der eine Schneise der Verwüstung hinterlässt. Und sich dann auch noch mit Juggernaut verbündet! Der 15jährige Neuseeländer Julian Dennison füllte schon in "Korg" Taika Waititis Wo die wilden Menschen jagen die Leinwand und drängte seinen schmächtigen Co-Star Sam Neill oft aus dem Bild. Nun will der traumatisierte Russell sich am Chef des Waisenhauses rächen, in dem er wegen seiner Mutantenfähigkeiten gefoltert wurde. Sein Opfer ist also nicht gerade ein Waisenknabe - Eddie Marsan ist ja seit seinem Auftritt als sadistischer Taxilehrer in Happy-Go-Lucky ein Spezialist für Figuren, denen man als Zuschauer einen möglichst schmerzhaften Tod wünscht. Trotzdem geht das natürlich nicht - was Deadpool darf, darf Deadpuddle noch lange nicht.

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Und wieder scheiden sich die Geister. Ich persönlich bin für eine Menge Albernheiten zu haben. Für mich ist Deadpool 2 der bessere Bond, mit Maurice Binders bester Titelsequenz seit seinem Tode. Wahrlich ein Film für die ganze (Mafia-)Familie! Ein weiteres Plus: Hans Zimmer hat nicht einen Ton zum Soundtrack beigesteuert! Dafür gibt es leider Kostproben von Céline Dion und Dolly Parton, und eine überrraschend gefühlvolle Version des a-ha-Kitschhits Take on Me. In Your Eyes, You're All Out of Love... Ich will Spaß (8/10)!

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