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Sonntag, 20. Mai 2018

Alles nur Schau: Greatest Showman (5/10)

Die Kategorie "Comedy or Musical" der Golden Globes ist schon seit vielen Jahren ein ziemlicher Witz. Wann immer ein Musical oder gar ein Musikfilm (was für mich etwas vollkommen anderes ist, siehe etwa John Carneys Sing Street) in die Kinos kommt, wird dieser Film dann mit den Komödien des Jahres zusammengeworfen, sozusagen den anderen nicht ernstzunehmenden Werken des Jahres. Letztes Jahr hatte The Greatest Showman diese Ehre, nominal eine Biographie von P.T. Barnum (1810-1891), quasi dem Erfinder des Zirkus-Spektakels. Leider wirkt die Handlung eher wie ein tabellarischer Lebenslauf, bei dem sich die Autoren (Jenny Bicks und Bill Condon, der immerhin Chicago adaptiert hatte) reichlich Freiheiten nehmen. Das wäre in Ordnung, wenn dabei thematische Tiefe und spektakuläre Figuren entstanden wären. Aber das gezeigte victorianische New York bleibt bunte Kulisse, bevölkert von farblosen Protagonisten.



Nun ja, bei den meisten Kinomusicals ist eine durchdachte Handlung ohnehin ein unerwarteter Bonus, etwa bei Singin' in the Rain oder Cabaret, um zwei sehr unterschiedliche Beispiele anzuführen. Worauf es ankommt, sind Tanz und Musik, das Spektakel halt. Das Konzept stellt hier moderne Popmusik in anachronistischen Kontext. In Ordnung, das könnte funktionieren, wenn die Songs nicht so spannungslos wären! Sie stammen von Benji Pasek und Justin Paul, die für La La Land mindestens zwei hübsche Ohrwürmer komponiert hatten. Aber selbst diesen bescheidenen Vergleich verliert The Greatest Showman. Bezeichend, dass das einzige Lied mit Nachhall, das Oscar-nominierte This Is Me, unter Zeitdruck im Flieger auf dem Weg zur Präsentation entstand. Der schlimmste Beitrag ist die von Loren Allred eingespielte Schnulze Never Enough, die der damals weltberühmten "Schwedischen Nachtigall" Jenny Lind (M:I5-Widersacherin Rebecca Ferguson)  untergeschoben wird. Ich muss gestehen, dass ich den Kieksern und der Jodelakrobatik "moderner" Popsongs ohnehin nichts abgewinnen kann, aber für diese Scharade einer amerikanischen Krähe (das Vorbild hat damals immerhin die garantiert Opern-versierte High Society Manhattans begeistert) sollten sich die Filmemacher schämen!

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Ansonsten ist die Musik meist zweckdienlich und wird von den mit Elan auftrumpfenden Darstellern überzeugend dargeboten. Für Hugh Jackman in der Titelrolle war dies eine Herzensangelegenheit. Leider hat er sich mit der Besetzung des Regieposten durch seinen australischen Kumpel und Werbefilmer Michael Gracey arg vertan. In seinem ersten Langfilm gelingen Gracey zwar etliche solide, manchmal sogar begeisternde Szenen, die sich aber nie zu einem überzeugenden Ganzen fügen. Zu den besseren Momenten gehören Duette von Hugh Jackman und Zac Efron sowie die akrobatische Liebesszene zwischen Efron und Zendaya, die übrigens trotz ihrer kleinen Rolle Starqualitäten versprüht (Schnulzenkönig Zac Efron passt hier ansonsten leider gut rein).

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Die Botschaft von Inklusion und Selbstverwirklichung, die etwa bei den Oscars von der Sängerin Keala Settle (im Film die bärtige Dame) zelebriert wurde, bleibt ganz an der Oberfläche und ist weit entfernt von der Realität der "Freaks", die P.T. Barnum für seinen Zirkus ausbeutete. Aber vielleicht ist das bezeichnend für die #MeToo-Debatte, die sich nach einigen Anfangserfolgen nun an Äußerlichkeiten aufreibt. Aber die Amerikaner schein drauf reinzufallen. The Greatest Showman war in den USA jedenfalls ein schleichender Hit und hat nach anfänglich mäßigen Einnahmen über 170 Millionen Dollar eingespielt, weltweit sogar über 430 Millionen. So sehr ich den Erfolg von Leinwand-Musicals begrüße, halte ich The Greatest Showman doch nur für einen müden Nachfolger von La La Land (welches immerhin eine großartige Emma Stone zu bieten hatte) und kann mich gerade noch zu einem Annehmbar (5/10) durchringen.

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