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Samstag, 26. Mai 2018

O Solo Mio (5/10)

Wie heisst Du?
   Han.
Und weiter?
   Äh...
Hast du keine Familie?
   Nö.
Dann nennen wir dich ... Solo.

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Das ist so ein typischer, nur leicht vereinfachter Dialog, den Altmeister Lawrence Kasdan (*1949) mit seinem jüngeren Sohn Jon(athan) (*1979) unserem Helden zwischen die Lippen zwängt. Das vom Hauptautor des auf ewig besten Star-Wars-Films, Das Imperium schlägt zurück, Erfinder von Indiana Jones und Autor/Regisseur eines weiteren Lieblingsfilms von mir: Der große Frust (1983). Der stellt sich bei mir auch ein ob eines Drehbuchs, dessen Kernidee auf einem Fehler von George Lucas beruht, der damals nicht wusste, was ein Parsec ist. 40 Jahre lang hatten wir Freude am Millenium Falcon ohne eine Erklärung für den Kessel-Lauf in zwölf Parsecs. Wir wissen, wer Solo ist, und wo Solo ist - nur Drax würde fragen, warum Solo ist. Jons Bruder Jake (*1974) hat mit der spaßigen, Rock-soliden  Jumanji-Fortsetzung Willkommen im Dschungel gerade mehr zur Familienehre beigetragen als sein Vater in den letzten 20 Jahren.

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Statt über das Konzept, nicht vorhandene Lücken in einer perfekten Mythologie stopfen zu wollen, schimpfen nun alle auf den armen Alden Ehrenreich, der mich zuletzt in Hail, Caesar! mit seinem Spaghetti-Lasso bezaubern konnte ("Would that it were so simple.") Nein, der 28jährige ist kein Harrison Ford (der übrigens damals bereits 10 Jahre älter war), aber er schlägt sich wahrlich wacker. Fords Charme ist ja genauso mystisch wie seine Figuren und damit unkopierbar. Ehrenreich versteht es durchaus, Fords (ohnehin eingeschränkte) Mimik und Sprachrhythmen zu kopieren, aber das Material lässt ihm keinen Raum, seine Figur zum Leben zu erwecken. So bleibt seine Darstellung irgendwo zwischen misslungen (wie etwa Joseph Gordon-Levitt als junger Bruce Willis in Looper) und genial (Josh Brolin in Men in Black 3 als junger Tommy Lee Jones) im Mittelmaß kleben, so wie der Rest des Epos. Wo Disney draufsteht, ist auf Dauer halt auch nur Disney drin.

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Was bleibt, ist eine Abenteuergeschichte, der nie wirklich der Sprit ausgeht, die aber auch nie Lichtgeschwindigkeit erreicht. Woody Harrelson und "Vision" Paul Bettany sind solide wie immer, Thandie Newton (seit Westworld wieder angesagt) ist verschenkt, ebenso leider "Daenerys" Emilia Clarke. Immerhin wissen wir jetzt, dass ihr Capes stehen - Supergirl, anyone? Wirklich gelungen ist nur Donald Glovers Darstellung als Lando Calrissian - der 34jährige Atlanta-Star ist ein großes Talent. Oh, ja, und der inzwischen fast 50jährige "Wicket" Warwick Davis hat eine kleine Rolle, fast ohne Maske. Das ist leider reiner Fan-Service ohne Payoff. Und die immens talentierte Linda Hunt (die als einzige Frau einen Oscar für die Darstellung eines Mannes gewann) spricht einen übergroßen Regenwurm oder sowas.

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Genauer habe ich das nicht ausmachen können, denn die Kamerabilder waren im allgemeinen so dunkel und unscharf gehalten, dass man nur Schemen ausmachen konnte (ich übertreibe nur wenig, insbesondere was die 3D-Projektion anbelangt). Das passt zur Musik, einer uninspirierten John-Williams-Kopie mit einigen berühmten Zitaten. Na ja, von Regisseur Ron(ny) Howard erwartet niemand mehr Überraschungen. Sein letzter toller Film Frost/Nixon (2008, 9/10) war schon eher ein Ausrutscher, und seine dritte Dan-Brown-Adaption (2016, 2/10) war ein wahres Inferno. Aber was nützt es, sich über Mittelmaß aufzuregen? Die bislang teuerste Star-Wars-Geschichte wird wohl die bislang wenigsten Credits einspielen, aber trotzdem als Erfolg gewertet werden. Ob es zur handlungstechnisch vorbereiteten Fortsetzung reicht, wird sich zeigen. Annehmbar (5/10).

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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.

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