Valerian: Die Stadt der tausend Planeten ist kein Desaster wie Jupiter Ascending oder Tomorrowland, aber die 200-Millionen-Euro-Produktion geht an den Kinokassen gerade ähnlich katastrophal unter. Das konnte man bereits anhand des Trailers vorhersagen. Atemberaubende Bilder genügen nicht, um ein Publikum anzulocken, und das putzige Hauptdarstellerpärchen wirkte einfach nur lächerlich. Überraschenderweise ist es das 25jährige Fashion-Model Cara Delevingne als Laureline, das mit Leinwandpräsenz, keckem Charme und, ähem, ihren langen Beinen deutlich besser wegkommt als der gut 30jährige Schuljunge Dane DeHaan, bereits Veteran aus einer Reihe mieser Filme (Chronicle, Amazing Spider-Man 2). Den Namen muss man sich wohl nicht merken...
Dabei beginnt die Chose grandios. Zu den Klängen von Bowies Space Oddity erleben wir im Zeitraffer, wie die internationale Space Station über die Jahrhunderte wächst und wächst, bis sie schließlich zur namensgebenden Weltraumstadt mutiert, längst dem Erdorbit entwichen. Niemand geringerer als Rutger Hauer in einem Cameo als "Präsident der Weltstaatenföderation" verabschiedet dieses Symbol der Völkerverständigung, welches längst nicht mehr nur Erdenbürger beherbergt.
Ähnlich überzeugend verblüfft die folgende Sequenz auf dem Planeten Mül (verständliches Gekicher im Kinosaal), wo ätherische Hominden durch eine Schlacht im Orbit aus ihrer friedvollen Existenz gerissen werden. Wenn die "Pearls" wie Verwandte von Camerons Na'vi erscheinen, so muss man Avatar wohl unterstellen, sich bei den französischen Comics aus den 60ern bedient zu haben, wie auch George Lucas, der hier wohl die Inspiration für u.a. Jabba the Hut und den Millenium Falcon fand.
Es stellt sich heraus, dass Valerian die Geschehnisse auf Mül nur geträumt hat - oder war es eine Vision? Es folgt ein wenig gezwungenes Schäkern zwischen ihm und seiner Untergebenen Laureline (merkwürdig: Wie passen ein Major und ein Sergeant zusammen?). Dann brechen sie zu einer bizarren Mission auf, die sie zwar bravourös erfüllen, allerdings mit 20 Minuten Verspätung... Sind wir hier in einem Videospiel? Und was ist mit all den Helfern, die dabei draufgehen? Waren das alles ersetzbare Redshirts? Solche Fragen stellt man sich allerdings erst im nachhinein, denn es geht rasant weiter, mit ungeheuer detailreichen Umgebungen und verblüffend flachen Figuren. Als die Pause eingeläutet wird (ein unsägliches Ärgernis), mag man kaum glauben, dass bereits eine Stunde vergangen ist. Danach läuft sich der Film leider tot, mit immer neuen Verfolgungsjagden, exotischen Aliens und Kampfszenen, die ohne innere Logik und daher auch weitgehend spannungsfrei ablaufen. So ziehen sich die 140 Minuten doch noch ziemlich in die Länge (ein Grund für den schwer erklärbaren Erfolg des Vorgängers Lucy war sicher seine kompakte Laufzeit).
Zwischendurch gibt es gelegentlich witzige Atempausen. Gut gefallen hat mir die von der Sängerin Rihanna gespielte/gesprochene Figur Bubble, wenngleich ihre Tanzdarbietung mich nicht so beeindrucken konnte wie Valerian (kein Vergleich mit der Opernsängerin aus dem Fünften Element). In der Gefangenschaft, aus der Valerian und Bubble sie befreien wollen, ist Laureline dagegen sehr schmackhaft hergerichtet ;-) Zu diesem Zeitpunkt ist übrigens der weitere Handlungsverlauf so vorhersehbar, dass jeder Zehntklässler die Geschichte zu Ende erzählen könnte. Schade, dass diese nicht besser strukturiert war, und verschenkt, dass Clive Owen den Schurken spielt, der so blass gezeichnet ist, dass ich es kaum wage, an Gary Oldman in Léon (der Profi) zu denken...
Valerian ist aufgrund seiner visuellen Wunder nicht vollkommen gescheitert. Man darf gespannt sein, wie diese im Heimkino zur Geltung kommen. Dann sicher nicht in 3D, denn die Computeranimationen dürften auch in zwei Dimensionen noch plastisch genug sein. Leider hat Luc Besson bei der Musik auf seinen langjährigen Collaborateur Éric Serra verzichtet, der vielleicht die Exotik besser untermalt hätte als der eigentlich von mir geschätzte Alexandre Desplat, der hier nicht in seinem Element zu sein scheint. So kann ich Valerian zwar Neugierigen ans Herz legen, Skeptikern ansonsten aber lieber die für August angekündigte Neuaufführung von Das Fünfte Element empfehlen, auf dessen 4K-Restauration ich mich schon sehr freue. Die UHD-Scheibe ist in den USA bereits erhältlich, hierzulande wohl im Herbst zu erwarten. Der 20 Jahre alte Klassiker mag seinen Regisseur bezüglich der Tricktechnik enttäuscht haben, hat aber Herz, einen Spannungsbogen, einen Bruce Willis in Bestform und ein Big Bada Boom. Valerian mag sich in den kommenden Jahren (nachdem seine Produktionsfirmen längst Konkurs angemeldet haben) zum Geheimtip entwickeln, aber bis dahin kann ich nicht mehr als ein Ordentlich (6/10) vergeben.
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