Es war dann doch eine Marvel-Figur, der ich schließlich ins Netz ging, in den Anfangszeiten Computer-generierter Effekte. Bryan Singers X-Men hatte mich noch nicht überzeugt, das gelang erst Spider-Man. Und deshalb wird Tobey Maguire für mich auch immer der definitive Peter Parker bleiben. Im Kinojahr 2002 notierte ich:
"Der bessere Teenie-Film, mit einem für das Genre hervorragenden Drehbuch. Mehr Spaß als Atmosphäre. Willem Dafoe ist ohne Zweifel der Bösewicht des Jahres. Herausragend nur im Jahresvergleich."Das war im Juni, bevor dann doch noch tolle weitere Filme erschienen, kulmunierend im ersten Teil des Herr der Ringe, und kurz darauf stufte ich die Wertung auf acht Sterne ab. Ein Jahr später zeigte Bryan Singer, dass Comic-Verfilmungen neben verblüffender Tricks und starken Figuren auch gesellschaftliche Relevanz haben können; X-Men 2 war für mich der erste herausragende Superhelden-Film.
Sam Raimis Fortsetzung von 2004, bei den meisten Kritikern hoch angesehen, fand ich dann bereits überladen. Der Abschluss der Trilogie wurde 2007 dann allgemein als enttäuschend klassifiziert. Nur fünf Jahre später wagte Sony bereits ein Reboot, welches ausser den charismatischen Jungdarstellern (Andrew Garfield und Emma Stone) aber nichts Neues zu bieten hatte (von der lahmen Fortsetzung ganz zu schweigen). In der Zwischenzeit wurde Spidey aber von zwei anderen Phänomenen in den Schatten gestellt: Christopher Nolans Dark Knight-Trilogie (für mich zu düster und fragmentiert) und Marvels von niemandem vorhergesehener Erfolg mit seinem "Marvel Cinematic Universe", kurz MCU, eingeleitet von einem Superhelden aus der zweiten Reihe: Iron Man. Der Rest ist Geschichte...
Mit Homecoming kehr Spider-Man nun heim ins
Zentraler Fehler des Drehbuchs (von einem Komitee, u.a. mit John Francis Daley, der in Bones den jungen Smartass-Psychologen Dr. Sweets gab) scheint mir der Hightech-Anzug zu sein, den Tony Stark seinem "Praktikanten" überlässt. Und auch wenn der Film am Ende eine Moral daraus zu ziehen versucht, dass Spider-Man sich zunächst mal aus eigener Kraft bewähren muss, wirkt es schon befremdlich, wie Tony versucht, den jungen Möchtegern-Avenger zu seinem Ebenbild zu formen. Peters Anzug verfügt sogar über eine eigene KI, mit der charmanten Stimme von (wem sonst) Jennifer Connelly, Oscar-Preisträgerin, Ex-Gespielin des Hulk und Ehefrau von Paul Bettany, der Stimme von Jarvis, inzwischen als "Vision" zum vollwertigen Avenger aufgestiegen. Zusätzlich muss ich feststellen, dass es nach 20 Jahren CGI immer noch nicht gelingt, am Computer überzeugende Flammen zu erzeugen. Schon in Captain America hatte mich der künstliche Spidey nicht überzeugt, und so glaube ich auch heute noch nicht daran, dass ein Mann fliegen kann. Ordentlich (6/10).
Hier als Bonus meine damaligen Gedanken zum ersten X-Men, der im nachträglich vor allem durch die grandiose Fortsetzung meine Sympathie gewonnen hat (heute: 7/10):
Schade eigentlich. Die Voraussetzungen waren gar nicht so schlecht. Die Grundidee - zwei Mutantenfraktionen bekämpfen sich wegen unterschiedlicher "politischer" Auffassungen - hätte Raum geben können für spannende Abenteuer und faszinierende Charaktere. Dazu gab es ein passables Budget (gemessen an den heutigen Möglichkeiten digitaler Special Effects), einige hervorragende Schauspieler und einen Regisseur, der mit "Die üblichen Verdächtigen" ein beachtliches Debut hingelegt hatte. Tim Burton hat unter ähnlichen Voraussetzungen mit "Batman" viel, viel mehr erreicht. Leider scheitert "X-Men" an einem miserablen Drehbuch, einer statischen Inszenierung und größtenteils blassen Darstellern (inklusive Patrick "Jean-Luc Picard" Stewart). Die einzigen Figuren, die Singer zum Leben erwecken kann, sind Wolverine (Hugh Jackman), Rogue (die junge Oskar-Preisträgerin Anna Paquin, deren Leistung merkwürdigerweise in keiner Vorschau oder Kritik erwähnt wurde), daneben mit Abstrichen Magneto (Ian McKellen). Die äußere Handlung plätschert behäbig dahin, eine innere Spannung wird nicht aufgebaut. Dafür werden uns dümmliche Dialoge präsentiert: "[Bist du der echte Wolverine?] Beweise es!" - "Du bist ein Arschloch!" - "Ok." Bleibt zu hoffen, daß aus den reichlichen Einnahmen wenigstens ein geringer Prozentsatz ins Drehbuch für die (bereits fest geplante) Fortsetzung fließt.
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