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Sonntag, 16. September 2018

Keine neuen Features: The Predator (6/10)

Ein Predator ist eigentlich ein Raubtier, während das Monster hier eher ein Trophäenjäger ist - was in dieser Neuauflage auch mehrfach erwähnt wird. Aber das klingt natürlich nicht annähernd so cool. Dieses unfreiwillige Franchise ist ohnehin nur im weitesten Sinne Science Fiction. Es kommen zwar Raumschiffe und Aliens vor, aber sonst... Zum Beispiel verstehe ich nicht, wie die Predators an der Spitze der galaktischen Nahrungspyramide stehen können, wenn sie nur im Infrarotbereich sehen können (was allerdings Raum für interessante Effekte gibt). Wie haben solche Wesen denn überhaupt das Rad erfinden können, wenn sie die dazu notwendigen Materialien nicht sehen können?

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Die Geschichte begann 1987 eher als Horror-Thriller und Schwarzenegger-Vehikel (für die Jüngeren: er war der Dwayne Johnsson der 80er). Das Original macht aber auch heute noch Spaß, wenn man die unnötige Brutalität und Arnies unpassende Einzeiler der ersten Hälfte ignoriert. Die folgende Hetzjagd im lateinamerikanischen Dschungel ist aber grandios inszeniert (von Stirb-Langsam-Regisseur John McTiernan). Gleiches kann man leider nicht für die drei Jahre später erschienene Fortsetzung behaupten, die im Großstadt-Dschungel in einer dystopischen Zukunft spielt (was in den Folgefilmen zu Recht ignoriert wurde). Predators 2 hatte mit Lethal-Weapon-Star Danny Glover zwar einen soliden Hauptdarsteller, das Drehbuch wirkt aber so zerfleischt wie am Ende die Körper seiner Mitstreiter, darunter ein junger "Jayne" Adam Baldwin. Auch dabei: der im letzten Jahr verstorbene Bill Paxton in einem bizarren Auftritt irgendwo zwischen James Dean und Robert DeNiro, der eher wie eine Probeaufnahme für einen Fernsehkrimi wirkt.

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Jedenfalls kann man dieses Machwerk von Stephen Hopkins getrost ignorieren und gleich zum dritten Teil übergehen, der 20 Jahre später entstand (zwischendurch gab es wohl noch lausige Cross-Franchise-Breeds wie Alien vs. Predator etc.) Predators (2010) unter Leitung von Nimród Antal und Robert Rodriguez spielt wieder in einem "echten" Dschungel, allerdings auf einem fremden Planeten. Eine Darstellerriege mit hohem Wiedererkennungswert (und inzwischen zwei Oscar-Preisträgern) sorgte erneut für ein kurzweiliges Schlachtfest, darunter Adrien Brody (Der Pianist), Topher Grace (Die wilden 70er), Alice Braga (City of God), Danny Trejo (Machete) und Mahershali Ali (Moonlight).




Nachdem Ridley Scott die Alien-Welle inzwischen zu Tode geritten hat, will Twentieth Century Fox nun offenbar auch aus dem verwandten B-Franchise noch ein paar Dollars erpressen. Immerhin wurde mit Shane Black als Regisseur und Autor eine Legende engagiert, die übrigens im allerersten Film bereits eine kleine Rolle spielte, damit das Studio im Notfall einen Scriptdoktor vor Ort hatte. Wie man hört, hatte der Stahlharte Profi diesmal selbst mit den Produzenten zu kämpfen. Es ist ja bekannt, dass Studiobosse selbst nur in einem stark eingeschränkten Spektrum sehen können. Rausgekommen ist daher leider wieder nur ein Hybrid aus dem Katz-und-Maus-Spiel des Originals und Blacks skurillen Ensemble-Menagen wie Kiss Kiss Bang Bang oder Nice Guys. Diese Hetzjagd ging auf Kosten der rohen Spannung, und die Charakterzeichnungen wirken sprunghafter als sonst bei ihm üblich. Irgendwie verliert er diesmal den roten Faden (vielleicht ein Infrarot-Effekt). Da gibt es zum Beispiel diesen allerliebsten Weltraumhund, der erst Bedrohung, dann nach einer improvisierten Lobotomie Verbündeter ist und schließlich in einen Anhänger gelockt und vergessen wird. Es gibt einfach zu viele Handlungsbruchstücke ohne Payoff. Dem Franchise geschuldet müssen natürlich die meisten Figuren am Ende dem Predator zum Opfer fallen. Für so manchen Antihelden hätte ich mir allerdings einen denkwürdigeren Abgang gewünscht.

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Immerhin konnte Shane Black ein Traumteam zur Mitarbeit bewegen. Hauptdarsteller Boyd Holbrook (Narcos) ist zwar ein blasser Nachfolger von Arnie, Glover und Brody, das machen seine Kumpanen, das unwahrscheinliche Comedy-Duo Keegan-Michael Key und Trevante Rhodes (Moonlight), "Theon Greyjoy" Alfie Allen, Thomas Jane (bester Darsteller aus The Expanse) als Tourette-geplagter Grantler, Augusto Aguilera und Jake (Garys Sohn) Busey, allemal wett. Hinzu kommt der 11 jährige Fast-Oscar-Kandidat Jacob Tremblay (Raum), der seine potentiell nervige Rolle zum Glück sehr zurückhaltend anlegt (der erste Trailer ließ ja das Schlimmste befürchten).

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Und dann sind da die beiden Frauen, deren Rollen ich gern getauscht hätte. Schließlich hat die wunderbare Yvonne Strahovski aus Chuck reichlich Actionerfahrung, muss sich hier aber mit der passiven Rolle als zurückgelassene Ehefrau begnügen (in ihrer aktivsten Szene wirft sie ihr Telefon ins Spülwasser). Nichts gegen Olivia Munn (Psylocke in X-Men: Apocalypse), sie gibt ihr Bestes und kann durchaus mit den Männern mithalten. Hier liegt aber auch das (Drehbuch-)Problem: Sie wird als Wissenschaftlerin eingeführt (die einzige Alien-Biologin - auf Abruf - der USA), greift sich aber bei erster Gelegenheit ein Gewehr und ist fortan nur noch selten am Mikroskop zu beobachten. Das ist ein trauriger Verrat an sowohl der Wissenschafts- als auch der Damenwelt.

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Nun ja, niemand hat ein Meisterwerk erwartet. Auch wenn die Produktion soviel gekostet hat wie die drei Vorgänger zusammen, kann man aus einem B-Franchise nicht einfach einen A-Blockbuster machen. Und Shane Black hat seine Munition wohl langsam verschossen. Was bleibt, sind durchaus unterhaltsame 100 Minuten mit Witz und ein paar Überraschungen. Ein wirkliches Upgrade kann ich aber nicht erkennen, höchstens ein Update. Ordentlich (6/10).

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Ceterum censeo tertiam dimensionem ignorandam esse.

Die Original-"Trilogie" ist zur Einstimmung auf die Fortsetzung jüngst auf UHD-Blu-ray erschienen, in für meinen Geschmack guter Bildqualität - die Restaurierung läßt nun wieder (ruhiges) Filmkorn erkennen. Kauftipp: die britische Box ist deutlich günstiger und enthält trotzdem auf fast allen Scheiben den deutschen Ton.

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