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Sonntag, 22. Mai 2016

Ein Satz mit X - X-Men: Apocalypse (6/10)

Muss es eigentlich immer der Weltuntergang sein? Wenn ich Zerstörungsorgien ohne Sinn und Verstand sehen möchte, gibt es demnächst ja Independence Day: Wiederkehr (und dank Jeff Goldblum macht zumindest der Trailer Spaß - sein trockener Humor ist selbst schon eine Sehenswürdigkeit). Schon bei Avengers: Age of Ultron war das drohende Armageddon das geringste Spannungselement. Die Steigerung kann dann eigentlich nur noch die Auslöschung des Universums sein. Für den Kampf gegen Thanos in Avengers: Infinity War schwant mir Böses...



Trotz einer fulminanten Eröffnungsszene, einem 3D-Achterbahnritt ins Innere einer Pyramide, bleibt der Gestalt gewordene, titelgebende Weltuntergang von X-Men: Apocalypse enttäuschend blass. Da hatte Arnold Vosloo im spaßigen 90erJahre-Remake von Die Mumie viel mehr Ausstrahlung, und deutlich klarere Motivationen. Das liegt allerdings nicht an Oscar Isaac, der sich hier nach Star Wars klammheimlich und erneut kaum wiedererkennbar in ein weiteres Franchise einschleicht. Seine Figur ist einfach zu schlecht entwickelt, seine Dialoge wirken banal, er ist ganz Oberfläche.



Von seinen vier "apokalyptischen Reitern" mag ich schon gar nicht sprechen. Dabei ist eine von ihnen (Alexandra Shipp aus Straight Outta Compton) die "neue" Storm, deren Werdegang hier in zwei Miniszenen verschenkt wird, eine weitere ein Wonder-Woman-Klon (Olivia Munn als Psylocke), der dritte eine schlechte Angel-Kopie, und der vierte Nebenschurke - wer hätte es erraten - ist mal wieder Magneto, dessen Geschichte gut anfängt, um dann in ausgefahrenen Untiefen zu versinken.



Was diesen dritten Auftritt der "Next Generation" der X-Men trotzdem sehenswert macht, ist also nicht der große Handlungsbogen, sondern es sind die vielen kleinen Szenen der ansonsten hervorragenden Darstellerriege. Ich persönlich fand es jedenfalls herrlich, wie Xavier angesichts der hübschen CIA-Agentin Moira (Rose Byrne, die bereits in Erste Entscheidung dabei war, aber kaum gealtert ist; im Foto mit ihrem Partner Bobby Cannavale) zum Teenager mutiert, oder wie Cyclops beim Training Xaviers Lieblingsbaum zerstört. Nicholas Hoult als Hank und Jennifer Lawrence als Raven sind immer noch phantastische Identifikationsfiguren. Die junge Oscar-Preisträgerin wirkt allerdings gerade in 3D noch wie ein pausbäckiger Teenager (ich nehme an, dass Mystique einfach nicht wie andere altert).



Der Zeitsprung in die 80er und die im Vorgängerfilm erreichte Veränderung der Timeline sorgen für einige Verwirrung. So müßten Prof. X, Magneto, Mystique und Beast jetzt so um die 40 Jahre alt sein. Es ist also bereits Platz für die nächste Generation. Dabei stiehlt Evan Peters als Quicksilver mal wieder die Show (diesmal zeitgemäß zu Sweet Dreams von den Eurythmics). Kodi Smith-McPhee als Kurt Wagner alias Nightcrawler steht ihm an Unterhaltungswert kaum nach (aber warum muss nach dem Schotten Alan Cumming nun ein Australier in Deutsch radebrechen?) Scott Summers alias Cyclops (Neuling Tye Sheridan) fand ich als Figur immer schon langweilig, die Autoren machen noch das Beste draus. Und übrigens: Die Entstehungsgeschichte von Xaviers Glatze wirkt ziemlich an den Haaren herbeigezogen und ist aufgrund der neuen Zeitlinie auch unnötig.



Die wichtigste Neubesetzung war allerdings die der Telepathie und Telekinese mächtige Supermutantin Jean Grey. Nach einem holprigen Start hat mich die gerade 20jährige Sophie Turner, Lady Sansa aus Game of Thrones, allerdings schnell für sich eingenommen, und am Ende konnte man in ihrer Darstellung durchaus eine junge Famke Janssen erahnen. Kompliment an die rothaarige Engländerin, die sich in der HBO-Serie von Jahr zu Jahr steigern konnte. Und Schwamm drüber, was das misslungene Cameo ihres Soulmates Wolverine angeht - Hugh Jackman kann uns ja nächstes Jahr in seinem dritten Solofilm zeigen, dass er's noch drauf hat...



Nachdem einige der jungen Mutanten eines Abends ausbüxen und sich Return of the Jedi anschauen, fällt der von Bryan Singer hoffentlich selbstironisch gemeinte Spruch, dass "der dritte Teil" stets der schlechteste sei. Natürlich ist das zunächst ein Seitenhieb auf den Abschluss der ursprünglichen X-Men-Saga, den Brett Ratner mit unfassbarer Inkompetenz vor zehn Jahren in den Sand gesetzt hatte. Aber auch Apokalypse ist ein dritter Teil (allerdings kaum der Abschluss), und gerade im Vergleich zum Vorgänger kommt er schlecht weg. Days of Future Passed hat schließlich dem Star-Trek-Franchise gezeigt, wie man ein Treffen der Generationen mit einem Reboot zu einer fesselnden Geschichte verknüpfen kann. Aber diesmal haben sich Autor Simon Kinberg und Regisseur Bryan Singer übernommen. Anders als beim Bürgerkrieg der Avengers ist dies auch der Tenor der Filmkritiker. Obwohl ich einen Tick mehr Freude an Apokalypse als am Civil War hatte (vielleicht auch aufgrund einer geringeren Erwartungshaltung), reicht es bei mir doch nur für ein Ordentlich (6/10).

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